Inklusion ist keine Utopie
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: Bundespräsidialamt
Berlin (kobinet) Bundespräsident Joachim Gauck hat heute auf der Festveranstaltung in Berlin zum 50. Geburtstag der Aktion Mensch die Anstrengungen für die Inklusion in Deutschland gewürdigt. Einen Ausschnitt aus seiner Rede im früheren Kino Kosmos dokumentiert nachfolgend kobinet: Als die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen noch in ihren Anfängen steckte, hielten es einige Beobachter für schwierig, von der internationalen Charta der Menschenrechte bis zur Barrierefreiheit auf deutschen Bahnhöfen zu kommen. Die Zivilgesellschaft hatte großen Anteil daran, dass die Konvention trotzdem verabschiedet werden konnte. Inzwischen ist die Rechtslage zwar eindeutig, aber die Zweifel an der Umsetzbarkeit der Vorgaben sind noch nicht ausgeräumt. Einmal mehr sind überzeugte und überzeugende Bürgerinnen und Bürger gefordert – und eine klare Haltung.
Meine eigene hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch persönliche Begegnungen gefestigt. Inklusion ist eine enorme Herausforderung, keine Frage. Aber Inklusion ist keine Utopie. Sie ist eines der anspruchsvollsten Emanzipationsprojekte unserer Zeit. Inklusion folgt einem zutiefst humanen Prinzip, denn allen Menschen – ungeachtet ihrer angeborenen oder erworbenen Unterschiede – soll die bestmögliche Teilhabe und die bestmögliche Entwicklung ermöglicht werden.
Die Größe der Aufgabe darf uns nicht den Blick für ihre Bedeutung verstellen. Nur weil wir wissen, dass wir vollständige Inklusion nicht von heute auf morgen erreichen können, vielleicht lange Zeit nicht, dürfen wir das Ziel als solches nicht zerreden.
Wir sollten akzeptieren, dass unsere Gesellschaft eine Entwicklung durchläuft, in der verschiedene Modelle ausprobiert werden müssen. Gerade jetzt ist es wichtig, sich auf das Konkrete, auf das Machbare zu konzentrieren, vor allem darauf, was den Betroffenen wirklich hilft, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden, nicht auf ideologische Grabenkämpfe. Neue Konzepte sollen mehr Chancen, mehr Ermutigung und mehr Stärkung ermöglichen, mehr konkrete Unterstützung im täglichen Leben. Vor allem: Inklusion muss erfahrbar werden – sichtbar und hörbar.

Von Mayflower1968
Inkulsion ist eine Utopie, da Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeits- und Anforderungsprofilen in unserer Welt zu finden sind. Oder haben Sie schon einmal einen Querschnittsgelähmten Kranführer gesehen, der 50 Meter über Ihnen in einer Kanzel sitzt und seinen Kran steuert.
Noch viel schlimmer finde ich es das junge Menschen mit speziellen Bedürfnissen jetzt auf "Teufel komm raus" inkludiert werden sollen. Das hat im Jahr 1977 nicht funktioniert (UNO Jahr der Behinderten) und das wird es auch künftig nicht. Die Gesellschaftlichen Barrieren, nicht nur die physischen sondern auch die nicht sichtbaren in den Köpfen der Leute haben sich in den letzten 35 Jahren nicht verbessert, nein sie haben sich verschlechtert.
Wenn Kinder und Jugendliche mit speziellen Bedürfnissen, nach Grad der Einschränkung "aussortiert" werden, und keine Schulform ausser der Förderschule sie wirklich haben will, dann ist die Voraussetzung zur Inkulsion in weiter Ferne.
Widerstände bei Mitschülern, Lehreren, Schulleitung, Klassen- und Schulpflegschaft. Schulämtern und Schulräten zu überwinden ist schon für sich genommen ein fast aussichtsloser Kampf gegen "Windmühlen".
Letztendlich und damit schließe ich meinen Leserbrief ist diese ganze "Inkulsionsdisskussion" eine Disskussion um "wie spare ich bei den die sich eh nicht Wehren können" noch mehr Geld ein.
Mein Vorschlag auf der Reha-Care Messe 2014 am Stand der NRW Landesregierung lautet: Öffnet die Förderschulen für Schüler aller Schulformen die spezielle Förderung benötigen. Die Förderschulen sind dafür speziell entwickelt worden, um Schülern mit speziellem Förderbedarf den nötigen Raum zu geben den sie benötigen.
Statt Förderschüler in Regelschulen zwangs zu inkuldieren, sollten die Schüler die an Regelschulen besonderen Förderbedarf benötigen, in Förderschulen integriert werden. Erstens viele die Integration höchstwarscheinlich viel leichter und viel schneller, und 2. sind dort Pädagogen und Therapeuten schon vorhanden um sich speziell um "förderungswürdige" Schüler/innen zu kümmern. In kleineren Einheiten, intensiver, individueller und fallorientierter.
Von Alex Gehrau
Herr Gauck... Wie das Fähnlein im Winde. Scheinbar ist er auch nicht schlecht darin, es so aussehen zu lassen, als könne er die Stärke und die Richtung des Windes 'selbst bestimmen': "Inklusion ist keine Utopie. Sie ist eines der anspruchsvollsten Emanzipationsprojekte unserer Zeit. Inklusion folgt einem zutiefst humanen Prinzip, denn allen Menschen – ungeachtet ihrer angeborenen oder erworbenen Unterschiede – soll die bestmögliche Teilhabe und die bestmögliche Entwicklung ermöglicht werden." sagt er, wenn er bei Aktion Mensch eine Rede hält, wo es Leute gibt, die ihm zuhören. Herr Gauck sagte aber unlängst auch folgendes, Zitat von www.ZEIT.de:
"Vorbehalten gegen Marktwirtschaft und Liberalismus müsse entgegengetreten werden, denn freier Markt und freier Wettbewerb seien die Eckpfeiler der Demokratie, sagte Gauck in einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede. Freiheit in der Gesellschaft und Freiheit in der Wirtschaft gehörten zusammen.
Gauck rief die Deutschen auf, mehr Mut zum Wettbewerb zu haben. "Ungerechtigkeit gedeiht nämlich gerade dort, wo Wettbewerb eingeschränkt wird, durch Protektionismus, Korruption oder staatlich verfügte Rücksichtnahme auf Einzelinteressen",...".
Aber Fakten sind nunmal Fakten. Und Unwahrheiten sind ebensolche. Wie soll man jemandem glauben, der bspw. vollkommen gegensätzliche und sich gegenseitig in ihrer Ausrichtung sogar bekämpfenden Ideologien, Sichtweisen oder Ordnungen als miteinander vereinbar zu beschreiben. Natürlich koexistieren momentan beide Seiten. Aber um eine annähernd 100%ige Inklusion zu haben, bedarf es meiner Meinung nach 100%ig weniger Neoliberalismus!
In diesem Sinne, werft einen Blick auf folgenden Blog, der sich genau mit dieser Frage auseinandersetzt:
www.alexkillbite.wordpress.com
Uns allen weiterhin viel Kraft und Erfolg!