Inklusion gelingt

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

INKLUSION gelingt!
INKLUSION gelingt!
Bild: BDA, DIHK, ZDH

Berlin (kobinet) "INKLUSION gelingt!" So lautet der Titel eines Internetangebotes einer Initiative der Wirtschaft für Menschen mit Behinderung. Damit unterstützen die Spitzenverbände der Wirtschaft BDA, DIHK und ZDH die Inklusionsinitiative für Ausbildung und Beschäftigung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

"Menschen mit Behinderung müssen mit ihren individuellen Leistungen und Fähigkeiten in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dazu sind inklusive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen notwendig. Eine inklusive Gesellschaft hilft nicht nur den Betroffenen. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen ist aufgrund der demografischen Entwicklung die Fachkräftesicherung zu einer beschäftigungspolitischen Herausforderung geworden. Das Erwerbspotenzial von Menschen mit Handicaps darf im Rahmen einer demografiefesten Personalpolitik nicht aus dem Blick geraten. Anders sein und anders denken können bedeutet oft Innovation. Außerdem sind Menschen mit Handicaps oft besonders motiviert. Sie wollen beweisen, dass sie es können und dass ihre Arbeit Wertschätzung verdient. Behindert bedeutet nicht automatisch leistungsgemindert", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Wirtschaftsverbände. 

Die Wirtschaft wolle diesen Bewusstseinswandel und damit den Prozess der Inklusion vorantreiben und damit Brücken für Menschen mit Behinderung in Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft bauen. Mit ihrer Initiative "Inklusion gelingt!" möchten der BDA, DIHK und ZDH vor allem solche Betriebe ansprechen, die bisher aus den unterschiedlichsten Gründen noch keine Menschen mit Behinderung ausgebildet oder beschäftigt haben. Ziel ist es vor allem, Betriebe bei der Schaffung inklusiver Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu unterstützen und ihnen Lösungen aufzuzeigen, wie Inklusion in der Praxis gelingen kann. 

Die Internetplattform www.inklusion-gelingt.de informiert und unterstützt Betriebe, damit diese die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung erfolgreich gestalten können. Die Website umfasst unter Einbeziehung bestehender Informationsangebote für die Unternehmen Handlungsempfehlungen, eine Übersicht der Förderinstrumente, zahlreiche Kontaktadressen wichtiger Dienstleister und Behörden sowie verschiedener Publikationen. Anhand von Praxisbeispielen wird deutlich gemacht, wie die Inklusion von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt erfolgreich gelingen kann, heißt es auf der Internetseite.

Lesermeinungen zu “Inklusion gelingt” (3)

Von Jürgen Wecke

Inklusion kann gelingen, wenn die Politik mitspielt.
Unser Ausbioldungssystem ist das duale Bildungssystem und die wenigsten Berufsschulbauwerke sind komplett barrierefrei. Ich habe vor einigen Wochen bei meiner alten Berufsschule nachgefragt, ob das Bauwerk im Zuge der Gemkow Aktivitäten komplett barrierefrei gestaltet worden ist, denn ich meinte mich zu erinnern, dass das recht einfach zu machen gewesen wäre. Der Mitarbeiter mit dem ich sprach stimmte mir zu, bemerkte aber, dass das Geld dafür nicht vorhanden sei. An meinem derzeitigen Standort sieht es so aus, das Anfragen garnicht beantwortet werden, jede Anfrage erhält eine baden-württembergische Antwort, nämlich Schweigen. Solange die Politik sich noch auf die Berufsbildungswerke verläßt, muß man ein wirkliches Gelingen der Inklusion anzweifeln..

Von Lesebrille

"Behindert bedeutet nicht automatisch leistungsgemindert" Nicht automatisch, aber was, wenn doch? Was dann? Die Guten ins (Wirtschafts-)Töpfchen und die "Schlechten"??

Nicht nur, dass die Überzeugung Inklusion gelänge, wenn man Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt eingliederte ausblendet, dass das Arbeitsleben nur ein Teil des gesamten Lebens betrifft und Inklusion nur dann gelingt, wenn sie alle Teile des Lebens mit einbezieht, sie blendet auch aus, dass es genügend Menschen gibt, die nicht oder nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss/Rad fassen können.

Nicht nur Menschen mit Behinderung können davon betroffen sein, auch ältere nicht mehr arbeitsfähige Menschen, pflegende Angehörige, etc.

Aber eben auch ein nicht kleiner Personenkreis von schwer mehrfachbehinderten Menschen, die hier komplett hinten runter fallen. Wirtschaftlich nicht verwertbar - Inklusion verwirkt??

Wer Inklusion gelingt so definiert, wie hier im Artikel suggeriert, exkludiert freiwillig - mit Unterstützung des BMAS.

Im Studium lernte ich, dass wir als Gesellschaft unseren eigenen gesellschaftlichen "Verschnitt" schaffen. Das gilt es dringend zu ändern, denn sonst bleibt Inklusion ein hohles Lippenbekenntnis!

Von Uwe Heineker

"Inklusion gelingt° ??? von Wegen!

Solange Inklusion nicht am Maßstab jener Personengruppe schwerstmehrfach behinderter Menschen, die weder sich artikulieren noch - auch in Werkstätten - irgendeiner Erwerbstätigkeit nachgehen können, orientiert, kann sie einfach nicht gelingen und bleibt somit weiterhin eine Mögelpackung!

Wie lange noch wird der angesprochene Personenkreis immer noch "vergessen" und so gut wie gar nicht thematisiert bleiben - hier ist auch Solidarität gefragt!