1,5 Millionen für Inklusionsprojekte
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Sozialministerium Ba-Wü
Stuttgart (kobinet) Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter hat die 37 Modellprojekte bekannt gegeben, die im Rahmen der Projektförderung "Impulse Inklusion" finanziell unterstützt werden. Gefördert werden nach Informationen der Sozialministerin innovative Projekte von Selbsthilfeorganisationen, Behinderteneinrichtungen, Kommunen und Vereinen, die das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen in Baden-Württemberg voranbringen wollen. Dafür stehen rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.
"Inklusion kann nur gelingen, wenn die ganze Gesellschaft sich daran beteiligt. Deshalb fördern wir Menschen, die sich in ihren Gemeinden oder ihrer Nachbarschaft dafür engagieren, den Inklusionsgedanken in die Tat umzusetzen. Ich bin ganz begeistert, wie viele innovative Initiativen es bei uns im Land bereits gibt", sagte die Ministerin in Stuttgart.
Ausgewählt wurden insbesondere Projekte, die Menschen mit Behinderungen politische, gesellschaftliche oder kulturelle Lebensräume eröffnen, die ihnen bisher nicht oder nur schwer zugänglich sind, heißt es in der Presseinformation der Sozialministerin, in der folgende drei Beispiele genannt werden:
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Der Landesverband der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen will in Stuttgart Menschen mit Behinderung als Co-Referenten für eine inklusive Erwachsenenbildung auszubilden. Dabei sollen Kooperationen mit ortsnahen Bildungsträgern wie der VHS entstehen.
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Mit dem "Inklusiven Freiwilligen-Dienst" ermöglicht der Kreisjugendring Esslingen zunächst 40 jungen Menschen mit und ohne Behinderungen einen gemeinsamen Freiwilligendienst in einer sozialen Einrichtung. Der Jugendliche mit Behinderungen übernimmt dabei einen Freiwilligendienst, der Jugendliche ohne Behinderungen unterstützt ihn bei dieser Aufgabe und übernimmt die persönliche Assistenz.
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Die Stadt Schwäbisch Gmünd will bereits vorhandene Gremien und Netzwerke nutzen, um gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen einen eigenen Aktionsplan für die Gemeinde zu erarbeiten und umzusetzen. Die Umsetzung der Maßnahmen sollen regelmäßig vom Gemeinderat und Menschen mit Behinderungen überprüft werden.
Ein weiterer Schwerpunkt bei der Projektauswahl lag auf Projekten, bei denen mehrere Partner gemeinsame Netzwerkstrukturen aufbauen. Hierzu gehören:
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Die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg will in Stuttgart Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung zu Inklusionsbotschaftern ausbilden, die in den Migrantenverbänden über Fördermöglichkeiten und Unterstützungssysteme für Menschen mit Behinderungen informieren.
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Der Diakonieverein beim Diakonischen Werk Freiburg will mit dem Projekt "Das ist mein Weg – vielleicht begegnen wir uns mal" besondere Lebens- und Berufswege junger Menschen in den Mittelpunkt stellen. Sozialräume, Wege und Ort sollen erschlossen werden, die die Suche nach dem "richtigen Platz" für junge Menschen erleichtern.
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Das vor einem Jahr in Lenningen im Kreis Esslingen gegründete Aktionsteam Inklusion hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen mit Behinderungen stärker in die Angebote der regionalen Vereine und Kommunen einzubeziehen. Im Rahmen des Projekts "Inklusion auf der Spur" sollen Vereine für das Thema Behinderung sensibilisiert werden und Begegnungs- und Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Bei der Auswahl der Projekte wurde die Ministerin von Expertinnen und Experten aus den Wohlfahrtsverbänden und Kommunen sowie von Vertreterinnen und Vertretern von Menschen mit Behinderungen beraten. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass in den geförderten Projekten Menschen mit und ohne Behinderungen die Projekte gemeinsam entwickeln, planen und durchführen, heißt es in der Presseinformation des baden-württembergischen Sozialministeriums.

