Berliner Sparwut kritisiert

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Rotes Rathaus in Berlin
Rotes Rathaus in Berlin
Bild: sch

Berlin (kobinet) Erstmals muss eine blinde Schülerin das Steglitzer Fichtenberg-Gymnasium verlassen, weil sie dort nicht mehr ausreichend gefördert werden kann. "Die Summe der zur Verfügung stehenden Lehrerstunden hat sich in den vergangenen Jahren um fast 66 Prozent verringert", zitiert heute die Berliner Zeitung den Schulleiter. Mit diesen Kürzungen könne die Schule, die seit 20 Jahren sehbehinderte und blinde Jugendliche integriert, eine ausreichende Förderung dieser Schüler nicht mehr sicherstellen. Die Schülerin besucht nun ein Internat für Blinde in Hessen.

Das Fortbestehen der Beratungsstellen HörBIZ ist in Gefahr. Sollte es zu den geplanten Kürzungen von 15 000 Euro kommen, so muss eine der beiden Beratungsstellen für schwerhörige und ertaubte Menschen die Arbeit beenden. "Das ist ein Dilemma besonders für ältere Menschen, wenn man den demografischen Wandel, die Population von Hörbehinderungen und alle Bemühungen zur Umsetzung der UN-Konvention betrachtet", mailte Projektleiterin Sabine Grehl an den Berliner kobinet-Korrespondenten.

Die Berliner Behindertenzeitung kritisiert scharf die "Berliner Sparwut" bei sprudelnden Steuereinnahmen. Im Leitartikel der jüngsten Ausgabe verweist Dominik Peter darauf, dass das Land Berlin im ersten Halbjahr 730 Millionen Euro mehr eingenommen als ausgegeben hat. Laut Medienberichten erzielte Berlin mit 222 Euro nach Sachsen den höchsten Pro-Kopf-Überschuss. Daher fordert der Berliner Behindertenverband ein Ende der rigorosen Konsolidierungspolitik. "Jetzt sollte man jenen helfen, die Unterstützung brauchen, statt kopflos Gelder zu streichen", meint Peter.