Barrierefreiheit ist Denkmalschutz

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Hallenleiter rief die Polizei
Hallenleiter rief die Polizei
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Hamburg (kobinet) Rollstuhlfahrer in Berlin hatten jetzt die Faxen dicke und haben für ihr Recht, auf die Toilette gehen zu können, protestiert, berichtet Christiane Link in ihrem Blog auf Zeit Online: In der Arminiusmarkthalle in Berlin-Moabit veranstalteten sie einen "Piss-in", und richteten hinter einem Vorhang eine Nottoilette mit einem Eimer ein. Die Flüssigkeit darin war bloß Tee, doch der Protest erregte Aufsehen, der Betreiber rief die Polizei.

"Seit mehr als zehn Jahren diskutiert man schon darum, ob die Halle eine barrierefreie Toilette bekommt oder nicht. Selbst als sie 2010 zu einem gastronomischen und kulturellen Zentrum umgebaut wurde, verweigerte man den Einbau einer barrierefreien Toilette und schließt damit behinderte Menschen von der Nutzung dieser Einrichtungen aus. Denn wer geht schon gerne essen oder auf eine Veranstaltung, wenn er dort nicht zur Toilette gehen kann?", so die Journalistin, die selbst einen Rollstuhl nutzt

"Man könnte meinen, wer eine unter Denkmalschutz stehende Halle zu einem Gastronomie- und Veranstaltungszentrum umbauen kann, kann auch eine barrierefreie Toilette einbauen, ohne den Denkmalschutz zu gefährden. Es ist, wie es meistens ist in solchen Fällen, eine Frage des Willens", so Christiane Link.

Sie hat vor Kurzem eine interessante These zum Thema Barrierefreiheit und Denkmalschutz gehört: Jemand wies darauf hin, dass sich Barrierefreiheit und Denkmalschutz keinesfalls ausschließen müssen. Im Gegenteil. Der beste Denkmalschutz für ein Gebäude sei dessen breite Nutzung. Je mehr Menschen Zugang zu einem Gebäude hätten, desto mehr würden es wertschätzen. Das steigere das Interesse, das Gebäude dauerhaft zu schützen. Wenn man aber Menschen den Zugang verwehre, hätten weniger Menschen ein Interesse daran, es langfristig zu schützen. Barrierefreiheit kann also sogar eine Maßnahme im Sinne des Denkmalschutzes sein. Diesem Ansatz entsprechend müsste die Arminiusmakthalle schnell eine barrierefreie Toilette bekommen. Und alle anderen Gebäude, bei denen man das diskutiert, ebenfalls. Aus Denkmalschutzgründen.

Lesermeinungen zu “Barrierefreiheit ist Denkmalschutz” (5)

Von Wolfsspitz

@Gerti

Wenn ich eines wirklich dämlich finde das ist es das Totschlagargument, es gäbe Dinge die viel schlimmer wären, ja die gibt es nur was soll das den bedeuten? Nur weil ICH irgend etwas wichtiger finde bedeutet das nicht das, dies andere auch so sehen. Jeder hat eine andere Lebenswirklichkeit und das sollte auch beachten. Ich als schwerst Gehbehinderten habe andere Probleme als ein Rollstuhlfahrer und mich betrifft z.B das Problem mit den Eltern nicht. Ich habe durchaus Verständnis für die Eltern, kein Verständnis habe ich dafür das einige meinen sie müssten für andere entscheiden was sie für wichtig halten und was nicht.
Einer an Morbus Crohn erkrankter kann durchaus eine Toilette benutzen die er nur durch eine Treppe erreicht, ich kann das nicht. Die sogenannten Behindertentoiletten sind rein sachlich gesehen nichts anders als barrierefreie Toiletten die besonders für Rollstuhlfahrer geeignet sind. Der Blog von Frau Link (nicht Links) gibt ihre Meinung wieder mehr nicht. Sie hatte auch früher schon einen Blog auch dort hat sie ihre Sicht der Dinge beschrieben. Die Personen aus den Beispiele die sie nennen benötigen womöglich auch Zugang zu Behindertentoilette, aber sie haben immer noch die Möglichkeit auch nicht barrierefreie Toiletten zu nutzen, Rollstuhlfahrer und andere mobilitätseingeschränkte Menschen haben diese alternative aber nicht. Es steht ihnen ja frei ihre Sicht der Dinge auch in einem Blog dar zu legen, dann würde ich eine ähnliche Kritik wie ihre an ihrem Blog genau so kommentieren wie ich das jetzt mit ihrem Kommentar mache. Es geht bei dem Beitrag von Frau Link eben nicht um einen sachlichen Artikel sondern um einen Meinungsäußerung,

Von Lesebrille

Zum obigen Artikel:
Ich finde es grossartig, dass die Aktion "Piss-in" es in die "Zeit" geschafft hat. Einen herzlichen Dank an Frau Link!

