Vor G7-Gipfel auf Schloss Elmau

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Botschaft in der Einflugschneise
Botschaft in der Einflugschneise
Bild: Plant-for-the-Planet

Berlin (kobinet) Protestmärsche zum bevorstehenden G7-Gipfel begannen heute in München. Nach Polizeiangaben gingen fast 35.000 Menschen zum friedlichen Protest auf die Straße. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz haben derweil zum Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen am 7. und 8. Juni angemahnt, alles zu tun, um die weltweite Armut zu bekämpfen und dem Klimawandel zu begegnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die G7 als "Motor für eine lebenswerte Welt". Anderer Meinung ist der gestern eröffnete Internationale Gipfel der Alternativen, wo Globalisierungskritiker wie Jean Ziegler das Wort führen. Wenn die G7-Chefs am Wochenende anreisen, können sie in der Einflugschneise über dem Schloss Tutzing auf Ballons eine Botschaft der Jugend sehen: "Pflanzt Bäume für unser Überleben".

In ihrer gemeinsamen Erklärung haben Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx kritisiert, dass noch immer 90 Prozent des Weltvermögens in den Händen von nur 10 Prozent der reichsten Nationen sind und die ungleiche Verteilung von Lebenschancen sich in vielen Ländern verschärft hat. Sie erwarten vom G7-Gipfel eine klare Zusage, den Welthandel und die Wertschöpfungsketten gerechter zu gestalten.

Die Welthungerhilfe war heute bei der Demonstration in München dabei und will auch auf dem Konzert "Zusammen gegen Armut" am 6. Juni auf dem Münchner Königsplatz für die Unterstützung von Kleinbauern werben: Rund 70 Prozent aller Nahrungsmittel in Entwicklungsländern werden von Kleinbauern produziert. Sie könnten den Hunger in ihren Ländern komplett besiegen - mit besserer Ausbildung und Beratung, Saatgut und Bewässerung, Straßen und den Zugang zu Märkten. Doch statt sie zu unterstützen, fördern Politiker lieber Großplantagen und die Exportindustrie.

Jean Ziegler wirft den Staats- und Regierungschefs der mächtigsten Industriestaaten der Welt "völliges Versagen" im Kampf gegen den globalen Hunger vor. Im Interview mit ZDFheute.de nannte der ständige Berater des UN-Menschenrechtsrats als wichtigste Gründe für das "tägliche Massensterben an Hunger" die Börsenspekulation auf Grundnahrungsmittel, die Produktion von Agrartreibstoffen und den "Landraub" vor allem in Afrika.

"Das durch Hunger verursachte Massaker von jährlich Millionen von Menschen auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt, ist der absolute Skandal unserer Zeit", so der Schweizer. "Ich glaube nicht, dass Merkel, Hollande oder Obama noch fähig sind, frei zu denken." Ziegler hofft dagegen auf zivilgesellschaftliche Kräfte und ihr Wirken gegen Ausbeutung und Marktradikalismus: "Ich denke, auf dem Alternativgipfel kommen viele Tausend Menschen zusammen, die eine kannibalische Weltordnung stürzen wollen!"