Abgeordnete zu neuen Bluttests
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
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Berlin (kobinet) Eine interfraktionelle Kleine Anfrage zu neuen Bluttests auf Down-Syndrom wurde heute im Deutschen Bundestag eingebracht. Zur Kleinen Anfrage "Vorgeburtliche Blutuntersuchung zur Feststellung des Down-Syndroms" erklären die Bundestagsabgeordneten Corinna Rüffer (B90/Grüne), Hubert Hüppe (CDU), Dagmar Schmidt (SPD) und Kathrin Vogler (Linke): Mit einer interfraktionellen Kleinen Anfragen richten Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen das Augenmerk auf eine möglicherweise verhängnisvolle Entwicklung in der Pränataldiagnostik: Die Massenanwendung eines scheinbar harmlosen Bluttests könnte dazu führen, dass zukünftig deutlich weniger Kinder mit Down-Syndrom geboren werden.
Seit einiger Zeit sorgen derartige Tests auf Trisomie 21 (Down-Syndrom) daher für ethische Debatten. Seit der Deutschen Einheit ist dies die erste interfraktionelle Kleine Anfrage, die von Abgeordneten aller Bundestagsfraktionen getragen wird. Uns alle eint die Befürchtung, dass die Möglichkeit, früh und risikoarm zu testen, eine gesellschaftliche Erwartung erzeugen könnte, diese Angebote zu nutzen. Eltern, die sich gegen den Test oder wissentlich für ein behindertes Kind entscheiden, könnten künftig immer mehr in Erklärungsnöte geraten.
Erfahrungen aus anderen Ländern stützen diese Sorge: In Dänemark wird seit 2005 allen Schwangeren angeboten, testen zu lassen, ob sie ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt bringen werden. Bereits im Folgejahr nahmen 84 Prozent das Angebot an. Die Zahl der in Dänemark mit Down-Syndrom geborenen Kinder hat sich seither halbiert. Eine verstärkte Aufklärung, welche konkrete Unterstützungsangebote Eltern von Kindern nutzen können, kann dazu beitragen, Ängste und Vorurteile abzubauen und für gesellschaftliche Vielfalt zu werben.
Der Deutsche Ethikrat hat in seiner Stellungnahme "Die Zukunft der genetischen Diagnostik" ein beunruhigendes Szenario entworfen, sollten derartige Tests auf breiter Basis zum Einsatz kommen. Wir möchten sicherstellen, dass keine Entscheidungen getroffen werden, ohne dass mögliche Folgen politisch bewertet wurden.
Hintergrund: Mit sogenannten "nicht-invasiven" Tests können Schwangere durch eine einfache Blutuntersuchung feststellen lassen, ob ihr Baby mit Down-Syndrom geboren wird. Die Hersteller bewerben diese Bluttests als risikolose Alternative zu herkömmlichen Plazenta- oder Fruchtwasserpunktionen. Gegenwärtig prüft der Gemeinsame Bundesausschuss, ob er eine Erprobung gemäß § 137e SGB V beschließt. Am Ende eines Erprobungsverfahrens könnten diese Bluttests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden.
Die Kleine Anfrage kann online abgerufen werden unter: www.corinna-rueffer.de, Telefon: 227 72020 www.huberthueppe.de, Telefon: 227 77303 www.dagmarschmidt.de, Telefon: 227 77107 www.kathrinvogler.de, Telefon: 227 72112

Von Dagmar B
Hallo Lesebille
Ich finde nicht,das unbedingt Panikmache erforderlich ist,um sich gegen ein behindertes Kind zu entscheiden.
Dabei ist auch weniger das Leiden des imaginären Kindes relevant,als vielmehr die Auswirkungen,die ein behindertes Kind auf die Situation der Familie ,bzw. Eltern haben kann.
Wie weit Deutschland von einem normalen Umgang mit behinderten Menschen und deren Eltern entfernt ist,hat die öffentliche Diskussion über Henri,der ans Gymnasium wollte,gezeigt.
Das Gedankengut,das da zum Teil in den Foren,auch in der Gegenpetition erörtert wurde,nicht zuletzt auch die Hetzkampagne gegen die Eltern von Henri,können Menschen durchaus überzeugen,das es besser ist,man befreit sich von dem drohenden Dillemma.
Weder Schulen,noch flächendeckend Kitas sind für die Inklusion gerüstet,wann das so sein wird,steht in den Sternen,die bürokratischen Kraftakte und Anträgemaratons,um eine Mindestmaß an Hilfen zu ergattern,begleiten Eltern möglicherweise ein Lebenlang,mit der Ungewißheit,wie es weitergeht,wenn von den Elteren das Zeitliche gesegnet wird.
Ich kann jeden verstehen,der bei diesem Zukunftsszenario dankend abwinkt .
Der moralische Zeigefinger nutzt da garnix,weil Eltern von behinderten Kindern nicht zwangsläufig zeitgleich zur ausgetragenen Schwangerschaft ein Heiligenschein wächst.
Was tatsächlich viel nutzen würde,so wie gegen alle Schwangerschaftsabbrüche,sind postive Perspektiven,ein Leben IN DER GESELLSCHAFT FÜHREN ZU KÖNNEN,ohne an den Rand verfrachtet zu werden.In diesen Zeiten bedeutet es allerdings ,das man dieses dann zusätzlich zu dem erhöhten Betreuungsbedarf der Kinder erkämpfen muß.Daher kann man niemanden zwingen,sich vor solch einer Lebensituation nicht zu schützen,wenn das möglich ist.
Mit den Kindern hat das am wenigsten zu tun,weder bei Kindern mit T21 ,noch bei den gesunden Kindern ,die ja in viel größerer Anzahl abgetrieben werden.
Wo ein flächendeckender Test auf keinem Fall hinführen darf,sind die Zustände,wie sie in diesem Link beschrieben werden.
http://www.israelheute.com/Nachrichten/Artikel/tabid/179/nid/27860/Default.aspx
Von Lesebrille
Der Satzteil " dass zukünftig deutlich weniger Kinder mit Down-Syndrom geboren werden." entbehrt nicht einer gewissen Komik. Einer schaurigen allerdings! Schon heute kommen kaum noch Kinder mit Down-Syndrom zur Welt. Die Aussortierung geht nur einfach noch schneller vonstatten.
Damit ist die Kontinuität der Sicht auf Menschen mit Behinderungen als "lebensunwertes Leben" kaum noch von der Hand zu weisen. Der Widerspruch, hier würden ja schliesslich keine Menschen getötet werden, sondern vielmehr Föten, ist dabei irrelevant, da es auf das Menschenbild und nicht auf die Zeitpunkt des Tötens ankommt.
So lange Eltern Panik gemacht bekommen, ein Leben mit einem behinderten Kind sei unendlich schwer und voller Leid, so lange Politik und Gesellschaft nicht bereit sind, die volle Teilhabe mit einem Leben in Würde umzusetzen, werden sich die betroffenen Eltern überwiegend für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.
Und die Begegnung der Gesellschaft mit den (über)lebenden Menschen mit Behinderung/Down-Syndrom, wird das Tempo beschleunigen.
Die Aussortierung von Menschen mit Down-Syndrom wird nur der Anfang sein. Wenn der Dammbruch funktioniert, warum soll man dann aufhören? Die Wirtschaft verdient gut daran und die Gesellschaft muss sich mit der Füllung von Begriffen wie Diversität nicht bzw. immer weniger auseinandersetzen.