Will Berlin die Paralympics?

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Webgrafik der Befürworter einer Bewerbung Berlins
Webgrafik der Befürworter einer Bewerbung Berlins
Bild: BSB

Berlin (kobinet) Unter dem Motto „Wollen wir die Paralympics?" diskutiert heute der Berliner Behindertensport über die Bewerbung der Stadt, die olympischen und paralympischen Spiele 2024 auszurichten. In einer Podiumsdebatte wird das Für und Wider einer Bewerbung Berlins erörtert. Das Präsidium des Behinderten-Sportverbandes Berlin (BSB) hat sich in einem Grundsatzbeschluss für eine Bewerbung ausgesprochen, allerdings nicht einstimmig und nicht ohne Diskussion. Können die Paralympics Berlin noch lebenswerter für Menschen mit Behinderung machen? Kann das Ziel erreicht werden, so die Kampagnenaussage der Befürworter, Berlin zur barriereärmsten Stadt Europas zu machen?

Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet am 21. März, ob Deutschland mit Berlin oder Hamburg ins Bewerbungsrennen geht. Mögliche Konkurrenten wären Rom, Boston oder auch Paris. Die Nolympia-Initiativen werden in Berlin wie auch in Hamburg von der Linkspartei angeführt. Berlins Landesbehindertenrat und der Landesbeauftragte für behinderte Menschen sind für eine Bewerbung der Stadt (29.1.2015).

Landesbeauftragter Jürgen Schneider erinnerte an die positiven Erfahrungen der allerdings erfolglosen Olympia-Bewerbung vor mehr als 20 Jahren. "Die vom Senat 1992 beschlossenen Leitlinien zum Ausbau Berlins als behindertengerechte Stadt, wären ohne die damalige Bewerbung nicht in dieser Qualität zu Stande gekommen", so Schneider. "Bereits mit der Bewerbung um die Paralympics rücken die Probleme und die Interessen der Menschen mit Behinderung stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Damit bestehen deutlich bessere Chancen, die immer noch vorhandenen Defizite insbesondere bei der Barrierefreiheit von Bestandsgebäuden und Einrichtungen, aber auch hinsichtlich der Willkommenskultur für Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen abzubauen."

Lesermeinungen zu “Will Berlin die Paralympics?” (5)

Von Gerti

Ergänzug zur Ergänzung:
Die Schwimmsportzentrum Landsberger Allee, in der es mehrere Schwimmbecken gibt, davon eines für Wettkampfschwimmen (5o-Meter-Bahnen und ein Sprungbecken mit mehreren Sprungtürmen) in einem separaten Schwimmhalle innerhalb des Schwimmsportzentrums.
Jeder der genannten Sprungtürme ist mit einem gläsernen Fahrstuhl ausgestattet. So wurde bisher in Berlin das Geld rausgeworfen.
Dagegen mangelt es in Berliner Schulen, die in öffentlicher Hand sind, selbst an elementaren Dingen, wie an funktionierenden Tolittenanlagen und am Toilettenpapier.
Dem Behindertenbeirat beim Senat von Berlin scheinen diese Missstände nicht bekannt zu sein oder aber die dort tätigen Behinderten verschließen vor den Missständen die Augen und halten sich die Ohren zu oder lassen sich die Ohren zuhalten.
Hauptsache, es wird wieder eine neue Flitzpiepe durchs Berliner Dorf getrieben und man gibt sich eben 'modern' und will die Spiele :-( in Berlin.

Von Gerti

Korrektur:
Es muss heißen "oder für ihn" und wie versehentlich von mir doppelt geschrieben, in der zweiten Doppelung: "oder gegen ihn ".

Von Gerti

Nachbemerkung:
Ganz nebenbei fällt kobinet wieder in eine der alten Rollen zurück: Man weiß nicht mehr, ob kobinet jetzt pro oder gegen den Otto-Normalverbraucher-Behinderten ist oder gegen ihn und von kobinet von allen Seiten her nur noch die so genannten Leisungswilligen der Behinderten hofiert.
Auch ohne Sinn und Verstand, aus meiner Sicht.

Von Gerti

Brot und Spiele. Eine altbekannte Methode, um die Bevölkerung bei Laune zu halten.
Sowohl die Olympiade, als auch die Paralympics zehren am Geld Berlins.
Mir ist auch nicht ganz nachvollziehbar, weshalb die Leistungssportler_innen so in den Himmel gehoben werden.
Und wie willfährig Gremien in Berlin, die doch dem Gemeinwohl von Behinderten zugetan sein müssten, diesem Geld-zum-Fenster-rauswerfen zugestimmt und sich mit paar walbungsvollen Worten der Versprechungen ködern lassen haben.
Ferner schlägt der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin mit seiner Vorsitzenden Barbara John in dieselbe Kerbe und jubiliert pro Paralympics.
Was hat der Paritätische mit den Paralympics gemein? Nix.
Der Paritätische Verband Berlin wird inzwischen gut genährt von einem Heer aus Freiwilligen. Dann will wohl der Paritätische mit dem Heer seiner Freiwilligen sich den Paralympics anbiedern, liebedienern? Ohne Sinn und Verstand, das Ganze. Das Klientel des Paritätischen Verbands Berlin, wozu in nicht geringem Umfang Behinderte gehören, wird vom Paritätischen Wohlfahrtsvervband auf diese Weise 'automatisch' in den Hintergrund getreten.

Von Thomas Künneke

Olympia in Berlin bedeutet aber auch das die Mieten für Wohnraum explodieren werden. Viele Menschen mit Handicaps, sind vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt. Diese Menschen werden sich die Mieten nicht mehr "leisten" können. Eine barrierefreie Stadt benötigen wir dann nicht mehr, weil die dazugehörigen Menschen nicht mehr zugegen sind. Und die Argumentation, dass "Olympia" zu einer barrierefreien Stadt führen, bedeutet im Umkehrschluss, dass sich demnächst alle Städte umgehen um Olympia bewerben sollten, weil es wäre ja schön, wenn die auch barrierefrei werden würden. Und Willkommenskultur für 2 Wochen reicht mir nicht...
Ich möchte ein barrierefreies, bezahlbares Berlin, dass sich bewusst ist, dass ein Verzicht auf Menschen mit Handicaps, einen Verlust darstellt, ganz unabhängig von den Olympischen Spielen, deren (Geschäfts-)Geist in vielen Fällen der olympischen Idee entgegensteht.
Thomas Künneke, Kellerkinder e.V.