Behinderte ketten sich an
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: sch
Berlin (kobinet) Behinderte Menschen ketten sich gegen Barrieren und für echte Teilhabe an. Das erfuhr kobinet heute über eine weitere geplante Protestaktion in Berlin, bevor der Deutsche Bundestag am Donnerstag ein novelliertes Behindertengleichstellungsgesetz verabschieden will. Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen werden sich aller Voraussicht nach am 11. Mai ab 17.15 Uhr an einem bislang noch nicht bekannten Ort in Berlin-Mitte für längere Zeit anketten.
Damit protestieren sie gegen die Blockade von CDU/CSU und SPD, endlich auch private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit zu verpflichten, wie beim Bäcker an der Ecke, im Geschäft in der Straße oder in Kneipen und Kinos. Zudem richtet sich der Protest gegen den scharf kritisierten Referentenentwurf für ein Bundesteilhabegesetz.
Die Aktion findet im Vorfeld der für den 12. Mai gegen 14:00 Uhr im Deutschen Bundestag geplanten Abstimmung über das Gesetz zur Weiterentwicklung des Behindertengleichstellungsrechts statt und soll den Druck auf die Abgeordneten erhöhen. Mit diesem Gesetz hätte die Regierungskoalition die Möglichkeit, angemessene Vorkehrungen zur Schaffung von Barrierefreiheit für private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten ins Gesetz mit aufzunehmen. Dies ist bisher von CDU/CSU und SPD nicht vorgesehen. Viele behinderte Menschen, die immer noch tagtäglich mit Barrieren konfrontiert sind, wollen das nicht hinnehmen.
Die Verabschiedung des Gesetzes gilt als Nagelprobe, ob es die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD mit der Verbesserung der Teilhabe und mit der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen ernst meint. Erklärtes Ziel der Gesetzesinitiativen ist nach Verlautbarungen der Regierungskoalition, die vom Bundestag ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Davon ist Deutschland bisher aber weit entfernt.

Von Signe
Noch besser wäre es, bestimmte Aktionen vorher nicht bekanntzugeben. Nun ist die Gegenseite bereits aufmerksam gemacht.
Als noch zwei deutsche Staaten bestanden, hätte das Anketten (und somit das Anprangern der Verlogenheit der Bundesregierung und ihrer LobbyistInnen) vermutlich mehr Aufmerksamkeit erregt und wäre in der DDR wohl weidlich politisch öffentlich ausgeschlachtet worden. Aber heutzutage?
Viel Glück bei der Aktion und maximale Erfolge.
Von EinBetroffener
Besser wäre es wenn man die Politiker anketten würde und erst frei macht, wenn ein zufriedenstellendes Gesetz auf dem Tisch liegt :)