Behinderte nicht behindern!
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: Bundespresseamt
Berlin (kobinet) Der 3. Dezember wird in diesem Jahr wieder als Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung begangen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat den Aktionstag vor 20 Jahren ausgerufen. Diesem Anlass widmet die deutsche Regierungschefin Angela Merkel ihre aktuelle Videobotschaft "Die Kanzlerin direkt".
Die Bundeskanzlerin ruft dazu auf, Menschen mit Behinderungen noch besser zu integrieren. Es gehe darum, „dass wir als Gesellschaft sie nicht behindern", sagt Merkel.

Von harle
Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Mergel, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe Ulla Schmidt oder der Menschenrechtsexperte und Leiter der Monitoring-Stelle Dr. Valentin Aichele, sie läutern sich - schön redend und fordernd - wiedermal zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Selbst Aktiv“ behinderte Menschen in der SPD „sagt Nein zum Koalitionsvertrag“. Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Selbstbestimmte Behindertenpolitik“ behinderte Menschen in der Partei DIE LiNKE. beschwert sich, mit Dr. Ilja Seifert keinen behindertenpolitische Sprecher als Bundestagabgeordneter im Bundestag und wie es ausschaut auch nicht als Europaabgeordneter im Europäischen Parlament zukünftig mehr zu haben.
Andererseits gibt es in Deutschland (81,5 Millionen Einwohnern) über 7 Millionen Menschen, die in Deutschland als schwerbehindert gelten, und rund 17 Millionen Menschen - also jede vierte Frau und jeder vierte Mann - im Alter von über 18 Jahren leben mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder chronischen Krankheiten, die sie im täglichen Leben einschränken - sprich: 24 Millionen Menschen in Deutschland leben ihren Alltag mit irgendwelchen Behinderungen (siehe Internet-Link: http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Meldungen/2013-07-31-teilhabebericht.pdf?__blob=publicationFile).
Und seit Mai d.J. (2013) hat das „Forum behinderter Juristinnen und Juristen (FbJJ)“ einen Entwurf als Gesetz zur Sozialen Teilhabe - Gesetz zur Änderung des SGB IX und anderer Gesetze - den Menschen mit und ohne Behinderungen (und oder Beeinträchtigungen) für Deutschland, also allen Abgeordneten (in Europa,) im Bund, in den Bundesländern und Kommunen vorgelegt (siehe Internet-Link: http://www.forsea.de/projekte/Teilhabesicherunggesetz/2013-05-03_GST_Bremen.pdf).
Also, was wäre zu tun? Anstatt alljährlich immer wieder von Bundeskanzlerin und MdBs zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen gut gemeinte, daher schleimende Rhetorik zu verbreiten, konkret auf jeden Fall sich der eigenen Kraft und der Behindertenbewegung UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bewusst werden und jetzt doch mal die Ärmel hoch krempeln und gemeinsam mit Hilfe der aktiven Arbeitsgemeinschaften in den Parteien, Gewerkschaften, Verbänden und Werkstätten in Versammlung-zu-Versammlung- und Haus-zu-Haus-Aktionen Millionen von Unterschriften für eine Petition zu sammeln mit der Forderung, dass der o.g. Entwurf „Gesetz zur Sozialen Teilhabe“ vom FbJJ vom Bundestag zum Gesetz gemacht wird.
Von Arnd Hellinger
Leider liest sich der von Frau Merkel entscheidend mitausgehandelte Koalitionsvertrag nicht so, als folgten dieser Videobotschaft bis 2017 jetzt die notwendig aus derselben sowie der (Ratifikation der) UN-BRK resultierenden Taten... :-(
Dabei wären zur Eiinleitung eines entsprechenden Verfahrens im Bundestag nur wenige Mausklicks erforderlich. Wie das? Nun, ein Abgeordneter (oder dessen Referent) der Regierungsfraktionen müsste nur den Entwurf des FBJJ für das Teilhabesicherungsgesetz in die Dokumentvorlage "Neue BT-Drucksache/Gesetzentwurf" kopieren und auf den Dienstweg schicken...
Ich verstehe nicht, warum sich kein MdB von CDU/CSU oder SPD - etwa Hubert Hüppe - an diese doch recht leichte Übung traiut.
Von Gotthilf Lorch
Vergessen habe ich noch meine Frage:
Warum verhindern Sie immer noch sie 5. Antidiskriminierungsrichtline auf der EU-Ebene ?
Von Gotthilf Lorch
Sehr geehrte Frau Merkel,
wir brauchen kein Eingliederungsgesetz !!!
Wir haben noch keine inklusive Welt, alle streben sie aber an und wollen sie haben. In einer inklusiven Welt darf niemand mehr ausgesondert werden. Nicht in Heime und Pflegeheime, nicht in der Schule oder Ausbildung, nicht bei der Arbeit und nicht in der Sprache und Kommunikation – Stichworte: leichte Sprache, Gebärdensprache und barrierefrei digital.
Wir brauchen deshalb ein Bundesteilhabesetz !!!
