Trauer in München beim VbA-Selbstbestimmt Leben

Veröffentlicht am von Andreas Vega

Portrait Ausschnitt von Ulf Knickmeier
Portrait Ausschnitt von Ulf Knickmeier
Bild: Simone Wondratsch

München (kobinet) Im Münchner Zentrum für selbstbestimmt Leben herrscht Trauer und Erschütterung. Ulf Knickmeier, Vorstandsmitglied des VbA-Selbstbestimmt Leben e.V. ist plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen worden. Er starb nach kurzer schwerer Krankheit in der Nacht zum vergangenen Montag. Damit reiht er sich tragischerweise in einer langen Reihe verstorbener europäischer behinderter Mitkämpfer für die Rechte von Menschen mit Behinderung in diesem Jahr ein.

Ulf Knickmeier begann Ende der Neunzigerjahre sich ehrenamtlich im Vorstand für den VbA-Selbststimmt Leben zu engagieren. Er liebte Rock- und Popkonzerte und verband seine Interessen mit dem Streit um die Herstellung von Barrierefreiheit in der Pop-Kultur für den VbA. Inklusion, ein Begriff der damals noch nicht üblich war, wollte Ulf über Kulturveranstaltungen vorleben. Er gestaltete im Jahre 2000 das 2. Independent Living Festival des VbA-Selbstbestimmt Leben in der Münchner Muffathalle maßgeblich mit. Mit den Veranstaltern des Münchner Sommer-Tollwood verhandelte er schon vor vielen Jahren und wurde regelmäßig zur Begehung des Festivalgeländes eingeladen. Das, was bis heute beim Tollwood-Festival an Barrierefreiheit umgesetzt wurde, ist auf Knickmeiers Interesse und Engagement zurückzuführen.

Für den Verein verstand es Ulf Knickmeier Nachwuchs für die Arbeit des VbAs zu interessieren. Er organisierte viele Jahre lang Stammtische, die meistens im Ca Va, einem Szenecafé in der Münchner Katzmairstraße. Immer wieder sah man dort neue Gesichter, von denen einige im VbA ehrenamtlich aktiv geworden sind.

2005 kam der nächste Höhepunkt, das 3. Independent Living Festival im Ampere Club. Hier hat Ulf Knickmeier maßgeblich mit geplant und organisiert. Weitere Highlights seiner kulturellen Arbeiten waren 2011 die Beteiligung des VbA-Selbstbestimmt Leben am Münchner Streetlife Festival, einem Straßenfest in der Ludwigstraße und das VbA eigene 4. Independent Living Festival im Oktober 2015 in der Kranhalle des Münchner Feierwerks.

Nach 2010 übernahm Knickmeier als Mitglied des Vorstandes die Vertretung in verschiedenen Arbeitskreisen beim Behindertenbeirat der Stadt München und bearbeitete dort zum Beispiel die Themen Mobilität oder Fahrdienste. Ganz wichtig für die Münchner Behindertenbewegung war die Arbeit für den AK „BRK von Unten“, vor allem in diesem Jahr 2016. Knickmeier hatte mittlerweile die Leitung und Koordination der Protestgruppe übernommen. Unzählige Flashmobs, Protestaktionen zum 5. Mai und Demonstrationen, vor allem in diesem Jahr zum Entwurf des Bundesteilhabegesetzes, wären ohne ihn nicht zustande gekommen. Geduldig lud er ein und motivierte viele Menschen mit Behinderung, sich an den Protesten zu beteiligen. Stets organisierte Knickmeier im Hintergrund und hielt für den VbA gegenüber Behörden seinen Kopf hin.

Neben der organisatorischen Lücke, die Knickmeier hinterlässt, sind es seine Charakterzüge, die dem Münchner Verein fehlen werden. Er war ein herzensguter und geduldiger Mensch, ein freundliches Wesen und er hatte immer unterstützende Worte für Kolleginnen und Kollegen aus dem Vorstand und dem Team. Knickmeier sorgte immer für eine lebendige Verbindung zwischen Vereinsarbeit und Freundschaft. Auch wenn der Spaß bei der Arbeit zu kurz kam und es stressig wurde, Ulf Knickmeier wusste zu leben und sich zu entspannen.

"Ich weiß nicht, wie ich meine Trauer beschreiben soll – es wird vielen von uns so gehen. So plötzlich aus dem Leben gerissen zu werden hat Ulf nicht verdient. Ein schönes und wertvolles Buch des Lebens ist viel zu früh zugeschlagen worden", meint Karin Brich, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des VbA.

Ulf Knickmeier wird in ca. dreieinhalb Wochen in einem Baumgrab auf dem Münchner Waldfriedhof beerdigt. Der endgültige Termin für die Trauerzeremonie kann beim VbA-Selbstbestimmt Leben erfragt werden.