Raul Krauthausen und die Volkswirtschaft
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Andi Weiland
Berlin (kobinet) Obwohl Raul Krauthausen auf Persönliche Assistenz angewiesen ist, ist er überzeugt, dass er der Volkswirtschaft sehr viel bringt. In einem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Interview zeigt sich Raul Krauthausen nicht nur selbstbewusst angesichts seiner Aktivitäten. Er macht auch deutlich, was die derzeitige Anrechnung des Einkommens und Vermögens bei Assistenzbedarf für ihn bedeutet.
Link zum Interview mit Raul Krauthausen in der Süddeutschen Zeitung

Von brk jetzt
Unabhängig davon, was Herr Krauthausen darüber denkt: Auf einen Nachteilsausgleich hat jede/r Anspruch, er oder sie braucht ihn ja nicht geltend machen. Auch ein Milliardär hätte darauf Anspruch, denn erstens zahlt auch ein Milliardär ordentlich alles, was die Gesellschaft von ihm erwartet (tut er das nicht, hat die Gesellschaft Mittel und Wege, ihn hierzu zu überreden) und zweitens ist der Nachteilsausgleich mit Einkommens- und Vermögensanrechnung eben keiner, denn mein Nachteil ist die Behinderung und die ist mit Geld nicht zu bezahlen ;-(
Von RedWheels
@mheidelberg schrieb:
"Abgesehen davon, dass Herr Krauthausen an anderer Stelle schrieb, assistenzbedürftige Menschen könnten sich ruhig an den Kosten für ihre Assistenz beteiligen, möchte ich hier noch einmal klar und deutlich schreiben:"
Die besagte Stelle eines Blog Eintrags von Raul Krauthausen lautet wie folgt:
"Natürlich würde ich es gerechtfertigt finden, dass ich für die Kosten aufkommen sollte, wenn ich sie mir auch leisten könnte."
Sehe ich auch als gerechtfertigt, sofern das Einkommen dann auch so hoch wäre, wie es beim Hauptdarsteller im Film "Ziemlich beste Freunde" tatsächlich ist. Darum ging es nämlich in seinem Blog Eintrag, in dem er über diesen Film schrieb.
Leider gibt es aber keine solche reichen Behinderte und wenn, dann zahlen diese Behinderte mit Sicherheit ihre Assistenten selbst, wie eben jeden bediensteten auch.
Normal verdienende Behinderte, sofern sie arbeiten gehen können, verdienen allerdings nicht so viel, dass sie ihre benötigte Assistenz ganz oder teilweise zahlen können, weshalb sie dafür einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Sie müssen alles offenlegen und dürfen max. 2600€ sparen (verheiratete 3200€) und einen großteil ihres verdienten Geldes in die Assistenzkosten investieren. Ungerecht wie ich finde, denn wir haben uns das Leben nicht so ausgesucht und können nichts dafür, dass wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind!
So sind viele Assistenznehmer gezwungen, arbeitslos zu bleiben oder geringverdiener zu sein, damit man sie nicht finanziell für die Assistenzkosten heranziehen kann.
Damit hätten dann viele Behinderte völlig umsonst studiert oder eine Berufsausbildung abgeschlossen!
Von Magö
So ist es, Krauthausen hat seine Aussagen auf sich bezogen und keien Aussagen über die Behinderten an sich gemacht. Die Überschrift ist mißverständlich, aber vermutlich von der Spüddeutschen ausgewählt, die Aussagen hier so verkürzt darszustellen ist der komplexen Sache nicht dienlich.
Von Gerti
Herr Krauthausen hat etwas geschaffen und geschafft. Das ist doch anerkennenswert. Herr Krauthausen hat sich Gedanken darüber gemacht, ob er einen Teil der Assistenzkosten selber tragen könnte. Herr Krauthausen ist fähig zu verhandeln. Etwas, was manchem Zeitgenossen, mancher Zeitgenossin leider abzugehen scheint.
Die Aussagen von Herrn Krauthausen sind seine eigene Meinung, davon gehe ich aus, wenn jemand etwas im Interview, noch dazu über sich, sagt.
Herr Krauthausen hat, so lese ich das auch, nichts gegen Menschen gesagt, die kein eigenes Einkommen erwirtschaften (können), sondern nur, dass er eigenes Einkommen erwirtschaftet.
Vielleicht ließe sich tatsächlich die Aussage in Bezug auf die 'Volkswirtschaftlichkeit# etwas austarieren, da ja jeder Mensch (unabhängig seiner 'Leistungsfähigkeit') gesetzlichen Anspruch darauf hat, bei Vorliegens von Behinderung unterstützt zu werden.
Von mheidelberg
Jetzt kann ich nicht mehr an mich halten!
Abgesehen von dem, was Frau Maubach zutreffend schreibt, ist vieles, was Herr Krauthausen von sich gibt, schlicht und einfach Quatsch!
Abgesehen davon, dass Herr Krauthausen an anderer Stelle schrieb, assistenzbedürftige Menschen könnten sich ruhig an den Kosten für ihre Assistenz beteiligen, möchte ich hier noch einmal klar und deutlich schreiben:
DAS BUNDESTEILHABEGESETZ WIRD NICHTS AN DER SITUATION VON MENSCHEN MIT ASSISTENZBEDARF VERÄNDERN, sondern nur die Situation von Menschen, die ausschließlich Eingliederungshilfe bekommen!
Von Gisela Maubach
" . . . dass er der Volkswirtschaft sehr viel bringt."
Wirtschaftlichkeit . . . Wirtschaftlichkeit . . . Wirtschaftlichkeit
Hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie man sich fühlt, wenn man ein Kind geboren hat, das der Volkswirtschaft aufgrund schwerster Gehirnschäden nie etwas "bringen" kann, wenn ausschließlich die Menschenrechte von denjenigen thematisiert werden, die der Volkswirtschaft etwas "bringen"?
Mittlerweile entsteht der Eindruck, dass diejenigen, die das Wort Inklusion am größten auf ihre Fahnen schreiben, die darin vorausgesetzte Vielfalt am meisten ad absurdum führen . . .