Für Lösungen zur sicheren Mitnahme von E-Scootern

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

David Langner
David Langner
Bild: MSAGD

Mainz (kobinet) Um sich über die Möglichkeiten einer sicheren Mitnahme von E-Scootern in Bussen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auszutauschen, trafen sich der rheinland-pfälzische Sozialstaatssekretär David Langner, der Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch, ein Vertreter des Verkehrsministeriums und Vertreterinnen und Vertretern der Verkehrsverbünde in Rheinland-Pfalz zu einem Gespräch im rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Mainz.

Hintergrund dafür ist der Ausschluss von E-Scootern von der Mitnahme in den Bussen des ÖPNV aufgrund einer potentiellen Kippgefahr. Bei einem pauschalen Ausschluss sieht die Landesregierung jedoch die Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderungen gefährdet. E-Scooter werden als Mobilitätshilfe von gehbehinderten Menschen genutzt.

"Die Nutzerinnen und Nutzer von E-Scootern erleben den Ausschluss im Busverkehr als erhebliche Einschränkung ihrer Mobilität. Deshalb wollen wir Aufklärung leisten und mit den Verkehrsverbünden über Lösungen sprechen und erarbeiten, wie eine Mitnahme ermöglicht werden kann", erklärte Sozialstaatsekretär David Langner. Eine Lösung, die pragmatisch und gleichzeitig sicher für alle Fahrgäste im ÖPNV ist, setze ein Einvernehmen mit den Verkehrsbetrieben voraus. Hierfür werde er sich in Gesprächen mit allen Beteiligten gezielt einsetzen.

"Aktuelle Gutachten und Gerichtsurteile eröffnen die Möglichkeit, wie die Mitnahme von E-Scootern in Bussen organsiert werden kann. Die Verkehrsbetriebe in Kiel und Kassel haben dementsprechend bereits die Mitnahme von E-Scootern geregelt. An diesen Beispielen wollen wir uns in Rheinland-Pfalz im Sinne der Menschen mit Behinderungen orientieren" erklärte der rheinland-pfälzische Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch. Im Gutachten der STUVA aus Köln vom Oktober 2015 wurden Untersuchungen zur Mitnahme von E-Scootern in Bussen und Straßenbahnen durchgeführt. E-Scooter mit einer Länge von maximal 1,20 Metern können demnach kippsicher im Bus mitgenommen werden, wenn sie rückwärts zur Fahrtrichtung an den vorgesehenen Rollstuhlplätzen stehen. Das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein hat in seinem Urteil vom 11. Dezember 2015 festgestellt, dass ein pauschaler Ausschluss von E-Scootern nicht mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz vereinbar ist.

"In unserem Gespräch wurden die Einschätzung der Verkehrsverbünde erörtert. Als nächsten Schritt wollen wir gemeinsam mit den Verkehrsverbünden und den kommunalen Behindertenbeauftragten Lösungen erarbeiten, die die Sicherheit der Fahrgäste gewährleisten und gleichzeitig eine Gleichbehandlung aller Menschen garantieren", so David Langner und Matthias Rösch zum weiteren Vorgehen.

Lesermeinungen zu “Für Lösungen zur sicheren Mitnahme von E-Scootern” (1)

Von ingrid

Ich wollte nur darauf hinweisen, dass man auf alle Fälle gleich die praktischen Auswirkungen mitbedenkt. Nicht nur hinsichtlich einer "sicheren" Stellfläche". Ich fahre täglich in Berlin auf verschiedenen Busstrecken, die unterschiedlich frequentiert und dadurch auch mit unterschiedlichen Bussen besetzt sind. Dadurch, dass die Rollstuhlplätze auch von den unzähligen Kinderwagenschiebern benutzt werden (müssen), ist es mit dem normalen Rollstuhl oft schon zu eng zum rangieren, vor allem weil ja viele Kinderwagen in Länge oder Breite schon 3/4 des Platzes beanspruchen. Dazu kommen die älteren Menschen mit Rollatoren. Wie oft schon musste ich einen oder zwei Busse einfach durchlassen, weil kein Platz mehr war. Nicht so schlimm bei 5minütigem Abstand. Unerträglich beim 20-min-Takt. Vor allem dann, wenn wegen Regen, Kälte oder Hitze wirklich jeder den Bus benutzt. Bitte probiert das wirklich im Alltag aus. Das Rangieren ist wirklich eine Herausforderung, je länger und breiter die "Gefährte" desto unmöglicher eine zügige und vor allem entspannte Abwicklung. Und noch etwas: zählt in solchen Fällen der Schwerbehindertenausweis zumindest als Vorrecht, diese Plätze zu nutzen? Scooter als Rollstuhlersatz wird oft von den Krankenkassen angeboten und sollte dann natürlich auch gleichberechtigt behandelt werden. Aber Scooter als Erleichterung für weite Wege dann auch noch vor allem bei Extremwetter in den Bussen, das find ich ziemlich "abgefahren", nicht nur wegen der Sicherheit.