BOBBY für Anette Frier

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Anette Frier erhält den BOBBY 2016
Anette Frier erhält den BOBBY 2016
Bild: Lebenshilfe/Thilo Schmülgen

Köln (kobinet) Annette Frier hat heute in Köln den BOBBY 2016 für ihre beeindruckende schauspielerische Leistung in dem WDR-Fernsehfilm "Nur eine Handvoll Leben" erhalten. Der Medienpreis der Lebenshilfe würdigt den sensiblen Umgang der TV-Produktion mit dem Thema Pränataldiagnostik. "Der Film macht Eltern Mut, ihr behindertes Kind anzunehmen. Er setzt ein Zeichen für das Leben, lässt aber auch andere Sichtweisen und Haltungen zu und kommt dabei ohne moralischen Zeigefinger aus", so Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, in einer Pressemitteilung:

"Nur eine Handvoll Leben" zeigt, wie Eltern von einem Moment auf den anderen vor die Entscheidung über Leben und Tod gestellt werden. 3,2 Millionen Zuschauer fieberten am 23. März 2016 im Ersten zur besten Sendezeit vor den Bildschirmen mit - und fragten sich: Was würde ich tun? Am Ende entscheidet sich die Mutter, gespielt von Annette Frier, gegen einen Schwangerschaftsabbruch: Ihr Kind mit dem Gendefekt Trisomie 18 soll selbst bestimmen können, ob es leben will.

Hauptdarstellerin Annette Frier verkörpert die Mutter so überzeugend, dass ihr die Zuschauer gebannt auf Schritt und Tritt folgen: von der niederschmetternden Diagnose bis zum Entschluss, das Kind auszutragen, um schließlich seinen Tod gemeinsam in der Familie zu betrauern. Bei der Preisverleihung vor rund 100 geladenen Gästen im KölnSKY sagte Annette Frier, die selbst Mutter von Zwillingen ist: "Ich habe das Drehbuch in einem Rutsch gelesen. Alle paar Jahre gibt es Rollen, die solch' großzügige Geschenke sind." Unzählige E-Mails hätten sie nach der Ausstrahlung erreicht. Davon eine aus einem Krankenhaus, in der stand: "Heute hat eine Schwangere ihren Abtreibungstermin abgesagt. Sie hat gestern Abend Ihren Film gesehen."

In "Nur eine Handvoll Leben" erfährt ein Millionen-Publikum, was werdende Eltern über Pränataldiagnostik unbedingt wissen sollten. Ulla Schmidt: "Damit leistet der Film im wahrsten Sinne des Wortes Lebenshilfe und hat eine überaus wichtige gesellschaftliche Diskussion im Sinne behinderter Menschen vorangebracht."

Lesermeinungen zu “BOBBY für Anette Frier” (1)

Von Gisela Maubach

Zitat aus dem Beitrag:

"Der Film macht Eltern Mut, ihr behindertes Kind anzunehmen."

Hierzu ist festzustellen, dass diejenigen, die behinderte Kinder überhaupt "annehmen", in aller Regel die Eltern sind. Und diese müssen je nach Art und Ausmaß der Behinderung dann ihr eigenes Leben opfern, weil sie bis ins hohe Alter ununterbrochen für ein Minimum an Lebensqualität für ihr behindertes Kind kämpfen müssen.

Und auch das Risiko arm zu werden, ist für Eltern behinderter Kinder deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung:

http://lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung_drucken.php?urlID=21843&PHPSESSID=9b3aaf

Und wen interessiert's?
Eltern von behinderten Menschen, die sich nicht selbst vertreten können, werden in aller Regel bei politischen Entscheidungsfindungen "übersehen", weil die Träger der Sondereinrichtungen praktischerweise direkt als Interessenvertreter fungieren.
Da werden die Eltern, nachdem sie ihr behindertes Kind "angenommen" haben und finanziell am untersten Rand der Gesellschaft dauerhaft fixiert sind, ganz schnell überflüssig, wenn sie die Sondereinrichtungsschiene nicht mitfahren wollen . . .