Berlin-Tourismus ohne Selbsthilfeverbände
Veröffentlicht am von Hartmut Smikac
Bild: H. Smikac
Berlin (kobinet) In einem Artikel beschäftigt sich André Nowak, der stellvertretende Vorsitzende des Berliner Behindertenverbandes, in der aktuellen Ausgabe der "Berliner Behindertenzeitung" mit Licht und Schatten beim Berlin-Tourismus. Neben der Tatsache, dass es inzwischen eine wachsende Zahl an barrierefreien Hotels, Gaststätten sowie Kultureinrichtungen gibt und auch der öffentliche Personennahverkehr zunehmend besser nutzbar wird, unterstreicht Nowak, dass sich auch die Tourismusorganisation der Stadt sichtbar für den barrierefreien Tourismus engagiert.
Der strategische Ansatz bei der Gestaltung des öffentlichen Verkehrssystems, die Verbesserung der Zugänglichkeit wieder aufgebauter Gebäude sowie die feste Verankerung der Barrierefreiheit in der Stadtpolitik waren, auch nach Einschätzung des Berliner Behindertenverbandes, völlig berechtigt Anlass für die Ehrung der Stadt mit dem europäischen Access City Award. Ebenso würdigt der Verband die Zielstellung des Berliner Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, bis in das Jahr 2020 das U- und S-Bahn-Netz sowie bis in das Jahr 2022 die Straßenbahnhaltestellen barrierefrei zu gestalten und auch bei Bushaltestellen schrittweise diesen Weg zu gehen. Durch Investitionshilfen sollen zudem Voraussetzungen für eine ausreichende Anzahl barrierefreier und multifunktionaler Taxen geschaffen werden.
Zugleich sieht der Berliner Behindertenband, wie André Nowak schreibt, weitere alte und auch neue Probleme der Barrierefreiheit wie den öffentlichen Toiletten, den barrierefreien Toiletten in den Gaststätten und Restaurants sowie der fehlenden Barrierefreiheit bei fast allen Schiffen und Anlegestellen.
"Der BBV bleibt bei aller Kritik optimistisch", schreibt Nowak, wundert sich jedoch darüber, dass der seit längeren Zeit pausierende "Runde Tisch Tourismus" fortgeführt werden soll und die Behindertenverbände trotz Forderung des BBV an diesem Tisch keinen Platz erhalten. Ebenso kommt nach Ansicht des Autoren, der barrierefreie Tourismus in der Politik zu kurz - er wird weder im aktuellen Koalitionsvertrag noch in den Regierungsrichtlinien erwähnt.
