Buch zur Sterbehilfe in Deutschland

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Nikolaus Schneider, Thomas Sitte und Hermann Gröhe nach einer heißen Diskussion zur 'Sterbehilfe' beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015.
Nikolaus Schneider, Thomas Sitte und Hermann Gröhe nach einer heißen Diskussion zur 'Sterbehilfe' beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015.
Bild: DPS

Fulda (kobinet) Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Theologe Nikolaus Schneider beschäftigen sich in ihrem heute erschienenen Buch mit der Frage "Was ist, wenn ich nicht mehr leben möchte?". Gröhe lehnt jede organisierte Beihilfe zur Selbsttötung entschieden ab und fordert den Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung. Auch Schneider schließt die Hilfe zur Selbsttötung aus. Ein gelungener Beitrag zur aktuellen Diskussion zum Thema Sterbebegleitung und Beihilfe zur Selbsttötung, meint die Deutschen PalliativStiftung (DPS) in einer  Pressemitteilung:

Die Autoren im Streitgespräch mit der ZEIT-Redakteurin Evelyn Finger. Es werden kluge Fragen der Journalistin oftmals weise beantwortet. Kein Thema wird ausgeklammert, wenn es um die Sorge und Nöte am Lebensende aus der Sicht der nicht-professionell Versorgenden geht. "Ohne missionieren zu wollen, ringen zwei bekennende Christen mit einer kritischen Gesprächspartnerin um Antworten aus menschlicher, philosophischer, ethischer, soziologischer, politischer, religiöser Sicht. Und die Antworten macht sich keiner der Teilnehmer leicht", so Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung.

Der Leser erlebt, wie authentisch auch in eigener Erfahrung und Betroffenheit die prominenten Interviewpartner doch einsam, zweifelnd und verzweifelt am Bett von Leidenden gesessen haben. Im Anhang des Buches finden sich ein Interview mit Anne Schneider und ein Aufsatz des Präsidenten der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery. 

"Und wenn ich nicht mehr leben möchte?" ist im adeo-Verlag erschienen und zum Preis von 17,99 Euro im Verlagsshop der Deutschen PalliativStiftung unter www.palliativstiftung.de/verlag-shop erhältlich.

Lesermeinungen zu “Buch zur Sterbehilfe in Deutschland” (3)

Von Angehöriger

„Wann bei uns“? Kann ich nur beantworten mit: Jetzt. In unserem privaten Umfeld wurden intensivmedizinische Maßnahmen bei Kindern beendet wegen drohenden Behinderungen (NICHT weil keine Hoffnung auf Überleben bestand und sie trotz Behandlung gestorben wären), ein Pfleger sagte mir, dass man „schon mal langsamer läuft“ wenn ein Alarm bei einem Patienten ertönt, bei dem es „keine Lebensqualität mehr gibt“ und auch hier bei kobinet wurde ja schon bspw. darüber berichtet, dass ein Mensch mit Behinderungen eine dringende Herztransplantationen nicht erhalten durfte wegen seiner Behinderungen (http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/30455/Gericht-entscheidet-gegen-Spenderherz.htm/?search=transplantation).

Von nurhessen

@ Bastian
Erschreckend! In den NL hat die Unterscheidung von Menschen in „brauchbar“ und „nicht-brauchbar“ ihre wahre Fratze gezeigt. Mehr ist nicht hinzuzufügen: außer wann bei uns?

Von Bastian

Ergänzend möchte ich auf das Buch von Gerbert van Loenen hinweisen. Er ist ein vehementer Kritiker der niederländischen Euthanasie-Praxis. Ja, ja, ich weiß schon: BRD ist nicht NL. Aber wohnen in NL nur Monster und hier bei uns nur Heilige, so dass, was die dortigen Ärzte schon lange praktizieren, bei uns nie und nimmer möglich wäre? Hier Auszüge aus Loenens Buch (Das ist doch kein Leben mehr! Warum aktive Sterbehilfe zu Fremdbestimmung führt, 2014):
"Das Problem liegt darin, dass sich durch das Sterbenlassen oder Töten von Menschen ungeheuer viele, gewaltige Probleme in großem Stil geräuschlos, schnell und preiswert lösen lassen – durch die Tötung von Schwachen und Kranken. Die Gefahr, dass das ausufert, ist daher immens groß" (Baroness H. van Till-d'Aulnis de Bourouill, Geschäftsführerin der niederländischen Stiftung für Freiwillige Euthanasie). Aber die unverlangte (!) aktive Sterbehilfe könne in manchen Fällen sinnvoll sein, z.B. bei Geisteskranken, bei entsprechenden "sehr schwer erträglichen Umständen" wie Schmerzen, Atemnot, Hautjucken, Gestank und Ähnlichem.
Die Gesundheitsministerin Els Borst-Eilers in einem Interview: "Es war eine Frage der Taktik, mit dieser Kategorie – Einwilligungsfähige, die um Tötung bitten – zu beginnen. Dadurch wurde es möglich, nach und nach eine allgemeine Akzeptanz aktiver Sterbehilfe zu erreichen".
Werden Kleinkinder von Ärzten getötet und die Sache kommt zur Staatsanwaltschaft, so prüft der Staatsanwalt nicht, ob das vom Arzt behauptete "aussichtslose und unerträgliche Leiden" des Kindes tatsächlich bestand, sondern nur, ob sich der Arzt darauf beruft. Sobald der Arzt, also der Täter selbst, dies tut, ist jegliche weitere Tätigkeit der Staatsanwaltschaft beendet.
2001 wurde das – offiziell so genannte – Euthanasie-Gesetz verabschiedet. Die Gesundheitsministerin Els Borst-Eilers verkündete dies am Karfreitag des Jahres 2001 mit den Worten: "Es ist vollbracht!".
Es dauerte gerade mal 4 (vier) Tage nach Annahme des Gesetzes, bis die genannte Gesundheitsministerin dafür plädierte, Lebensmüde generell in den Kreis der zu Tötenden einzubeziehen.
In den Niederlanden geht es inzwischen darum, das Gesetz zu ändern und es auszudehnen und zwar auf:
alte, lebensmüde Menschen, die nicht krank sind,
Drogenabhängige, bei denen der Entzug wiederholt gescheitert ist,
psychisch Kranke,
Kinder unter 12 Jahren,
Kinder mit mehrfacher Behinderung,
geistig Behinderte, die nicht einwilligungsfähig sind,
Frühchen.
Um für die Tötung von Demenzkranken zu werben, gab es einen Propaganda-Film mit dem Titel: "Zombie mit Windel". Die anschließende TV-Debatte fand statt unter Auschluß der Sterbehilfe-Gegner!
Wer nach einer Reanimation eine mehr oder weniger starke Behinderung hat, solle auch umgebracht werden. Eine Senatsabgeordnete: Wer mehr kostet, als er einbringt, wer mehr Leid verursacht als Glück, der solle besser tot sein. Entsprechend solle eine bestimmte Personengruppe von der Reanimation ausgeschlossen werden, z.B. Alte in Heimen.
"Dr. Mengele lebt und wohnt in Holland" – so der Kommentar eines amerikanischen Journalisten zur niederländischen Praxis der Sterbehilfe.