- so steht es auch in Ihrem Koalitionsvertrag.
Hierzu gehören unter Anderem auch:
- Mindestlohn für Alle, auch in der Werkstatt für behinderte Menschen,
- wer nicht arbeiten kann soll eine Grundsicherung erhalten von gedachten 38,5 Stunden nach dem Mindestlohn,
- Hilfsmittel und Assistenz für Pflege, Mobilität, Kommunikation zu Hause, bei der Arbeit und Freizeit nach dem tatsächlichen Bedarf.
Dabei müssen alle Leistungen im Bundesteilhabegesetz Einkommens- und vermögensunabhängig (!) sein. Nur so kann die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gelingen.
Dies alles wird aber weder in Ihrer Ansprache erwähnt noch im Koalitionsvertrag geschrieben.
Von EK
Klingt richtig inklusiv..."Wir als Gesellschaft" hier / "die Behinderten" dort... lustig ist auch immer, wenn schon beim Download solcher behinderten Regierungsverlautbarungen "nicht barrierefrei" draufsteht. Da weiß man wenigstens woran man ist lol
Von Kerstin
Ein Nachtrag :
der letzte Satz ist ein böser Schreibfehler. Ich meine selbstverständlich, vermögens- und einkommensunabhäng.
Sorry!!!
Von Kerstin
Menschen mit Behinderung werden im Koalitionsvertrag von SPD, CDU/CSU so oft, wie nie zuvor genannt. Was wirklich Zählbares davon umgesetzt wird. Nicht nur der Weltbehindertentag am 03. Dezember und der Europäische Protesttag der Menschen mit Behinderung am 05. Mai, sondern der Alltag müssen uns Anlass geben, wie weit Inclusion wirklich gediehen ist. Solange man sich im Koalitionsvertrag nicht einmal über die Definition, was erreicht werden soll, sehe ich eine Umsetzung der UN Konvention noch in weiter Ferne. Ein Bundesteilhabegesetz, so fordert es u.a. die BAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik muss die behinderungsbedingten Nachteilausgleiche beinhalten, so dass eine gleichberechtigte Teilhabe am Leben möglich ist. Und dies ohne, dass die Gefahr besteht, ein Sozialfall zu weden. Dazu gehört auch eine inhaltliche Reform der Eingliederungshilfe, die Einführung von personenzentrierten Leistungen, die einkommens- und vermögensabhängig sind.
Von Karin Kestner
Es gehe darum, „dass wir als Gesellschaft sie nicht behindern", sagt Merkel.
Und wie sieht es mit der Politik / Politikern aus?
Und wie sieht es mit den Sachbearbeitern aller Ämter aus?
Und wie sieht es mit den Direktoren der Regelschulen aus?
Dürfen die weiter machen wie bisher oder wird endlich von "Oben" etwas dagegen getan?
Eltern gehen ständig vor Gericht für ihre Kinder, weil zu Unrecht sämtliche Anträge, die irgendwie Geld kosten könnten, abgelehnt werden. Es ist einfach alles nur unerträglich.
Karin Kestner
Von rwenzel
Wenn ich mir den Koalitionsvertrag ansehe wird sich an der Situation Behinderter Menschen nichts, aber auch gar nichts ändern. Und ich finde die Entscheidung, der SPD Arbeitsgemeinschaft Selbst Aktiv bemerkenswert sich gegen diesen Koalitionsvertrag auszusprechen, hier haben wir im Bundesvorstand von Selbst Aktiv Standhaftigkeit bewiesen, es geht uns um die Menschen mit Behinderungen und nicht um Parteiziele. Daran werden wir von den Menschen mit Behinderungen auch außerhalb der SPD gemessen.
Von rwenzel
Das ist reine Heuchelei, warum verweigert Frau Merkel sich immer wieder ein gegen ein Bundesteilhabegesetz, warum überlässt Sie den Ländern die Entscheidung ob Kinder mit Behinderungen in Schulen gehen dürfen wie gesunde Kinder, in Hessen stehen die Integrativen Kindergartenplätze vor dem aus und warum verweigert Sie die Erhöhung der Ausgleichsabgabe, die Arbeitgeber verpflichtet mehr Behinderte einzustellen? Nein Frau Merkel, Sie gerade Sie haben nicht das Recht solch eine Aussage zu machen. Schwarz/Gelb war eine Koalition die Behindertenfeinlicher nicht sein kann. Und warum bitte werden Behinderte von Jobzentren schon fast drangsaliert. Sie sind eine Heuchlerin!
Von Nerobranka
Das was die Frau Bundeskanzlerin Merkel gesagt hat hört sich wunderbar an, aber wie mir scheint, hat sich das doch noch nicht innerhalb der Organe bis unten hin durchgesprochen, denn wie sonst kann es sein, dass das Jobcenter Wilhelmshaven, dem an den Rollstuhl gefesselten Peter Kliever immer wieder verweigert eine behinderten gerechte Wohnung zu bezahlen?