Ministerpräsidenten sollen UN-Konvention umsetzen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Drei rote Ausrufezeichen
Drei rote Ausrufezeichen
Bild: ForseA e.V.

Jockgrim / Berlin (kobinet) Bevor das Bundesteilhabegesetz beim Treffen der MinisterpräsidentInnen beraten wirdl, fordert der Verein Mobil mit Behinderung (MMB) alle Beteiligten auf, an einem grundlegenden Richtungswechsel in der Behindertenpolitik festzuhalten. Auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat dazu aufgerufen, sich an den heutigen Aktionen um fünf vor zwölf für ein gutes Bundesteilhabegesetz zu beteiligen.

"Wir fordern, was unser Recht ist: ein Gesetz, das der UN-Behindertenrechtskonvention entspricht und den verschiedenen Behinderungsarten gerecht wird", stellt DBSV-Geschäftsführer Andreas Bethke klar. "Wenn uns unsere politische Arbeit nicht weiterbringt, müssen wir lauter werden und unseren Protest in die Öffentlichkeit tragen."

Deutschland hat sich nach Ansicht von Mobil mit Behinderung spätestens seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 dazu verpflichtet, inklusive Rahmenbedingungen zu schaffen. "Es wäre fatal und eine schreiende Ungerechtigkeit, für behinderte ebenso wie für nicht behinderte Menschen, wenn am Ende eines langen Diskussionsprozesses von Regierungsverantwortlichen und Behindertenvertreterinnen und -vertretern nur ein 'Gesetzchen' dabei herauskäme, das nicht mehr als ein bisschen Kosmetik zu bieten hat", sagte der MMB-Vorsitzende Heinrich Buschmann.

"Die Anrechnung von Einkommen und Vermögen auf behinderungsbedingt unumstößlich benötigte Hilfen zwingt nicht nur die Behinderten selbst, sondern auch ihre Partnerinnen und Partner in Armut. Die geltende 2.600 Euro-Anspargrenze führt unter anderem dazu, dass behinderte Menschen und ihre Familien auf den guten Willen von privaten Stiftungen und Förderern angewiesen sind, wenn sie sich ein Auto anschaffen müssen, um überhaupt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Das ein reiches Land wie Deutschland dermaßen an der UN-Behindertenrechtskonvention scheitert, ist nicht zu fassen."

Artikel 20 der UN-Behindertenrechtskonvention sehe vor, dass die persönliche Mobilität für die Betroffenen zu erschwinglichen Kosten hergestellt werden muss und der behinderte Mensch eine Wahlmöglichkeit hat, wann und wie er oder sie von A nach B kommt. Von diesem Zustand sei die deutsche Gesetzgebung weit entfernt. Aus seiner langjährigen Beratungspraxis weiß der Verein, wie beschämend es für viele Betroffene ist, um private Gelder bitten zu müssen, um überhaupt mobil sein zu können – und dies allein aufgrund der Tatsache, weil sie eine Behinderung haben.

Die MMB fordert daher:

- Ein uneingeschränktes Wahlrecht der Verkehrsmittel (barrierefreier öffentlicher Personennahverkehr, Fahrdienst, bedarfsgerechter privater PKW etc.) im Sinne eines behinderungsbedingten Nachteilsausgleichs.

- Leistungen der KFZ-Hilfe für alle Menschen mit Handicap, die aufgrund der Behinderung dauerhaft ein eigenes Fahrzeug benötigen, unabhängig davon, ob sie es für private, ehrenamtliche oder berufliche Zwecke nutzen.

- Keine Fahrtenbeschränkung, weder in der Anzahl noch in der Reichweite, bei der Nutzung von Fahrdiensten.

- Bedarfsgerechte Mobilitätshilfen unabhängig von Einkommen und Vermögen.

Mobil mit Behinderung wurde 2001 gegründet und setzt sich für 3,5 Millionen mobilitätsbehinderte Menschen in Deutschland ein. Im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe berät der Verein behinderte Menschen sowie ihre Angehörigen bei der Finanzierung und Anschaffung eines behinderten- und bedarfsgerechten Fahrzeugs. Die bundesweit wichtige beratende und politische Arbeit wird vor allem durch Spenden ermöglicht. Der Verein Mobil mit Behinderung unterstützt gemeinsam mit zahlreichen anderen Organisationen und Verbänden die "Kampagne für ein gutes Bundesteilhabegesetz".

Lesermeinungen zu “Ministerpräsidenten sollen UN-Konvention umsetzen” (4)

Von Leo

Ich habe dank der Hilfe vom MMB ebenfalls mein Auto bekommen (2 Jahre später) und dank dieser Hilfe konnte ich endlich eine Ausbildung anfangen.

