VBB-Begleitservice langfristig sichern

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Birgit Monteiro
Birgit Monteiro
Bild: Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Der vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) betriebene Begleitservice für in ihrer Mobilität eingeschränkte Bus- und Bahnkunden soll langfristig gesichert und möglichst bald wieder in vollem Umfang genutzt werden. Nach der drastischen Absenkung der Zahl der Mitarbeiter im Sommer gelang es inzwischen, wieder 77 Stellen zu besetzen. Ziel ist laut Aussage von Arbeitssenatorin Dilek Kolat, im nächsten Jahr die Zahl von 100 besetzten Stellen zu erreichen. „Ich bin froh, dass die Zahl der Stellen für den VBB-Begleitservice wieder deutlich erhöht werden konnte. Wir brauchen dringend einen Begleitservice, der eine Begleitung von Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, bis 20 Uhr garantiert. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen ab 16 Uhr ihre Wohnung nicht mehr verlassen können", erklärte Birgit Monteiro, Sprecherin für Menschen mit Behinderungen der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, gegenüber kobinet.

Die Aussage von Senatorin Kolat stammt aus einer Parlamentssitzung vom 18. Oktober, auf der die sozialdemokratische Abgeordnete sie zu der Kürzung der Begleitzeiten befragt hatte. Die Senatorin machte in ihrer Antwort deutlich, dass der VBB-Begleitservice als eine Maßnahme der Beschäftigungsförderung über die Bundesarbeitsagentur finanziert wird und daher nicht direkt ihrem Einfluss untersteht.

„Eine Finanzierung des Begleitservice aus Mitteln der Arbeitsförderung kann nur eine Krücke sein. Sie ist derzeitig leider noch notwendig, muss aber langfristig durch eine zuverlässige und regelfinanzierte Unterstützungsstruktur ersetzt werden. Wir brauchen dafür eine schnelle und klare Regelung im Bundesteilhabegesetz", meint Birgit Monteiro.

Derzeit enden die täglichen Begleitzeiten des VBB-Dienstes noch um 16 Uhr. Menschen, die zwingend auf den Begleitservice angewiesen sind, können Bus oder Bahn nach 16 Uhr nicht mehr nutzen. Dies bedeutet nach Ansicht der Abgeordneten eine schwerwiegende Einschränkung dieser Personengruppe in Bezug auf ein selbstbestimmtes soziales und kulturelles Leben.

Lesermeinungen zu “VBB-Begleitservice langfristig sichern” (2)

Von lisa s

"... gelang es inzwischen, wieder 77 Stellen zu besetzen."
Wo kommt denn diese Zahl her?
Meine Erfahrungen sind viele Absagen für Begleitungen und mein heutiger Anruf bei der Pressesprecherin der VBB ergab, daß momentan 20 neue Mitarbeiter dabei sind, nach ihrer theoretischen Einweisung nun ihre ersten Begleitungen zu übernehmen, vorerst noch mit einem weiteren erfahrenen Begleiter zusammen.
Es muss sich erst noch herausstellen, ob alle neuen Begleiter dabeibleiben möchten und/oder überhaupt auch geeignet sind.
20 weitere neue Mitarbeiter stehen vor ihrer theoretischen Ausbildung, die nach meinen Informationen sechs Wochen betragen.
Bedenken sollte man auch, daß bei anderen wiederum die Maßnahme ausläuft und sie aufhören müssen. Diese Mitarbeiter hinterlassen eine Lücke.
Laut Prognose der Pressesprecherin der BVG ist diese Zahl allenfalls in einigen Monaten erreichbar.
Die Zahl 100 stamme noch von vor zwei Jahren als man diese Zahl nahezu erreicht habe.

"Derzeit enden die täglichen Begleitzeiten des VBB-Dienstes noch um 16 Uhr. Menschen, die zwingend auf den Begleitservice angewiesen sind, können Bus oder Bahn nach 16 Uhr nicht mehr nutzen."
Mir als Betroffener wird gesagt ich solle schon allerspätestens um 15Uhr meine Wohnung erreichen, denn man muss die Zeit mitrechnen, die der Begleiter vom Kunden zu seiner Dienststelle benötigt.

Als jemand der ohne Hilfe die Wohnung nicht verlassen kann, diese Hilfestellung dringend benötigt, und nicht mit Reichtümern ausgestattet ist so daß die ausschließliche und ständige Inanspruchnahme des Telebusses nicht leistbar ist, befürworte ich unbedingt den Ausbau dieses Dienstes.
Schon der Blick auf die jetztige demografische Realität und ihre weitere Entwicklung zeigen, daß dieser Dienst eine Notwendigkeit ist sowie ihre Sicherung durch eine solide finanzielle Basis.

Ich hoffe, daß die Dringlichkeit für eine zukunftsweisende Lösung dieses Problems erkannt und eingeleitet wird.

Von Sven Drebes

Der VBB-Begleitservice gehört gerade NICHT in ein Bundesteilhabegesetz! Dann könnten ihn nämlich nur die in Anspruch nehmen, die vom zuständigen Amt als "ausreichend behindert" eingestuft würden.
Der richtige Weg wäre es, den Begleitdienst, wie Info-Hotline und Fundbüro durch den Verkehrsverbund und die Verkehrsbetriebe finanzieren zu lassen, meinetwegen bei gleichzeitiger Erhöhung der Landeszuschüsse.
Inklusion bedeutet ja, die allgemeinen Systeme (auch) an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen anzupassen.