Auftritt von Singer in Köln abgesagt
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: omp
Köln (kobinet) Die Verantwortlichen des Internationalen Philosophiefestes phil.COLOGNE haben die Veranstaltung mit Peter Singer in Köln kurzfristig abgesagt. Der australische Philosoph war eingeladen worden zu einer Diskussion mit dem Thema „Retten Veganer die Welt?".
"Festival- und Programmleitung wussten von früheren Veröffentlichungen und Aussagen Singers im Hinblick auf Pränataldiagnostik und Behinderung. Nicht vorhergesehen werden konnte, dass Peter Singer seine fragwürdigen Thesen im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 26.5.2015 aktuell derart in den Mittelpunkt rücken würde. Peter Singer hat Standpunkte geäußert, die im Widerspruch zu dem humanistisch-emanzipatorischen Selbstverständnis stehen, das die phil.COLOGNE leitet", wurde gestern Abend in Köln mitgeteilt.
Abzuwägen war der Konflikt zwischen dem hohen Gut der freien Rede – ein Wesen der Philosophie - und der inhaltlichen Positionierung von Peter Singer, heißt es weiter. "Eine sachorientierte Diskussion zu der von der phil.COLOGNE angestrebten Thematik scheint vor diesem Hintergrund nicht mehr möglich. Daher ist eine Absage der Veranstaltung aus Sicht der Verantwortlichen unausweichlich."

Von nurhessen
@ franz:
Man findet einen Teil des Empfangs der Band PKN mit Text, Video und Bildern auf der Homepage der Zeitung „Helsingin Sanomat“ vom 21.05.2015 unter
www.hs.fi./kulttuuri/a1432174225481
Von franz
Von franz
Singer bespielt die Medien und will an durchaus vorhandene Trends anknüpfen (siehe Ängste in Finnland und Pressekommentar "Euthanasie" als Menschenrecht). Proteste zum Deutschland-Besuch haben hier den umstrittenen Philosophie-Professor erstmal abgemeldet. Die von ihm bediente Ideologie ist noch längst nicht überwunden. Erfreulich aber ist, dass die finnischen Punkrocker hierzulande und daheim auf so viel Zustimmung stoßen, obwohl der erwartete Erfolg der "Behinderten-Band" beim Liederwettbewerb in Wien ausgeblieben ist.
Von nurhessen
Ja klar! Sie sind erster Klasse zurückgeflogen; vom Kapitän begrüßt, durften sich alle Annehmlichkeiten wünschen. In Helsinki sind sie von einem spontan organisierten Festkommittee empfangen worden. Sie sind direkt vom Flughafen über den roten Teppich in ihren Lieblingsstadtteil „Kallio“ gefahren. Wirklich großer Bahnhof. Die Presse war voll! Gaukler, begeistertes Publikum haben sie begrüßt. Das Ganze war bei der Polizei nicht angemeldet, trotzdem hat alles prima geklappt. Viele Rollstuhlfahrer, die ganz nah an die Vier rankommen konnten. Sami will vielleicht für das Stadtparlament kandidieren.
Von franz
@ nurhessen Gibts in der finnischen Presse, was über Pertti Kurikan Nimipäivät nach Rückkehr vom Song Contest in Wien?
Von nurhessen
Merke: Angst war noch nie ein guter Ratgeber.
Von nurhessen
Nicht nur Peter Singer; heute war in einer großen finnischen Tageszeitung (wohl der größten) eine Kolumne eines sehr bekannten finn. Journalisten mit dem Titel: „Euthanasie ist Menschenrecht“; Begründung: Die Angst irgendwann der Gesellschaft einmal zur Last zu fallen! 74% der Bevölkerung seien dieser Meinung!
Von Dr. Theben
Das ist eine erfreuliche Meldung und auch kein Einknicken vor dem Recht auf freie Rede. Gott sei Dank ist, von der Berliner Urania mal abgesehen, die Sensibilität für Bioethisch-eugenische Fragen vielleicht hier höher als woanders weil es im Grundgesetz gleich an erster und unverrückbarer Stelle in Art. 1 heißt: DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR. In dieser Deutlichkeit wohl ein Novum in der internationalen Verfassungswirklichkeit abgesehen von der Schweiz und dem Europäischen Verfassungsvertrag wo die Menschen würde und deren Schutz als einer von mehreren Werten der Gemeinschaft genannt ist. Die besondere Hervorhebung in der Verfassung der Bundesrepublik basiert sicher auf den Erfahrungen der Nationalsozialistischen Vergangenheit die verbunden ist mit dem Holocaust und der Euthanasie.
Die Befürworter der Redefreiheit im Kontext von Singers Thesen müssen aus meiner Sicht denjenigen die sich in ihrem Lebensrecht wohl völlig zu Recht bedroht fühlen bzw. denen eine Legitimationsdebatte aufgedrängt wird die Frage beantworten: Warum sollen wir uns das den gefallen lassen.
Und wer die Ansicht vertritt, Singers Kritiker würden ihn bewusst missverstehen sollen dann mal klar ohne verweis auf irgendwelche Bloggerbeiträge hier im Kobinetforum erklären, wie er den richtig zu verstehen wäre. Spricht nicht allein sein letztes Interview in der NZZ eine deutliche Sprache. Soweit ich es erkennen kann hat sich keiner der Befürworter Singers hier mal konkret zu den Inhalten der Beiträge von Theresa Degner und Matthias Vernaldi geäussert. Stattdessen werden Stellvertreterdebatten darüber geführt, ob Singer Nazithesen vertritt (darauf kommt es bei der Kritik an Singers Thesen vorrangig nicht an!) oder wer wen in welchem Blogbeitrag verleumdet oder fehlinterpretiert hat.
Überspitzt formuliert lautet die Frage: Warum muss die Deutungshoheit über die Qualität behinderten Lebens nicht bei den Betroffenen selbst liegen. UND: Eltern die vor der Frage des Lebens mit einem schwerbehinderten Kind, und sei es für kurze Zeit, stehen und die sich die Entscheidung mit Sicherheit nicht Leicht machen: WElchen Nutzen bei der Entscheidungsfindung bringen ihnen Singers Thesen....ein reineres Gewissen..?
Dr. Martin Theben
Berlin