Handicap International verweist auf Kriegsfolgen
Veröffentlicht am von Hartmut Smikac
Bild: HANDICAP INTERNATIONAL
München (kobinet) Kriegerische Konflikte bringen neben den Zerstörungen den Menschen viel Leid und zwingen sehr viele, sich unter sehr schwierigen Bedingungen auf ein Leben mit vielfältigen Behinderungen einzurichten. In diesem Zusammenhang verweist "Handicap International" auf die Folgen des Krieges in Syrien.
Seit nun bereits sechs Jahren sind die Menschen in Syrien Opfer eines Konflikts, der von ungezielten Bombenangriffen von seltener Intensität geprägt ist. Allein zwischen September und Dezember 2016 gab es pro Tag durchschnittlich 94 Angriffe mit Explosivwaffen. In Syrien und den angrenzenden Ländern erleben die Teams von Handicap International täglich das Leiden und die Traumata der vertriebenen Syrerinnen und Syrer, die Opfer des pausenlosen Einsatzes von Explosivwaffen sind.
„Die Kinder hatten extreme Angst vor den Bombengeräuschen“, erzählt die Syrerin Hamida. „Wenn du so etwas erlebst, wirst du es nie wieder vergessen.“ Hamida selbst wurde bei einem Angriff verletzt, aber sie verließ ihre Heimatstadt mit ihrer Familie erst, als ihr Haus ganz durch Bomben zerstört wurde. Ein Jahr lang flohen sie von Stadt zu Stadt, doch den Bombardierungen konnten sie nicht entkommen. Drei Familienmitglieder wurden auf der Flucht bei Angriffen schwer verletzt, bis die Familie schließlich nach Jordanien gelangte.
Hamidas ist eine von vielen Stimmen, die Handicap International im September 2016 im Bericht „Qasef: Flucht vor den Bomben“ gesammelt hat. Der Bericht zeigt, dass der massive Einsatz von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten eine der Hauptursachen für die Flucht so vieler Menschen aus Syrien ist. Laut einer Studie des Integrierten Regionalen Informationsnetzwerkes (IRIN) waren im Jahr 2012 noch 48 Prozent der zivilen Opfer auf den Einsatz von Explosivwaffen in besiedelten Gebieten zurückzuführen. 2016 waren es 83 Prozent.
Seit 2012 hat Handicap International rund 600.000 Menschen in Syrien und den Nachbarländern geholfen. Mélanie Broquet ist für die Koordination dieses Einsatzes verantwortlich. „Bombardierungen und Raketenbeschuss sind im Syrien-Konflikt zur Regel geworden. Sie haben eine grauenvolle Intensität erreicht und verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung“, berichtet sie. „Ganze Städte sind zerstört; die Bevölkerung ist traumatisiert. Nach Ende des Konflikts wird es Generationen dauern, bis das Land und die Menschen sich davon erholt haben.“
Nach UN-Angaben wurden in Syrien 2016 bei 101 Bombenangriffen medizinische Einrichtungen zerstört. UNICEF berichtet außerdem von 84 Angriffen auf Schulen. Hier wird eindeutig das Völkerrecht verletzt. Auch der humanitäre Zugang zu Millionen von Menschen ist vielfach blockiert. Handicap International beteiligt sich deshalb am 9. März an einer Aktion von über 20 humanitären Organisationen vor dem deutschen Bundestag – mit der gemeinsamen Forderung, den humanitären Zugang in Syrien sicherzustellen und das Völkerrecht zu wahren.
Mehr über Arbeit und Einschätzungen von "Handicap International" ist auf der Internetseite des Vereins zu erfahren.
