Selbstbestimmung fördern - Arbeitsmarktchancen schaffen
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: BDH
Bonn (kobinet) Der 3. Dezember ist auch in diesem Jahr eine unüberhörbare Ermahnung an die Gesellschaft, Fragen der Teilhabe nicht aus den Augen zu verlieren. Vieles liege im Argen, doch das Engagement in der Mitte der Gesellschaft wachse, so heute Ilse Müller, Vorsitzende des Sozialverbandes BDH Bundesverband Rehabilitation. „Der Tag der Menschen mit Behinderung wirft manch trauriges Schlaglicht auf den Fortgang gesellschaftlicher Teilhabe. Nach wie vor fehlt es an fairen Chancen für behinderte Menschen in den entscheidenden Bereichen unserer Gesellschaft. Dies gilt vor allem für unsere Arbeitswelt", erklärt Müller.
"Selbstbestimmung und Zugang zum gesellschaftlichen Alltag finden über Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt statt. Hier stehen Menschen mit Handicap zu oft vor verschlossenen Pforten. Sie sind die großen Verlierer des oft gefeierten Jobwunders", stellt die Verbandsvorsitzende fest. Dabei biete die moderne Erwerbswelt mit individualisierten technologischen Hilfsmitteln und dezentraler Kommunikation beste Beschäftigungspotenziale, die aus Unverständnis vor allem in den Unternehmen bei weitem nicht ausgeschöpft werden.
„Die manifestiert hohe Arbeitslosigkeit unter Schwerbehinderten von etwa 15 Prozent zeigt, dass unsere Gesellschaft nach wie vor einer Herkulesaufgabe steht. Faire Jobchancen müssen hart erkämpft werden. Es wird Zeit, dass sich die Wirtschaft bewegt. Nach wie vor kaufen sich etwa 60 Prozent der Betriebe von der Beschäftigungspflicht frei. Es gilt, Vorbehalte und Vorurteile im gemeinsamen Diskurs abzubauen. Das Engagement der Arbeitsagenturen, die mit Informationsveranstaltungen über Beschäftigungschancen eines inklusiven Arbeitsmarktes informieren, ist zu begrüßen und kann uns dabei helfen, die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung dauerhaft zu erhöhen. Es ist vorwiegend eine Querschnittaufgabe aus Inklusionspolitik, sowie Familien- und Arbeitsmarktpolitik, Barrieren einzureißen und selbstbestimmtes Leben zu einem realistischen Ziel politischen Handelns zu machen. Vieles bleibt nebulös, die Politik umkreist konkrete Vorhaben seit vielen Jahren. Mittel für einen öffentlichen Beschäftigungssektor als Brücke in den ersten Arbeitsmarkt werden seit Jahren zusammengestrichen", so Müller.

Von Gisela Maubach
"Selbstbestimmung und Zugang zum gesellschaftlichen Alltag finden über Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt statt."
Sehr geehrte Frau Müller,
mit dieser Formulierung erklären Sie, dass im Umkehrschluss diejenigen Menschen mit Behinderung von vornherein vom "gesellschaftlichen Alltag" ausgeschlossen sind, die zu (!) behindert sind, um arbeiten zu können.
Leider fehlt bis heute jegliche Interessenvertretung von arbeitsunfähigen Menschen mit Behinderung, die trotz Arbeitsunfähigkeit vorrangig (!) Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in Anspruch nehmen müssen, was zur Folge hat, dass ausschließlich (!) Leistungen für den Werkstatt-Besuch bewilligt werden, wo sie in getrennten Räumen in großen Gruppen unter sich betreut werden.
Wie stehen Sie dazu, dass das Selbstbestimmungsrecht für diesen Personenkreis gänzlich ausgeschlossen ist?