Teilhabebericht heute im Bundeskabinett

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Adolf Bauer
Adolf Bauer
Bild: SoVD

Berlin (kobinet) Der Sozialverband Deutschland (SoVD) begrüßt das Vorhaben der Bundesregierung, Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen sichtbarer darzustellen. "Das Ziel, Barrieren für die Betroffenen abzubauen, rückt damit näher", erklärte heute Verbandspräsident Adolf Bauer der Beratung des Berichts zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Bundeskabinett.

"Anders als früher ist der neue Bericht mehr als nur ein Arbeitsnachweis der Politik. Denn der Alltag der Betroffenen wird jetzt endlich deutlicher. Dies ist insbesondere in den Bereichen Bildung, Arbeit und politische Teilhabe unverzichtbar", sagte Bauer. Er verwies auf die jahrelangen Forderungen des SoVD, die Situation behinderter Menschen lebensecht abzubilden. Gleichzeitig komme es darauf an, verstärkt repräsentative Daten in dem Bericht zu berücksichtigen, um letztlich mehr Teilhabe zu ermöglichen. "Viele Akteure in Politik und Wirtschaft wissen noch zu wenig, um auf die reale Situation behinderter Menschen in Deutschland umfassend und konzeptionell einzugehen. Vor diesem Hintergrund ist es sehr bedauerlich, dass erst heute im Kabinett über den Teilhabebericht beraten wird", so Bauer. "Wenn es nun bei der neuen Marschrichtung bleibt, wäre das ein großer Gewinn für alle Betroffenen."

Lesermeinungen zu “Teilhabebericht heute im Bundeskabinett” (2)

Von Inge Rosenberger

Meine ganzen bisherigen Erfahrungen gehen dahin, dass – im Widerspruch zu den Leitgedanken der Inklusion – Menschen mit hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf immer weiter ausgegrenzt werden. Der Unterschied zwischen dem propagierten politischen Anspruch und dem wirklichen Leben von Menschen mit schwersten Behinderungen ist enorm und wird immer größer.
Die kompletten Lebensbedingungen unserer Töchter und Söhne werden ausschließlich an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit ihrer Fähigkeiten festgemacht.
Inklusion bedeutet, ALLE gehören dazu! Leider merken die betroffenen Familien nichts davon, denn sie warten immer noch vergeblich auf die Inklusion.

Von Gisela Maubach

Zitat aus dem Beitrag:
"Dies ist insbesondere in den Bereichen Bildung, Arbeit und politische Teilhabe unverzichtbar".

Wie immer finden sich arbeitsunfähige Menschen, die nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sprechen, bei der Unverzichtbarkeit nicht wieder.

Allerdings könnten zur Forderung des SoVD, die Situation behinderter Menschen "lebensecht abzubilden", gerade von pflegenden Angehörigen haarsträubende Beispiele eingebracht werden.

Bei uns flattert gerade heute die "Lohn-/Gehaltsabrechnung" des Monats Juli aus der Werkstatt meines Sohnes in's Haus. Obwohl er keinerlei wirtschaftlich verwertbare Arbeit leisten kann, erhält er trotzdem ein "Entgeld" in Höhe von 100,65 Euro monatlich. Dieser Betrag wurde nun schon zum zweiten Mal um 20 Euro "Sonderzahlung" erhöht, und natürlich bin ich verpflichtet, diese 20 Euro jeweils dem Grundsicherungsamt meines Sohnes nachzuweisen.
Nach den ersten 20 Euro hatten wir bereits einen neuen - genau 10 Seiten umfassenden - Bescheid bekommen, weil die Sonderzahlung aus dem Monat Juni für die Anrechnung bei der Grundsicherung anteilig auf die folgenden zwölf Monate aufgeteilt wurden - beginnend mit dem Monat August.
Die 20 Euro, die nun heute in der Gehaltsabrechnung auftauchen, muss ich nun auch wieder beim Grundsicherungsamt einreichen (man hat ja sonst nichts zu tun), und die werden dann auch wieder auf 12 Monate verteilt - diesmal beginnend mit Monat September, so dass es zunehmend zu unterschiedlichen Beträgen und wahrscheinlich 15-Seiten-langen Bescheiden kommt.

Man darf gespannt sein, ob der "Gewinn für alle Betroffenen" ausnahmsweise auch mal bei Menschen mit Schwerst(mehrfach)behinderungen ankommt, falls man tatsächlich auf die reale Situation behinderter Menschen umfassend und konzeptionell eingehen wird . . .