Maßnahmen der Bahn in Zeiten des Streiks

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Ellen Engel-Kuhn
Ellen Engel-Kuhn
Bild: DB Andreas Mann

Frankfurt am Main (kobinet) Der viertägige Streik der Lokführer hat bereits heute im Personenverkehr erhebliche Auswirkungen auf Reisende mit der Deutschen Bahn. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Ellen Engel-Kuhn, der Leiterin der Kontaktstelle für Behindertenangelegenheiten der Deutschen Bahn über die aktuelle Situation mobilitätsbehinderter Reisender und die Aktivitäten der Mobilitätsservice-Zentrale in Zeiten des Streiks.

kobinet-nachrichten: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat seit 2 Uhr heute Nacht für den Personenverkehr erneut zu einem Streik bis kommenden Montag um 4 Uhr aufgerufen. Wie hat sich die Deutsche Bahn (DB) darauf eingestellt?

Ellen Engel-Kuhn: Mit einem Ersatzfahrplan setzt die DB während der von der GDL angesetzten Streiktage alles daran, dass wenigstens jeder dritte Zug im Fernverkehr im Einsatz ist. Im Regionalverkehr ist die Lage sehr unterschiedlich. Während in Westdeutschland rund 30 Prozent der Regional- und S-Bahnen verkehren, in Süddeutschland ca. 40 Prozent, sind es in Ostdeutschland zwischen 15 und 30 Prozent. Aktuelle Informationen finden Fahrgäste unter www.bahn.de/liveauskunft

Auch können sich unsere Kunden über eine kostenlose Servicenummer 08000 99 66 33 über den aktuellen Ersatzfahrplan informieren. Selbstverständlich gelten auch im Fall eines Streiks die üblichen Fahrgastrechte.

kobinet-nachrichten: Vom Streik betroffen sind alle Reisenden der DB, aber gerade für mobilitätseingeschränkte Reisende stellt unter diesen Rahmenbedingungen eine Zugreise eine ganz besondere Herausforderung dar.

Ellen Engel-Kuhn: Sie haben vollkommen Recht, die Streikauswirkungen sind für alle unsere Reisenden sehr bitter, aber ganz besonders für mobilitätseingeschränkte Reisende. Hier engagieren sich unsere Mitarbeiter in der Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) in besonderem Maß. Sie sind ohnehin bei der täglichen Arbeit stets auf eine sehr persönliche Beratung unserer mobilitätseingeschränkten Kunden bedacht und versuchen deren individuellen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die Mitarbeiter der MSZ sind telefonisch unter 01806 512 512* und auch per E-Mail an [email protected] von 06:00-22:00 zu erreichen.

kobinet-nachrichten: Wie engagieren sich die Mitarbeiter der Mobilitätsservice-Zentrale ganz konkret?

Ellen Engel-Kuhn: Durch eine Filterung in der Datenbank der Mobilitätsservice-Zentrale nach Streiktagen erhalten alle Kunden vorab eine Information über die aktuelle Situation. Alle mobilitätseingeschränkten Reisenden, die eine Hilfeleistung bei der Mobilitätsservice-Zentrale angemeldet haben, die nicht umgesetzt werden kann, werden umgehend von den Kollegen angerufen.

Die Kunden sind für die Informationen sehr dankbar und entscheiden dann, ob sie eine Alternative nutzen oder die Reise stornieren bzw. verschieben möchten. Die Mitarbeiter der Mobilitätsservice-Zentrale bieten proaktiv Alternativen über den Ersatzfahrplan an. In Zusammenarbeit mit den Kollegen in den Bahnhöfen können auch sehr oft noch kurzfristige Kundenanliegen geklärt werden, um doch noch die gewünschte Reise zu ermöglichen.

Um allen Kunden während der Öffnungszeiten einen entsprechenden Service zukommen lassen zu können, wurden zusätzliche Mitarbeiter eingeplant bzw. Schichten verlängert. Auch das zeigt die hohe Flexibilität und Motivation aller Beteiligten. Die zahlreichen Mitarbeiter, die sowohl in der Mobilitätsservice-Zentrale, als auch in den Bahnhöfen und in den Zügen für alle unsere Kunden im Einsatz sind, leisten gerade in diesen Tagen ganz tolle Arbeit. Ihnen allen gebührt unser ganz besonderer Dank, denn sie sind gerade auch um unsere mobilitätseingeschränkten Reisenden sehr bemüht.

kobinet-nachrichten: Haben Sie auch noch einige konkrete Zahlen für uns?

Ellen Engel-Kuhn: Gestern und heute wurden proaktiv mehr als 430 Reisende, davon mehr als die Hälfte Rollstuhlfahrer, angerufen, um mit ihnen zu klären, ob Alternativen für die Reise möglich sind oder der Kunde lieber stornieren möchte. Zusätzlich wurden auch rund 280 Reisende, deren angemeldete Hilfeleistung für die Reisetage vom 6. - 9.11.2014 aufgrund des Streiks abgelehnt wurden, kontaktiert. Mehr als 1.000 Anrufe haben die Kolleginnen und Kollegen der Mobilitätsservice-Zentrale sowohl gestern als auch heute schon angenommen.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Glück bei der Verhinderung großer Unanhnehmlichkeiten trotz des Streiks der Lokführer.