Betroffene erklärt Autismus
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Dr. Andrea Bull
Gießen (kobinet) Der erste Info-Abend im neuen Jahr des Zentrum selbstbestimmt Leben (ZsL) Gießen stieß auf großes Interesse. Im Rahmen eines Vortrages erläuterte die selbst vom so genannten Asperger-Syndrom betroffene Dr. Andrea Bull ihre Lebensrealität.
In ihrem einstündigen Vortrag räumte die promovierte Tiermedizinerin zunächst mit sämtlichen verbreiteten Vorurteilen gegenüber Menschen mit autistischen Beeinträchtigungen auf: Autisten seien weder kalt, verschlossen und gefühllos gegenüber ihrem sozialen Umfeld, noch handele es sich durchweg um Hochbegabte, die man wegen ihrer speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten bewundern müsse. Zwar lebten Autisten in einer eigenen Welt. Letztlich lebe auch jeder Nicht-Autist in seinem eigenen, durch Bewusstsein, Erfahrung und Sinneswahrnehmung geformten Lebensumfeld.
Wie die Referentin berichtete, war es ihr selbst als Kind nicht möglich, mit anderen Menschen soziale Kontakte aufzubauen oder auch nur mit ihnen zu sprechen. Stattdessen galt ihr Interesse ausschließlich Tieren. Als sie dann im Alter von 42 Jahren die Diagnose Asperger-Syndrom erhalten habe, sei dies eine enorme Erleichterung angesichts der alltäglichen Reizüberflutung durch ihre Umwelt gewesen. Gleichzeitig berge eine Diagnose immer ein Stigma, könnten doch Nicht-Autisten selten damit umgehen. "Autismus ist nicht sichtbar, und wo er sichtbar wird, ist er befremdlich", erklärte Dr. Andrea Bull. Mit dieser Aussage lassen sich die Reaktionen der Umwelt auf autistische Menschen treffend zusammenfassen.
Ihren Vortrag rundete Dr. Andrea Bull mit den Anliegen ab: Menschen mit Autismus mögen als gleichwertig aber nicht gleichartig behandelt werden, Autismus dürfe nicht mehr als Schimpfwort benutzt werden, die Aufklärung über das autistische Spektrum solle durch Betroffene stattfinden. Nicht zuletzt sollten autistische Menschen vor allem mit ihrer Persönlichkeit wahrgenommen werden. Im Anschluss an den Vortrag nutzten zahlreiche Angehörige noch die Gelegenheit, von den Kämpfen zu berichten, die Menschen mit autistischen Beeinträchtigungen und deren Angehörige täglich für soziale Anerkennung und erforderliche Nachteilsausgleiche durchstehen müssen. Sowohl Dr. Andrea Bull als auch das Beratungsteam des ZsL boten weiterführende Unterstützung im Einzelfall an.
Das ZsL bietet zu folgenden Zeiten persönliche und telefonische Beratung an: Montag bis Donnertag von 9:00 bis 12:00 Uhr sowie dienstags und donnerstags Nachmittag zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. Informationen zur Beratung und zu den Info-Abenden gibt's im Internet unter www.zsl-giessen.de.

Von behindertenrecht
... und nicht zu vergessen . Egal was für eine Erkrankung bei autistischen Menschen auftritt ( einschließlich Kopfschmerzen, Psychose, Depression etc... ) , ist besondere Sorgfalt bei Eingriffen in die Unversehrtheit ihres Körpers geboten, gerade wenn sie nicht für sich selbst sprechen können !
Von behindertenrecht
Die Tatsache das die Bezeichnung " maladative Verhaltensmuster" , die therapeutische Bedeutung "schwierige Patienten" trägt, ist ohnehin eigenartig . Denn jeder Mensch kann als schwierig bezeichnet werden und wird deshalb auch nicht gegen seinen Wille therapiert !
Vielfalt kann und darf man nicht ändern !
Von behindertenrecht
Besonders schlimm ist , daß es immer mehr in Vergessenheit geraten ist, was die Forschung bisher überhaupt über die Besonderheiten von Autisten herausgefunden hat , wie zum Beispiel den folgenden Grundsatz bei medizinischen Eingriffen :
" Es gibt keine Autismus spezifische pharmakologische Behandlung . Medikamente sollten nur dann eingesetzt werden, wenn maladaptives Verhalten durch andere Strategien nicht zu bessern ist . Kinder vor dem 5./6.Lebensjahr sollten nur ausnahmsweise medikament behandelt werden .
Das gehäufte Auftreten von Eplepsie und einer offenbar generell geringere Krampfschwelle bei autistischen Kindern muss beachtet werden . "
Das Menschen mit Autismus besonders sensibel auf Arzneimittel und oft auch Nahrungsmittel reagieren, ist seit bEginn der Forschung bekannt und die internationale Forschung ist noch nicht Abgeschlossen . Daher sollten Therapiien bei Autisten immer nur freiwillig und ohne jeglichen Zwang erfolgen und jeglicher Zusatzschaden ausgeschlossen werden, weil anderenfalls Inklusion mit Autismus weiter erschwert wird .