Von Mayflower1968
1,5 Millionen Euro für Inkulsionsprojekte. Absolut Lachhaft .. Gehen wir nur mal von einer mittelmäßigen Sekundarschule, gebaut in den 70ziger Jahren des letzten Jahrhunderts aus. Wenn ich diese Schule annähernd inklusionsmäßig ungestalten, will, von den baulichen Maßnahmen zur Umgestaltung in Richtung Barrierefreiheit und Zugänglichkeit bis hin zu den räumlichen Veränderungen, angepasste neue Schulmöbel, Umgestaltung von Klassen-, Aufenthalts-, Sozialräumen, ganz zu schweigen von Mensen etc. dann sind 1,5 MIllionen Euro allein in einem einzigen Projekt ganz schnell verbraten. Da sind noch nicht einmal die Kosten für Lehrkräfte und Betreuungspersonal die zusätzlich eingestellt werden mit eingerechnet. Wie gesagt einfach absolut lächerlich.
Von ringelblume
„Impulse Inklusion“, so hieß die Ausschreibung vom Sozialministerium,
lese ich die Ausschreibung weiter, steht da, es sollen Projekte die gemeinsam von Menschen mit und ohne Behinderung geplant und durchgeführt werden gefördert werden.
Lese ich dann, wer ausgezeichnet wurde, so sind es Träger der freien Wohlfahrt, Landratsämter, Kreisjugendring, oder gGmbh die auch von Trägern der Behindertenhilfe unterstützt werden.
Dann frage ich mich wieder einmal, sollte es nicht grundsätzlich Aufgabe einer jeden Gemeinde sein, Aktionspläne für eine gemeinsames Leben zu entwerfen und durchzuführen und sollte nicht immer und überall wo gemeinsam Menschen mit und ohne Behinderung leben gleichberechtigte Teilhabe selbstverständlich sein.
Ich denke und fühle weiter und spüre wie ich wütend und traurig werde, so manches Mal dieses Wort „Inklusion“ nicht mehr hören und lesen kann und überlege was löst diese Gefühle und Gedanken aus?
Nach wie vor wird für die Menschen mit Behinderung gedacht, gehandelt, ausgeschrieben – sollte die Überlegung nicht sein, was braucht die Gesellschaft, die Politik, die sogenannten unbehinderten Menschen um endlich von diesem defizitorientierten Gedanken zum Thema Behinderung weg zu kommen.
Es geht darum, was braucht eine Gemeinde, dass Vielfalt gelebt werden kann, dass alle teilhaben können – dann müssen wir nicht mehr von Inklusion reden, dann wird sie gelebt.
Ich kann aus keiner der Projektbeschreibungen heraus lesen, dass das Projekt von Menschen mit Behinderungen entwickelt wurde, von Menschen sie sich überlegt haben, was brauchen die unbehinderten Menschen für die sogenannt unbehinderten Menschen um die Barrieren in Köpfen und Herzen abzubauen – dass nicht mehr aufgeteilt wird in behinderte und unbehinderte Menschen – nicht mehr so gedacht und gefühlt wird, es keine Projekte mehr braucht, die von den unbehinderten Menschen für die behinderten ausgedacht werden –
Klar, Inklusion braucht noch viele Überlegungen, neue innovative Projekte als gelebte Beispiele – leider, da wir hier in Bawü noch weit entfernt sind, von einer Gesellschaft der Vielfalt – aber wenn sich nicht die Haltung und innere Einstellung der einzelnen Menschen, der Gesellschaft und Politik ändert, dahingehend dass Inklusion jeden betrifft, jeder Mensch heute bei sich beginnen kann, zu überlegen, was er dazu beitragen kann, dass alle Menschen gleichberechtigt am Leben teilhaben können, wird es nie eine gelebte Inklusion geben.
Wenn weiter gedacht, gehandelt und gefördert wird für die Menschen mit Behinderung und ohne sie – wird weiterhin nur über Inklusion geredet, aber nicht gelebt.
Britta Schade ZsL Stuttgart