Schwerbehinderte werden weiterhin immer noch schwer diskrimiert. woher ich das weiß? ich bekam keinen Minijob, keinen Aushilfsjob keine verdammte Möglichkeit irgendwie in meiner alten Gegend geld zu verdienen....

Ich habe über 250 Bewerbungen rausgeschickt, mein Zeugniss deutlich besser als der Durchschnitt und dann kommen lächerliche 20 Vorstellungsgespräche heraus? 10 davon im öffentlichen Dienst (ich muss ihn einladen oh neeein)

ja herr gott es geht sogar soweit das ich nur einen Jobangebot von einer einzigen Firma über die Sicherheitsakademie bekommen habe. in MÜNCHEN die haben mind. 60 Arbeitgeber in ihrem Portfolio und nur von einem AG ein Anbgebot? im Sicherheitsdienst, wo geschichtet wird?!

Das sind Jobs die sonst keiner will und selbst da werde ich noch so diskrimierend behandelt? Inzwischen habe ich eine gute zusatzqualifikation in dem Bereich und was bringt es?
ich kann mir den arsch nachdem großen geschäft damit abwischen weil das natürlich nichts bringt!!!

Es muss endlich ein maßgerechtes und faires Bundesteilhabegesetz gemäß der UN-Konversation her!!!

Die jahre verschwinden, die besorgten Eltern schwerbehinderter Kinder zerbrechen an der großen Last und am Gesellschaftlichen Leben können wir nur wenn beschränkt teilnehmen und nur weil die da oben ihren Job nicht richtig machen!!!!

Von Simone Ahrens

2004 habe ich gemeinsam mit dem MMB einen VW T5 mit Lift über Stiftungen für meinen schwerstmehrfachbehinderten Sohn zusammengebettelt. Mein Sohn ist heute 25 Jahre alt und lebt dank persönlicher Assistenz in seiner Wohnung und nimmt am Leben in der Gesellschaft teil.

Doch Unterstützung bei der Finanzierung des Liftes gab es damals nicht und gibt es heute nicht, da mein Sohn weder Selbstfahrer noch ins Arbeitsleben integrierbar ist.

Wir standen damals am Rande der Gesellschaft, öffentliche Verkehrsmittel waren nicht benutzbar, da er so sehr schrie und damit nicht umgehen konnte. Auch meine Tochter führte ein Schattenkinddasein und hat Folgen davon getragen.

Erst durch diesen VW Bus haben wir die Freiheit und ein Stück Leben und Freude zurückbekommen. Wir konnten endlich wieder mobil sein und noch viel mehr!

Es gibt keine behindertengerechten Toiletten, in denen Menschen mit schweren Behinderungen auf eine Liege gelegt werden können. Das Auto bot uns den Raum dafür.

Davor mussten wir zu zweit meinen Sohn aus dem Rollstuhl auf den Fussboden der Behindertentoilette legen. Er ist 1,80 m groß und wiegt 85 kg. Es war eine unerträgliche Situation.

Heute ist der Bus 12 Jahre alt und trotz unentwegtem Kampfes und Aufklärung hat sich bis heute nichts an der Gesetzeslage und Diskriminierung von schwerbehinderten Menschen ohne Erwerbstätigkeit geändert.

Sie dürfen kein Vermögen haben. Sie können und dürfen nicht sparen für ein Auto und schon gar nicht für die teuren Umbauten, durch die sie das Auto erst benutzen können.

Deshalb: Bedarfsgerechte Mobilität auch für uns!!!!

UND Toiletten für alle, damit auch Menschen wie mein Sohn endlich frei sein und in der Gemeinschaft leben können.

Oder was würden Sie machen, wenn es keine Toiletten gäbe?
Zu Hause bleiben? Isoliert leben? Sich das Leben nehmen?

http://www.toiletten-fuer-alle.de/

Von Bluestern

Ich habe eine Tochter im Alter von 18 Jahren..... sie ist Schwermehrfach behindert !. Und wen ich s9 mitbekomme was unsere Regierung alles vom Stapel lässt, macht mich das echt wütend. Den Wie wollen die eine Regelung über behinderte Menschen finden.... wenn sie nicht wissen mit was für Problemen , wir zu kämpfen haben. Sie wiesen ja nicht wie unser Alltag ausschaut !. Die Forderungen vom MMB... sind realistisch, und ich hoffe das auch alle umgesetzt werden

Von K.Lonsdorfer

Wir haben einen Sohn der 20 Jahre alt ist und schwerstmehrfachbehindert ist und wenn ich mitbekomme was die Politiker so vom Stapel lassen, verstehe ich die Welt nicht mehr. Es kann doch nicht sein, das Menschen über uns eine Regelung finden wollen, die gar nicht wissen,was behinderung bedeutet ,oder wie ein Alltag so aussieht.die Forderungen z.b .vom MMB sind realistisch ,hoffe sie werden alle umgesetzt