P.S.: In der Taz las ich leider nichts dazu, aber vielleicht habe ich es einfach überlesen!?

Von Lesebrille

Ich gestehe, bei manchen Kommentaren auf Kobinet platzt mir der Kragen.

Ja, in den Artikel liesse sich noch viel viel mehr einbauen, keine Frage. Ein Drittel der Weltbevölkerung hat zum Beispiel überhaupt keine Toiletten. Für diese Menschen ist dieses Thema hier sowieso ein First-World-Problem. Könnte da auch stehen - stimmt nämlich. Und jetzt?

Frau Link hat Platz bekommen in einer grossen deutschen Tageszeitung, die von vielen Menschen gelesen wird. Das ist erst einmal zu honorieren! Wer das Zeitungssterben mitbekommt, weiss, dass es nicht so selbstveständlich ist.

In der Zeit versucht Frau Link die LeserInnen an Themen heranzuführen, die für Menschen mit Behinderungen zum Alltag gehören, aber für das Gros der LeserInnen nicht zur eigenen Lebenswirklichkeit gehört.

Dass es LeserInnen gibt, denen irgendetwas im Artikel fehlt, kommt sicherlich häufiger vor - nicht nur bei Frau Link. Tatsächlich geht es aber um Heranführung an das Thema, sowie dessen Verdichtung, damit es interessant bleibt und auch gelesen wird.

Da Frau Link rollstuhlnutzend ist, ist es kein Fehler, auch aus eigener Sicht zu schreiben. Das wird so auch auf der Seite "Über das Blog" (zu finden über die Navigation auf der rechten Seite von "Stufenlos") so gesagt: "Dabei geht es um persönliche Erfahrungen und eine persönliche Sichtweise. Ganz subjektiv, von einer Autorin, die selbst behindert ist." Diese Arbeit als deshalb als "Rohrkrepierer" zu bezeichnen, finde ich unter Niveau!

Natürlich nutzen nicht nur rollstuhlnutzende Menschen Rollstuhltoiletten, aber es bleibt ja auch allen LeserInnen unbenommen, eine eigene Denkleistung zu erbringen!

Von Gerti

Um Missverständnissen vorzubeugen:
Ich schrieb, das Frau Links Inhalt der Kolummne fern der Kritik sei.
Hiermit sagte ich, dass Frau Link eben nicht korrekt kritisiert, da sie eigen-bezogen von der Sache _Klo in der Markthalle_ schrieb. Die Kritik, die von Frau Link ausgeht, stellt sich mir als Rohrkrepierer dar.
Noch einmal betone ich, dass mir es bitter aufstößt, dass Frau Link die Klo-Nutzungsprobleme von Schwer(st)behinderten, die nicht den Rollstuhl nutzen, offensichtlich ausblendet. Jedenfalls schreibt sie nichts über die Klo-Nutzungsprobleme von Menschen jenseits des Gebrauches eines Rollstuhles.
Hierdurch wirkt der Inhalt der besagten Kolummne sehr und ausschließlich selbstbezogen.

Von Gerti

Im Gegensatz zum erneuten Peitschen durch den deutschen Blätterwald hätte Frau Link besser über die krasse Schlechterstellung von Eltern mit schwer(st)behinderten (nicht und erwachsenen) Kindern schreiben können.
Wie schon so oft vorher in ihren Kolummnen, fremdelt Frau Link offensichtlich, was es anbelangt, mal nicht über ihre eigenen Belange (über die schreibt Frau Link, nämlich in Großbritannien aufs Klo zu 'gehen') zu schreiben.
Zudem ist das etwas, was bereits in Grund- und Einführungskursen Journalist/innen und Redakteur/innen in spe regelmäßig gelehrt wird: Über eine Sache oder zu einem Menschen mit dem gebührenden journalistischen, innerlichen Abstand zu schreiben. So, wie von Frau Link bei Zeit-online.de geschrieben wurde, ist der Inhalt der Kolummne fern der Kritik.
Kritik anzubringen wäre zum Beispiel gewesen, aus Sicht einer Mutter und eines Vaters eines schwer(st)behinderten (nicht und auch erwachsenen) Familienmitglieds zu schreiben oder aber über die Klo-Belange von Menschen einzugehen, die ebenfalls eine Behinderten-Toilette zum Toilettengang dringend benötigen, wie Menschen mit Morbus Crohn oder Menschen ohne Arme oder mit einem Stoma und, und, und.