Heillose Inklusion und behinderter Gott
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: domain public
Hamburg (kobinet) Jürgen Homann und Lars Bruhn von der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Zentrum für Disability Studies (ZeDiS) laden für heute von 16.30-18.00 Uhr, Edmund Siemers-Allee 1, Ostflügel, Raum 221, in Hamburg zum Vortrag unter dem Motto "Heillose Inklusion und behinderter Gott" ein.
"Wenn Hören, genauer: das Hören des Wortes Gottes ein zentrales Motiv in der Bibel sein soll, dann hat Gott hörgeschädigten Menschen nur eine bruchstückhafte oder gar keine Botschaft zu verkündigen. Mehr noch: Hörgeschädigte Menschen wären – wie sehgeschädigte auch – nicht Ebenbilder Gottes. Dafür spricht etwa die Reaktion spanischer Bischöfe auf das Coming-out eines Pfarrers aus dem südspanischen Valverde del Camino, der sich zu seiner Homosexualität öffentlich bekannte: 'Abnormal', 'eine Behinderung wie Taubheit oder Blindheit' (taz v. 5.2.2002, 11). Die Bibel selber weist Wege zur Diskriminierung von Menschen. Will Theologie inklusiv sein, muss sie sich mit ihren eigenen Grundlagen kritisch auseinandersetzen. Darum soll es im Vortrag gehen", heißt es in der Ankündigung.
Nach einer ersten Begründung, warum Disability Studies sich in die Theologie einmischen müssen, wird zunächst ein Zusammenhang zwischen Theologie und Medizin respektive zwischen Heil und Heilung hergestellt. Im Anschluss daran gehen die Referenten auf die Einordnung und Bewertung von Behinderung betroffener Menschen in biblischen Texten ein. Hierüber kommen sie auf neutestamentliche Wunder- und Heilungsgeschichten zu sprechen. Anhand des Beispiels der Heilung eines Taubstummen im Markusevangelium sowie einer Interpretation davon wird die Frage aufgeworfen, inwieweit diese Geschichten heute ein Problem für den Inklusionsdiskurs darstellen, wie er uns ganz vehement mit In-Kraft-Treten der UN-Behindertenrechtskonvention ins Bewusstsein gerückt ist, mithin die Frage, ob die Bibel überhaupt eine geeignete Legitimationgrundlage für Inklusion bieten kann. Mit Gegenentwürfen aus dem Bereich der Disability Studies wird schließlich deren unabdingbare Bedeutung für Theologie in Zeiten von Inklusion hervorgehoben.
