Teilhabe muss mehr wert sein
Veröffentlicht am von Hartmut Smikac
Bild: omp
Nürnberg (kobinet) Teilhabe muss dem Freistaat mehr wert sein, sagen die Rummelsberger Diakonie und die Diakonie Neuendettelsau fordern Investitionsprogramm der Staatsregierung zur Finanzierung von dezentralen Wohnangeboten für Menschen mit Behinderung. Bayerische Diakonien benötigen 206 Millionen Euro bis 2030, unterstreichen die Diakonen in einer Presseinformation.
„Es gibt einen erheblichen Investitionsstau, wir haben viele Projekte in der Planung – aber die Staatsregierung stellt zu wenig Fördermittel zur Verfügung“, erklärte Dr. Mathias Hartmann, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau. Um dezentrale Wohnmöglichkeiten durch Ersatzneubauten zu schaffen und die bestehenden Einrichtungen für Menschen mit Behinderung auf den neuesten Stand zu bringen, fordern die Diakonie Neuendettelsau und die Rummelsberger Diakonie ein Sonderinvestitionsprogramm der Bayerischen Staatsregierung. Allein die bayerischen Diakonien benötigen bis 2030 dafür 206 Millionen Euro.
Bei einer Pressekonferenz am Freitag in Nürnberg betonte Karl Schulz, Vorstand Dienste der Rummelsberger Diakonie, dass eine zügige Entscheidung der Staatsregierung nötig ist: „Wartezeiten von Jahrzehnten wären ansonsten die Konsequenz – das können wir den Menschen mit Behinderung nicht zumuten.“ „Menschen mit Behinderung sollen an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teilhaben. Um dieses sozialpolitische Ziel zu erreichen, müssen Sonderwelten soweit wie möglich aufgelöst werden“, sagte Jürgen Zenker, Vorstand Dienste für Menschen der Diakonie Neuendettelsau. „Wir haben in den letzten Jahren bereits einige Wohnhäuser in Wohnvierteln gebaut und stehen in den Startlöchern für weitere Projekte. In diesem Jahr wurde uns aber kein einziger Förderantrag bewilligt.“ Für Menschen mit schweren und multiplen Behinderungen blieben stationäre Einrichtungen an den bestehenden Standorten ein wichtiger Baustein, ergänzte Dr. Günter Breitenbach, Vorstandsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie. „Dort sind oft Arbeitsplätze, Wohnungen und Freizeitangebote an einem Ort“, so Breitenbach. „Diese überschaubare Welt bedeutet für diese Personen ein Stück Freiheit.“ Diese Komplexeinrichtungen müssen konzeptionell und baulich weiterentwickelt werden im Sinne einer Öffnung sowie Barrierefreiheit, nicht zuletzt auch deshalb, um die Vorgaben des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes zu erfüllen.
Wenn keine zusätzlichen Gelder bereitgestellt werden, wird eine wesentliche Forderung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Bayern nicht angemessen umgesetzt. Menschen mit Behinderung würden hinsichtlich ihres gesetzlich garantierten Teilhabeanspruchs benachteiligt.

Von Sven Drebes
Nähmen die Verantwortlichen das Prinzip der Personenzentrierung ernst, müssten sämtliche Investitionszuschüsse gestrichen werden und alles durch Leistungsentgelte finanziert werden. Dann wäre "stationär" auch seltener billiger als "ambulant".
Von TN
Gute Sache: Hühner als Moderatorinnen der Inklusion.
Vielleicht wäre das was für Düren. Dort schafft es der Landrat (mutwillig?) nicht, Herrn Stefan Maubach, schwerstmehrfachbehindert, zu inkludieren, sondern entzieht dem jungen Mann samt seiner Mutter die Lebensgrundlage namens Persönliches Budget.
Von TN
Inklusion, ein Huhn soll's richten ..., siehe https://www.sueddeutsche.de/bayern/inklusion-nuernberg-huehner-1.4072722
Von Behindert_im_System
Zitat:
„Wenn keine zusätzlichen Gelder bereitgestellt werden, wird eine wesentliche Forderung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Bayern nicht angemessen umgesetzt. Menschen mit Behinderung würden hinsichtlich ihres gesetzlich garantierten Teilhabeanspruchs benachteiligt.“
Sehr geehrter Herr Smikac,
mich würde brennend interessieren, ist dieses Zitat ihre eigene Begründung, oder die tatsächliche Meinung der Veranstalter?
Wenn dies eine Aussage der Veranstalter sein sollte, dann wäre für viele Menschen mit Behinderung die Quelle von Interesse woraus zu entnehmen ist, dass ein gesetzlich garantierter Teilhabeanspruch in Bayern, besonders in Mittelfranken bestehen würde?
In Mittelfranken gibt es kein dezentrales Wohnen mehr, sondern nur ambulant betreutes Wohnen in Gruppen oder Einzelplatz Betreuung. Es wäre auch kein Unterschied, denn beides beinhaltet die gleichen Regeln und man akzeptiert diese, oder auch nicht und dann hat man halt Pech.
Der Personenkreis welcher hier der angebliche Nutznießer dieser Wohnform sein sollte ist überwiegend, seelisch, oder geistig und vielleicht auch körperlich behindert und diese Forderung dient zu nichts weiter, als sich eine Hintertür für die Abschaffung der Heime und in Zukunft trennenden Kosten von Wohnkosten etc. und Eingliederungshilfe zu schaffen. Auch kann man zur Kenntnis nehmen, das heutige Leistungserbringer z.B. der Obdachlosenunterbringung etc. wie die Heilsarmee welche sich ja nun an den Schicksalen von Menschen seit Jahren gesund gestoßen hat, Vorbereitungen zur Auflösung bestehender Verträge mit den Bezirken anstreben und ihr Konzept anpassen, um so weiterhin egal in welcher Form am großen Kuchen teilzuhaben. Bei der Diakonie sehe ich das nicht anders, egal ob nun Rummelsberger Anstalten, oder Neuendettelsau.