Deutschlands Reiche werden immer reicher

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Geldscheine
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Bild: omp

Kassel (kobinet) Lohnkostensteigerungen oder Zinsen auf Sparguthaben von 5,2 Prozent pro Jahr sind derzeit fernab jeglicher Vorstellungskraft. Für die Reichsten in Deutschland sind solche Vermögenssteigerungen allerdings Realität. Das Vermögen der 100 reichsten Deutschen ist in den letzten zwölf Monaten nach Recherchen des Managermagazins um 5,2 Prozent auf den Rekordwert von 336,6 Milliarden Euro angewachsen.

Kommentar von kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul

Obwohl noch gar keine Koalitionsverhandlungen für eine neue Bundesregierung aufgenommen wurden, scheint bereits klar zu sein, dass es keine Steuererhöhungen geben wird. In einer höchst undifferenzierten Debatte ließen sich die einzelnen Parteien von den Medien in die Ecke treiben, ohne dass dabei deutlich gemacht wurde, dass es bei den geplanten Steuererhöhungen hauptsächlich um Steuererhöhungen für gut verdienende Menschen in Deutschland geht. Die nun vom Manager Magazin veröffentlichten Zahlen zeigen, mit welchem Ungleichgewicht wir es in Sachen Armut und Reichtum zu tun haben. Allein um 17,6 Milliarden Euro ist das Vermögen der 100 Reichsten in Deutschland in den letzten zwölf Monaten angewachsen, während wir uns auf der anderen Seite in Deutschland immer noch schwer mit einem garantierten Mindestlohn tun.

Was könnte man alles mit einem Teil des Zugewinns der 100 Reichsten in Deutschland machen? Die Einführung eines Bundesteilhabegesetzes ohne Anrechnung des Einkommens und Vermögens mit einem bundesweit einheitlichen Teilhabegeld zum Ausgleich behinderungsbedingter Mehraufwendungen oder der Abbau so mancher Barrieren wären allein damit locker zu realisieren. Und vieles mehr, was unsere Gesellschaft lebenswerter und sozialer macht, wäre durch entsprechende steuerpolitische Maßnahmen machbar. Doch die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander, so zählte das Manager Magazin 135 Milliardenvermögen in Deutschland, mehr als je zuvor. Wer sich dies nicht richtig vorstellen kann, das ist ein Vermögen mit neun Nullen hinter der 1 - also 1.000.000.000 Euro. Die angedachte Kürzung des Blinden-, Sehbehinderten- und Gehörlosengeldes in Sachsen-Anhalt, gegen die sich die Verbände mühsam wehren mussten, bzw. die mangelhafte Unterstützung für taubblinde Menschen, die dagegen letzte Woche in Berlin auf die Straße gegangen sind, sind angesichts solcher Summen ein Hohn. 

Interessant ist auch, dass die Reichsten der Reichen anscheinend bestens im Discounter Geschäft, also hauptsächlich an lebensnotwendigen Lebensmitteln, verdienen. Mit 17,8 Milliarden Euro liegt Karl Albrecht vor der Familie seines verstorbenen Bruders Theo Albrecht mit 16 Milliarden Euro, also die Aldi-Betreiber. Auf Platz drei folgt der Gründer von Lidl und Kaufland mit einem geschätzten Vermögen von 13 Millarden Euro, eine Milliarde mehr als im Vorjahr. An den Grundbedürfnissen derjenigen, die meist nicht so viel zu beißen haben, lässt sich also anscheinend bestens verdienen. Tja, was könnte man nicht alles durch eine gerechtere Steuerpolitik erreichen?