Gerechtes Land für alle!

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

 Webgrafik: Reichtum umverteilen
Webgrafik: Reichtum umverteilen
Bild: BUNDjugend

Berlin (kobinet) Das Bündnis Reichtum Umverteilen setzt im Wahljahr 2017 auf soziale Gerechtigkeit und startet pünktlich zum Bundestagswahlkampf die Kampagne „Reichtum umverteilen – ein gerechtes Land für alle!". Insgesamt 30 Organisationen, von Gewerkschaften über Wohlfahrts- und Jugendverbände bis hin zu Migranten- und Umweltorganisationen, haben sich im Bündnis zusammengeschlossen, das heute in der Bundespressekonferenz in Berlin erstmals gemeinsam öffentlich auftrat. Strategisches Ziel ist es, neben der Frage der sozialen Gerechtigkeit die Steuer- und Umverteilungspolitik in den Mittelpunkt des Wahlkampfs zu rücken. Gefordert werden unter anderem die stärkere Besteuerung finanzstarker Unternehmen sowie großer Vermögen, Einkommen und Erbschaften. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL) unterstützt das Bündnis.

„Die soziale Spaltung hat ein Ausmaß angenommen, das unerträglich ist", meint Frank Bsirske, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Seit Jahrzehnten nähmen weltweit und in Deutschland soziale Ungleichheit, Unsicherheit und Ungerechtigkeit zu. Zentraler Schlüssel für eine gerechtere und bessere Politik für alle sei eine steuerpolitische Kehrtwende. Deshalb müssten Millionäre und Milliardäre stärker zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden, so Bsirske.

Dem enormen privaten Reichtum stehe eine massive öffentliche Armut gegenüber, die in immer mehr Kommunen deutlich sichtbar werde. „Deutschland fährt auf Verschleiß. Aus finanzieller Not werden vielerorts Ausgaben für Kultur, Soziales und Bildung über die Schmerzgrenze hinaus zusammengestrichen. Eine solidarische Steuer- und Finanzpolitik ist letztlich die Nagelprobe und der Glaubwürdigkeitstest für einen jeden, der mit dem Versprechen eines guten Sozialstaats und mehr sozialer Gerechtigkeit antritt", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

„Die zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft zeigt sich auch auf den Wohnungsmärkten. Wir brauchen dauerhaft preisgebundene Sozialwohnungen, mindestens 80.000 zusätzlich im Jahr, daneben ein bedarfsgerechtes Wohngeld sowie die Übernahme tatsächlich angemessener Wohnkosten bei den Regelsätzen in Hartz IV. Auch deshalb müssen finanzstarke Konzerne, große Vermögen, Milliardäre oder Millionäre stärker als bisher an den Kosten des Gemeinwohls beteiligt werden. Reichtum umverteilen heißt, Steuergerechtigkeit herstellen, Steuerschlupflöcher schließen und Steueroasen trockenlegen", erklärt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes.

Die ungleiche Vermögensverteilung gehe weltweit einher mit ungleichen Machtverhältnissen und sei damit auch in Deutschland eine ernstzunehmende Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, warnt das Bündnis. Barbara Eschen, Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz und Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg betont: „Deutschland ist ein reiches Land. Umso skandalöser ist es, dass so viele Menschen in Deutschland abgehängt sind, weil sie arm sind. Der Reichtum in Deutschland muss umverteilt werden. Und es muss endlich Schluss damit sein, verschiedene Gruppen von Bedürftigen gegeneinander aus zu spielen."

Bestärkt in seinen Forderungen sieht sich das Aktionsbündnis auch durch den aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, in dem diese selbst vor einer zu starken Spaltung der Gesellschaft warnt und einräumt, dass Beschäftigte ihre Anstrengungen vielfach als nicht ausreichend respektiert empfänden, Langzeitarbeitslose nicht proportional vom deutschen Job-Boom profitierten und der Dienstleistungsbereich bei den Lohnsteigerungen hinterherhinke. „Wir teilen diese Diagnose. Jetzt gilt es, den Worten Taten folgen zu lassen. Wer Armut bekämpfen will, muss die Tarifbindung stärken und die gesetzliche Rente stabilisieren und schrittweise wieder anheben", so ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske.

Lesermeinungen zu “Gerechtes Land für alle!” (3)

Von kirsti

Meine Meinung zu diesem Thema ist etwas gegensätzlich: Wenn durch Globalisierung und Digitalisierung keine Arbeit mehr vorhanden wäre, dann gäbe es keine Billiglohnländer, dann gäbe es keine Werkstätten, in denen Menschen für global player filigrane Handarbeiten verrichten müssten. Denn diese könnten dann billiger von Robotern etc. ausgeführt werden. Wie zur Zeit der Industrialisierung leben wir wohl in einer tiefgreifenden Zeit des Umbruchs. Diese Zeichen der Zeit müssten nur von z.B. der Politik erkannt werden. Habe gerade gelesen, dass gerade die Automatisierung Arbeitskräfte verlangt, die eben nicht oder noch nicht vorhanden sind. Es wird Zeit, dass Umschulungen auch ausreichend gefördert und unterstützt werden. Und natürlich: gerechte Bezahlung für alle, keine Billiglöhne für wen oder wo auch immer.

Von Annika

Was ist eigentlich ein Job? Bei mir hört sich das nicht nach einem richtigen Arbeitsplatz an. Ich denke auch, dass das Augenwischerei ist. Ich bin auch der Meinung, dass man den "Armen" mehr Geld zur Verügung stellen muss, damit sie ein menschenwürdiges Dasein führen können. Zum Thema Arbeit für Langzeitarbeitslose und Wfb-Beschäftigte denke ich mittlerweile, dass es nicht genug geeignete Arbeit für Alle gibt und dass durch die Automatisierung und Globalisierung auch nicht mehr viel kommen kann. Vielmehr sollte man sich überlegen, wie man diese Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen kann, ohne dass sie sich abgehängt fühlen müssen.

Von kirsti



Die Forderung nach einem „gerechten Land für alle“ ist schon richtig!
„Reichtum Umverteilen – soziale Gerechtigkeit!“- Wer könnte dazu schon „Nein“ sagen! Doch erinnert mich diese Forderung ein wenig an diejenige von früher einmal: „Wer ist für Atomkraftwerke? Bitte Arm heben!“ – Wie erwartet, meldete sich kein einziger. Also: Wer sich öffentlich für „Armut“ ausspricht, bitte meldet euch! Wer meldet sich wohl?
Und die Erkenntnis:
„Bestärkt in seinen Forderungen sieht sich das Aktionsbündnis auch durch den aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, in dem diese selbst vor einer zu starken Spaltung der Gesellschaft warnt und einräumt, dass Beschäftigte ihre Anstrengungen vielfach als nicht ausreichend respektiert empfänden, Langzeitarbeitslose nicht proportional vom deutschen Job-Boom profitierten und der Dienstleistungsbereich bei den den Lohnsteigerungen hinterherhinke.“
liegt auch etwas neben der Realität, denn wer von den Langzeitarbeitslosen hat denn einen Job und kann demnach vom „Job-Boom“ profitieren? Völlig absurd wird es, wenn man Werksattbeschäftigte in die Betrachtung miteinbezieht, profitieren diese vom „Job-Boom“ oder können sie von Mindestlöhnen auch nur träumen. Ich glaube, diese Klientel hinkt immer hinterher.- Bitte um mehr Ehrlichkeit.