UN-Konvention korrekt übersetzen

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Verena Bentele
Verena Bentele
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Aus Anlass des fünften Jahrestages der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention fordert die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, deren amtliche Übersetzung endlich zu korrigieren. In Briefen an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und die Fraktions- und Parteivorsitzenden der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien wirbt Verena Bentele dafür, die Begriffe anzupassen. Die amtliche Übersetzung ins Deutsche enthält Ungenauigkeiten und Fehler. Beispiele sind der englische Begriff „inclusion", der mit „Integration" übersetzt wurde oder der Begriff „assistance", im Deutschen mit „Hilfe" übersetzt.

Der fehlerhaften Übersetzung zum Trotz habe die Umsetzung der UN-Konvention begonnen, so Bentele. Die gesellschaftliche Entwicklung sei in den vergangenen Jahren deutlich vorangeschritten. So werde der Begriff „Inklusion" mittlerweile in allen Diskussionen und Berichten rund um die Belange von Menschen mit Behinderungen genutzt. Am Beispiel Bildung werde das besonders deutlich. Hier werde der Begriff „integrativ" nicht mehr im Zusammenhang mit der Beschulung behinderter Kinder verwendet. „Inklusion" müsse sich nun auch in der deutschen Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wiederfinden. "Wer Inklusion will, muss sie im Gesetz auch so nennen", meint die Behindertenbeauftragte.

Bereits bei der Ratifikation der UN-Behindertenrechtskonvention hatten Verbände behinderter Menschen und die damalige Beauftragte für die Belange behinderter Menschen Änderungen gefordert. Konkrete Vorschläge für eine inhaltlich korrekte Übersetzung wurden jedoch nicht aufgenommen.

Lesermeinungen zu “UN-Konvention korrekt übersetzen” (2)

Von behindertenrecht

Das eine Änderung der deutschen Übersetzung der UN-BRK bzw. Korrektur vorgesehen, ist, damit hat wohl kaum noch jemand "gerrechnet" .
Danke für diese Information !
Denn auch wenn die gesellschaftliche Entwicklung schon so weit vorangekommen ist, daß der Begriff Inklusion bei Diskussionen rund um die Belange von behinderten Menschen genutzt wird, ist der Begriff noch nicht "amtlich", solange er nicht in den Gesetzen verankert wird .

Ein wesentlicher Grund dafür, daß der Begriff Inklusion noch nicht in den deutschen Gesetzen verankert wurde, sind wahrscheinlich bereits die fehlenden Begriffe , Assistenz und Inklusion, in der Deutschübersetzung der UN-BRK .

Man kann davon ausgehen, daß auch verhaltensgestöhrte oder sogenannte "geistig behinderte" Menschen, weniger stöhren(auf dieser Welt) wenn sie inklusiv mit persönlicher Assistenz teilhaben und sie damit vorallem die Möglichkeit haben, sich am Verhalten von Nichtbehinderten zu orientieren und nicht länger unter sich bleiben müssen .Denn jeder Mensch spürt, wenn er nicht mitten in der Gesellschaft dazu gehören darf und fühlt sich sicherlich nicht sonderlich wohl dabei .
Daher ist die derzeitige Situation sehr Unfair, gerade gegenüber den schwächsten dieser Gesellschaft .

Von Dagmar B

Zitat:

Am Beispiel Bildung werde das besonders deutlich. Hier werde der Begriff „integrativ" nicht mehr im Zusammenhang mit der Beschulung behinderter Kinder verwendet.

Stimmt,entweder wird jede noch so schlechte Integration inzwischen Inklusion genannt,oder es gibt das Monster der Sparinklusion,die drann schuld ist,das nunmehr verhaltensauffaellige,geistig behinderte und lernschwache Kinder die gesunden Kinder beim Lernen stoeren.

Sehr geehrte Frau Bentele, was auf der Packung steht,ist egal,wichtig ist der Inhalt.
Und dem Medium Kobinet zu folge,muß man demnaechst damit rechnen,das aus lauter Selbstbestimmtheitsdusel,das Kindergeld fuer schwerbehinderte Mneschen abgeschafft wird,weil der Name nicht passend ist und alle egal wie schwer behinderten Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten,weil die Eingliederungshilfe nicht zeitgemaeß ist.
Mein Vorschlag waere,das man auch aus dem Behindertenausweis das H streicht,damit keiner auf die Idee kommt,es wuerde tatsaechlich sowas wie hilflose Menschen geben.
Von Inklusion sind wir Lichtjahre entfernt,und es waere ein erster Schrit,das Wort nicht dauerhaft zu mißbrauchen ,nicht zu sinnentleeren oder als Werbung draufzuschreiben,wenn das Gegenteil drinn ist.