In inklusive Schulen investieren

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Ulla Schmidt
Ulla Schmidt
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Die heute veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung zur Inklusion in der Schule bestärkt die Lebenshilfe in ihrer Forderung nach einer Bildungsoffensive für ganz Deutschland. Es wird deutlich, dass es weiter gravierende Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Die Studie spricht von einem „Flickenteppich". Für Ulla Schmidt, die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, folgt daraus: „Wir müssen noch stärker in inklusive Schulen investieren."

Dass der Inklusionsanteil in Bremen bei 68,5 Prozent und in Schleswig-Holstein bei 60,5 Prozent liegt, in Niedersachsen aber nur bei 23,3 Prozent und in Hessen gerade mal bei 21,5 Prozent, sei unhaltbar. Die Lebenshilfe fordert daher eine Bildungsoffensive für Inklusion in ganz Deutschland, die gemeinsam von Bund und Ländern getragen wird. „Nur so können Kinder in all ihrer Unterschiedlichkeit unsere Zukunft sein. Und damit meine ich ausdrücklich auch Kinder aus Flüchtlingsfamilien!", betont Ulla Schmidt.

Laut der Bertelsmann-Studie ist der Inklusionsanteil an weiterführenden Schulen deutlich kleiner, besonders an Realschulen und Gymnasien. „Auch das", so die Lebenshilfe-Vorsitzende, „muss sich ändern. Das Recht auf Teilhabe an einem inklusiven Bildungssystem muss bundesweit und im gesamten Bildungsverlauf sichergestellt sein." Keine Schule dürfe sich der Inklusion verschließen, und kein Kind dürfe ausgeschlossen werden. Dazu seien individuelle Schulkonzepte, barrierefreie Klassen und qualifizierte Lehrer in ausreichender Zahl notwendig. Ulla Schmidt: „Die vielen guten Beispiele, wie sie jedes Jahr durch den Jakob-Muth-Preis ausgezeichnet werden, zeigen, was möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen."

Lesermeinungen zu “In inklusive Schulen investieren” (4)

Von klausgilg

Es ist schon erstaunlich, dass die erfolgreiche Umsetzung von "Inklusion" an der Zahl der Schüler gemessen wird, die "inklusiv" an Regelschulen beschult werden. Dabei kein Wort über die Qualität dieser oft unzureichenden Beschulung. Ebenso ist es Augenwischerei, hier von "Inklusion" zu sprechen. Das setzt völlig andere Bedingungen Voraus.
Unabhängig von den sicherlich vielen gelungenen Integrationen gibt es zahlreiche Kinder und deren Eltern, die unter den unzureichenden Bedingungen leiden. Mit welchem Recht werden Eltern gezwungen, ihre Kinder in eine Schulformen zu schicken die sie als unglücklich und mit geringer Kompetenz ausgestattete Beschulung ihrer Kinder erleben, bzw. befürchten. Man stelle sich dieses Vorgehen bei Schülern in anderen Schulformen (z.B. Gymnasium) vor ...

Von Wolfgang Ritter__deleted__033916

Guten Morgen,

für Interessenten hier zum Thema Inklusion aus dem Jahre 2009 eine Hausarbeit zum ersten Examen einer jungen Frau als Studentin der Sonderpädagogik an der Uni in Köln.

www.hf.uni-koeln.de/data/gbd/File/.../Examensarbeit%20Raphaela.pdf

Allein die Überschrift ist es wert sich die Zeit zu nehmen, um vor sechs Jahren aus der Sicht einer Studentin mit der heutigen Zeit das ganze Theater vergleichen zu können.

Die UN-Konvention über die Rechte
von Menschen mit Behinderung
- Weg in eine inklusive Zukunft oder
realitätsferne Utopie?

Viel Spaß beim lesen und vielleicht besserem verstehen, dass wir nicht die ein zigsten immer sind, welche sich ihre eigene Meinung gern selbst bilden, unabhängig aller Schönfärberei.

Wolfgang Ritter

Von nurhessen

Hallo Dagmar B.,
genau! Und diese Art der Pseudo-Inklusion führt im Prinzip in ihr Gegenteil nämlich in die Selektion der Nicht- Inklusiontauglichen, der Unproduktiven… geradewegs in die Pflege. Wie der Fall Maubach offenbart und vor Augen führt. Keine guten Aussichten also.

Von Dagmar B

Schön , das noch ein Artikel zur Inklusionssituation kommentierbar ist.

In der neuen Bertelsmann Studie wird eigentlich nur nochmal deutlich , was bereits im Bildungsbericht in gleicher Form aufgezeigt wird.
http://www.bildungsbericht.de/zeigen.html?seite=11133

nix neues also......

Insoweit kann man zu dem Artikel:
Tut Deutschland in Sachen Inklusion so also ob
Zitat:

Dennoch zeichnen sich auch an Rhein und Ruhr gravierende Fehlentwicklungen ab, die den Fortschritt beim Aufbau der inklusiven Bildung ernsthaft gefährden. "Insbesondere den Familien mit Kindern mit Schwerbehinderung wird wenig Mut gemacht ihr Recht auf inklusive Bildung wahrzunehmen. Stattdessen wird viel wegberaten und abgeschreckt", berichtet die mittendrin-Vorsitzende aus den Erfahrungen der mittendrin-Elternberatungsstelle. "Unter diesen Bedingungen ist das Elternwahlrecht bloße Theorie, weil es die Wahl der inklusiven Bildung nicht gibt."

Eine weitere Fehlentwicklung sei die Neigung, immer mehr Kindern einen sonderpädagogischen Förderbedarf zu bescheinigen - für Lernschwierigkeiten, die vor der Debatte über Inklusion als selbstverständliche Aufgabe der Regelschule betrachtet wurden. Wenn aber nur Kinder und Jugendliche "integriert" würden, die bisher immer allgemeine Schulen besucht haben, drohe die Inklusion zum Etikettenschwindel zu werden.
Zitat Ende

nur sagen , tja so ist es, und es ist hinlänglich bekannt.

Der Trend , das immer mehr Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf haben , die Förderschulen nicht abspecken und ein unübersichtliches Durcheinander bei der Diagnostik von sonderpädagogischem Förderbedarf je nach Bundesland besteht, ist ja bekannt .
Das in erheblichen Maß sonderpädagogischer Förderbedarf unabhängig von tatsächlichen Behinderungen festgestellt wird , steht auch schon im Bildungsbericht.
Den Vogel hat ja NRW nachweislich abgeschossen , indem ohne Begutachtung von Schulämtern Förderbedarf gleich für ganze Gruppen von Kindern festgestellt wurde......
http://www.lrh.nrw.de/LRHNRW_documents/Unterrichtung/LRH_NRW_P99_Pruefung_Schulbetrieb_Foerderschulen.pdf


Dazu auch nochmal:
http://www.nrw-eineschule.de/artikel/mit-inklusionsquoten-wird-bildungspolitisch-getaeuscht-auch-nrw