Dirk Bergen kann erst einmal durchatmen

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Dirk Bergen in seiner Wohnung
Dirk Bergen in seiner Wohnung
Bild: Dirk Bergen

Freiburg (kobinet) Die drohende Heimeinweisung von Dirk Bergen aus Freiburg hat in den letzten Wochen bundesweit für Schlagzeilen gesorgt und eine breite Solidarisierung mit Dirk Bergen und anderen von Heimeinweisungen bedrohten behinderten Menschen ausgelöst. Gestern fand nun ein wichtiges Gespräch mit dem Freiburger Sozialamt statt, dass Dirk Bergen erst einmal etwas durchatmen lässt. Die wiederkehrende Aufforderung des Sozialamtes, sich einen Heimplatz zu suchen, sei nun erst einmal vom Tisch, im Januar soll aber ein weiteres Gespräch geführt werden, wie die Kosten der ambulanten Hilfen reduziert werden können, berichtete Dirk Bergen in einem Telefonat mit den kobinet-nachrichten.

Das Thema sei mit dieser Entwicklung zwar nicht vom Tisch, aber immerhin könne er nun erst einmal wieder etwas freier durchatmen. Was das dann nach Weihnachten für ihn konkret bedeutet, kann Dirk Bergen nicht genau einschätzen, deshalb sei die Sache noch nicht geklärt. "Ich danke all denjenigen, die mich in den letzten Tagen unterstützt und sich mit mir solidarisiert haben. Ich danke auch den VertreterInnen der Medien, die über meine prekäre Situation so engagiert berichtet haben. Ohne diese Solidarität bin ich nicht sicher, wie es heute aussehen würde. Ich hoffe natürlich, dass es in Freiburg auch für die anderen Betroffenen keine Heimeinweisungen gibt und werde weiter für unsere Selbstbestimmung kämpfen", so Dirk Bergen.

Link zu Berichten über die drohende Heimeinweisung von Dirk Bergen u.a. im ARD Morgenmagazin vom 28. November

 

Lesermeinungen zu “Dirk Bergen kann erst einmal durchatmen” (6)

Von Ulrike

Zum Glück bin ich heutzutage schlauer, habe gerichtliche Betreuung in bestimmten Aufgabengebieten beantragt, erhalten und die Krankenkasse und Pflegekasse wird zukünftig auch mit einbezogen zu "Teilhabekonferenzen". Solange keine Assistenzleistungen hinzukommen läuft alles gut.

Von Ulrike

Solche "Teilhabekonferenzen" gibt es im Saarland schon seit Jahren. Beteiligt waren in meinem Einzelfall:1 Vertreter Jugendamt, 2 Vertreter Landesamt für Soziales", 1 Vertreter örtliches Sozialamt...Es ging auch um "Persönliches Buget", was ich ablehnte, zu viel Stress. Alles bestens gelaufen.

Von Signe

Armin Laschet, CDU-NRW im (Berliner) Tagesspiegel vom Samstag, den 03. Dezember 2016: ""Ein Grundrecht kennt keine Obergrenze" (Zitiert wird der Gute allerdings im Zusammenhang mit der hierher kommenden Anzahl der Flüchtlinge).

Interessant, dass es bei der staatlichen Hilfe für Behinderte eine Obergrenze geben soll.

Laschets Worte sind hier nachzulesen:
http://www.tagesspiegel.de/politik/cdu-parteivize-armin-laschet-ein-grundrecht-kennt-keine-obergrenze/14929258.html

Von Alexander Drewes

Das, was die Leserbriefschreiberin Ulrike hier beschreibt, nennt man ggw. noch Hilfeplan, ab Januar dann - dann wird die Veranstaltung auch gesetzlich verpflichtend - Teilhabeplan. Bei der künftigen Teilhabekonferenz soll genau das Beschriebene geschehen, dass die Beteiligten - angeblich auf Augenhöhe, die diesbezügliche tatsächliche Verwaltungspraxis wird man beobachten müssen - miteinander im Grunde "aushandeln", wie die Leistungserbringung erfolgen soll (um das "Ob", wie nach dem Lebenslagenmodell bislang vorgesehen, wird es dann bis einschließlich 2022 zumindest dort wohl nach wie vor nicht gehen, was in Anbetracht des Umstandes, dass man aus fünf bzw. drei von neun Lebensbereichen erhebliche Teilhabebedarfe geltend hätte machen müssen bzw. der vollständigen Leistung bedurft hätte, mit Sicherheit zunächst einmal kein Fehler ist). Ich bin ja außerordentlich gespannt, ob - abgesehen vom Gebrabbel darüber - irgendetwas vom inklusiven Ansatz, der mit dem BTHG ja angeblich verfolgt werden soll, übrig bleibt. Bis auf schiere Sonntagslyrik konnte ich hinsichtlich der wesentlichen Punkte noch nichts feststellen, was die These verifizieren würde, mit dem BTHG wolle man vom Fürsorgeprinzip weg und hin zu tatsächlicher Teilhabe beeinträchtigter Menschen. Für schwerstbeeinträchtigte Menschen ändert sich daneben - sowohl faktisch als auch juristisch - dem Grunde nach überhaupt nichts.

Von Dirk Bergen

Wenn die Ulrike sagt, dass ihre Kinder sie in die Psychiatrie eingewiesen hätten, dann kann ich das durchaus verstehen.
Dennoch meine Situation vor der ganzen Sache mit dem Heim, war für mich, dass ich hungern wollte aus familären Gründen.

Aber nun zur Sache, wenn Kobinet nicht gewesen wäre, vielleicht wäre ich nicht so an die Öffentlichkeit gelangt. Meine Assistenten wollten immer, dass ich meine Situation öffentlich mache. Das wollte ich zuerst nicht, aber dann kam die Arbeit mit Kobinet zu stande und ich bin sehr froh darüber.

Der Sachverhalt ist nun: Im Januar soll nochmal ein Gespräch stattfinden, bei dem es darum gehen soll, ob Kosten eingespart werden können. Aber ich weiß noch nicht wie.

So möchte ich allen, die mit mir gebangt haben danken und ihnen und mir eine ruhige aber doch kritische Zeit wünschen. Und ich denke an die, die immer noch bangen müssen. Und deshalb werde ich weiter kämpfen.

Vieles über mein Leben findet man in meinem Buch: "Du kannst das nicht du bist behindert" 2012 GRIN-Verlag
Dem der es ließt, eine gute Lektüre.

Von Ulrike

Noch einmal Glück gehabt. Im Übrigen hat es noch nie geschadet, wenn man sich gerade zu Eingliederungshilfeleistungen mit sämtlichen Akteuren an einen Tisch setzt und miteinander spricht, wer, auf welche Weise, für welche Kosten aufkommt, wie Kosten einzusparen sind. So kenne ich das zumindest in meinem Eingliederungs-hilfefall. Man kann z.B. auch mit Sachbearbeiter bei Krankenkasse einiges heraushandeln, kommt drauf an, wie man im Gespräch argumentiert. Es wird also alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Und wer hat schon das Glück, dass sich Medien im Einzelfall kümmern. Was ich persönlich nicht getan hätte, wäre das mit der Ankündigung nichts mehr Essen zu wollen. Ich kenne sehr viele Menschen, die weitaus schlimme Schicksalsschläge hinnehmen mußten, denen es auch schlecht ging solche Schikanen von Ämtern hinnehmen zu müssen, aber wenn ich in einer ähnlich ausweglos erscheinen Situation angekündigt hätte nichts mehr Essen zu wollen bis zum Tod, hätten mich meine Kinder in die Psychiatrie geschickt.