Lebenshilfe NRW fordert Opfern einen Namen zu geben

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Uwe Schummer
Uwe Schummer
Bild: Lebenshilfe-NRW

Hürth (kobinet) Der Bundestag gedenkt Opfern des Nationalsozialismus‘. Auf Initiative der Bundesvereinigung Lebenshilfe stehen erstmals die „Euthanasie“-Opfer im Mittelpunkt der Gedenkstunde. Die Lebenshilfe Nordrheinwestfalen erinnert an diesem Tag ebenso an die „Euthanasie“-Opfer der NS-Zeit. „Noch immer sind nicht alle Namen der Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde bekannt. Dies muss sich ändern“, betont der Landesvorsitzende der Lebenshilfe NRW, Uwe Schummer MdB.

Das NS-Regime brachte seinem „Euthanasie“-Programm unter dem Decknamen T4 – benannt nach der Zentrale in der Berliner Tiergartenstraße 4, in der das Töten verwaltet und geplant wurde, etwa 300.000 behinderte und kranke Menschen aus ganz Europa systematisch um. Sie wurden zuvor als „Volksschädlinge“ und „lebensunwert“ stigmatisiert.

„Um dieses dunkle Kapitel weiter aufzuarbeiten – gerade in Zeiten in denen versucht wird, das Gedenken an diese Gräueltaten der Nazis herunterzuspielen – hat sich die Lebenshilfe NRW im vergangenen Jahr dazu entschlossen, Gründungsmitglied des „Förderkreis T4“ zu werden. Wir möchten ganz besonders in NRW dafür sorgen, dass an die Opfer des „Euthanasie“-Programms erinnert wird und als Netzwerker für den Förderkreis T4 auftreten“, sagt Uwe Schummer.

Der Förderkreis T4 will „die Erinnerung an die Ermordung von insbesondere als „psychisch krank“ und als „geistig behindert“ definierten Menschen und an die Opfer der Zwangssterilisationen in der Zeit der Herrschaft des Nationalsozialismus zur Förderung demokratischer Gesinnung und Menschenrechtsbildung beitragen“ heißt es in der Satzung. Außerdem möchte er Forschung zu „Euthanasie“-Morden unterstützen und kritische Diskurse auf dem Feld aktueller medizinethischer Debatten fördern. „Menschen mit Behinderung sind Teil unserer Gesellschaft. Nie wieder dürfen sie ausgegrenzt werden, ganz im Sinne des Mottos der Lebenshilfe "Teilhabe statt Ausgrenzung‘“ und der UN-Behindertenrechtskonvention", sagt Schummer.

Lesermeinungen zu “Lebenshilfe NRW fordert Opfern einen Namen zu geben” (1)

Von Lesebrille

Ja, dass noch immer nicht alle Namen bekannt sind ist furchtbar. Und ebenso, dass in nicht wenigen Familien noch immer totgeschwiegen wird, dass und wie (vermeintlich) behinderte Familienmitglieder zu Tode kamen, sei es aus Scham oder Schuldgefühl, macht die Sache nicht besser. Schön, wenn Herr Schummer sich einsetzen will, dass sich hier neue Wege auftun.

Ebenso finde ich Herrn Schummers Statement bemerkenswert: "„Menschen mit Behinderung sind Teil unserer Gesellschaft. Nie wieder dürfen sie ausgegrenzt werden, ganz im Sinne des Mottos der Lebenshilfe "Teilhabe statt Ausgrenzung‘“ und der UN-Behindertenrechtskonvention"

Jetzt erwarte ich natürlich, dass Herrn Schummers klare Worte ebenso klare Folgen haben werden:

- Anerkennung der Arbeit in WfbMs als Arbeit
- Mindestlohn in Werkstätten,
- Kein Werkstattzwang!
- Abbau der Wektstätten zugunsten des 1. Arbeitsmarktes,
- Verhinderung von WfbMs als Leiharbeitsfirmen, die weiterhin Leistung zu ungunsten der behinderten Arbeitnehmer*innen abgreifen
- ausreichende Untestützung pflegender Angehöriger
- kein Heim- oder WG-Zwang, ohne die Einbindung der betroffenen behinderten Menschen selbst
- Verhinderung von medizinischen Versuchen an nichteinwilligungsfähigen Menschen (ich kann mir gut vorstellen, dass das Begehren hier steigt)

Herr Schummer, wer als Politiker*in vom Willen zur Umsetzung der UN-BRK redet, wird an ihren/seinen Taten gemessen. Wir sind gespannt...!