Ökonomisierung des Sozialen
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: Paritätischer
Berlin (kobinet) „Mehr Mensch! Gegen die Ökonomisierung des Sozialen" - Ulrich Schneider hat zu diesem Thema ein Buch geschrieben. Es erscheint demnächst im Westend Verlag. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig wird das Buch am 3. September in Berlin vorstellen und mit dem Autoren seine Thesen zur Zukunft des Sozialen kritisch diskutieren. Ulrich Schneider ist Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.
„Der Marsch des neoliberalen Wirtschaftsdenkens durch alle Bereiche der Gesellschaft scheint unaufhaltsam. Kindergärten, Krankenhäuser oder Pflegeheime – nicht einmal hier macht der kalte Ökonomismus halt", so die Verlagsankündigung. "Wo der Mensch jedoch zum Humankapital verkommt, wo jeder seines Glückes Schmied sein soll und der Mehrwert zum wichtigsten Wert wird, muss die Menschlichkeit zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Soziales kann so nicht funktionieren. Ulrich Schneider fordert einen radikalen Wechsel und Rahmenbedingungen, die soziale Arbeit wieder möglich machen. Eine entlarvende Erzählung, glänzende Analyse und zugleich knallharte Abrechnung mit einem neoliberalen Zeitgeist und seinen Mythen."

Von Sven Drebes
Nun, da die Verlagsankündigung normalerweise den Inhalt des Buchs wiedergibt und ich etliche Äußerung von Herrn Schneider kenne, würde ich eine Flasche Württemberger wetten, dass meine erste Vermutung stimmt.
Und dieses ewige Ökonomen-Bashing von Leuten, von denen die meisten sich noch nie mehr als eine Stunde mit Ökonomie beschäftigt haben, geht mir gehörig "uff de Senkel" (wie man bei Ihnen wohl sagt).
Von Johann
Gratuliere, Herr Ökonom ... zum Blattschuss!
"Natürlich habe ich das Buch noch nicht lesen können. Der Ankündigungstext klingt aber so, als würde Herr Schneider darin zum x-ten Mal..."
Auf ein knappes Dutzend Ankündigungszeilen antworten sie mit doppelt so vielen voller Unterstellungen und Vermutungen. Denn, s.o., "Natürlich habe ich das Buch noch nicht lesen können" ...
Wie sagt man hierzulande so schön: "Awwer Hauptsach ebbes gschwätzt ..."
Von Sven Drebes
Natürlich habe ich das Buch noch nicht lesen können. Der Ankündigungstext klingt aber so, als würde Herr Schneider darin zum x-ten Mal den "Gegensatz" zwischen Ökonomie und Sozialem bzw. Sozialer Arbeit wiederkäuen. Diesen Gegensatz zu konstruieren, ist aber genauso dumm, wie das ganze Leben den Maßstäben und Regeln der Ökonomie unterwerfen zu wollen.
Selbstverständlich muss eine Gesellschaft (vom einzelnen Menschen ganz zu schweigen) Dinge tun und Angebote bereitstellen, die (zumindest bei vordergründiger Betrachtung) keinen (finanziellen) Gewinn abwerfen. Wobei ich hier zur Ehrenrettung der Wissenschaft "Ökonomie" sagen muss, dass sie neben dem Gewinn auch das wesentlich umfangreichere Konzept des "Nutzens" kennt.
Die Ökomomie hat aber eine wichtige Rolle bei der Frage nach dem "Wie"! Gerade im Bereich des Sozialen sollten keine Mittel - bzw. so wenig wie möglich - verschwendet werden. Das Bemühen um Effizienz, also der weitestmöglichen Vermeidung von Verschwendung, ist das Kernthema der Ökonomie. Daneben kann sie in bestimmten Fällen Hinweise zur Gestaltung der Angebote geben, da sie sich auch mit dem Verhalten von Menschen unter bestimmten Rahmenbedingungen befasst. Ich schreibe bewusst "Hinweise" weil ich mir - im Gegensatz zu manch anderem - gemerkt habe, dass ökonomische Modelle immer nur unter bestimmten Annahmen funktionieren und einen bestimmten engen Ausschnitt der "Welt" erklären.
Der Ankündigungstext legt aber noch eine andere beunruhigende Aussage des Buchs nahe: "Früher war alles besser." Früher war das Soziale und die Soziale Arbeit aber eine ziemlich bevormundende um nicht zu sagen entmündigende Angelegenheit. Das können sich nur diejenigen zurück wünschen, die davon - finanziell oder anders - profitiert haben.
Dr. Sven Drebes
(Ökonom)