Leichte Sprache in der Zeitung

Veröffentlicht am von Christian Mayer

Zeichen für leichte, einfache Sprache
Zeichen für leichte, einfache Sprache
Bild: Inclusion Europe

Mainz (kobinet) Großen Applaus gab es von den TeilnehmerInnen der Empowerment Schulung "Stärker werden und etwas verändern!" als André Schade am Freitag die Mainzer Allgemeine Zeitung zeigte, die im Vorfeld des Tags der deutschen Sprache umfassend über die Leichte Sprache berichtete. Ein Fünfspalter auf der Titelseits, die gesamte Seite drei und mehreren Beiträge der Zeitung befassten sich mit der Leichten Sprache bzw. wurden in Leichter Sprache veröffentlicht.

André Schade, der im Büro für Leichte Sprache (Eule) des Mainzer Zentrums für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) arbeitet, hatte sich im Rahmen der Empowerment Schulung vorgenommen, zum Tag der deutschen Sprache an Zeitungen heran zu treten, dass diese über die Leichte Sprache berichten und Artikel in Leichter Sprache veröffentlichen. Die Allgemeine Zeitung in Mainz hat diese Initiative aufgegriffen und intensiv darüber berichtet. So wird dort zum Beispiel auf die Veranstaltung Rhein in Flammen hingewiesen und in Leichter Sprache erklärte, worum es sich dabei handelt. In einem anderen Teil der Zeitung wird auf den Markt der Wissenschaften und im Sportteil auf das nächste Spiel von Mainz 05 in Leichter Sprache hingewiesen. Auch wenn sich André Schade wünscht, dass noch mehr Texte für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Leichter Sprache in Zeitungen veröffentlicht werden, waren sich die TeilnehmerInnen der von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) angebotenen und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Schulung einig, dass dies ein großer Erfolg ist.

So hatte sich die Allgemeine Zeitung beispielsweise auch beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales erkundigt, inwieweit bei der geplanten Gesetzesreform für ein Bundesteilhabegesetz die Forderung der Betroffenen nach einem gesetzlich verankerten Recht auf Leichte Sprache mit verankert wird. Hierzu konnte das Ministerium jedoch noch keine konkreten Aussagen treffen, weil sich der Gesetzentwurf derzeit erst in der Entwicklung befindet. Für Ruth Sartor, die an der Empowerment Schulung teilnimmt ist jedoch klar, dass behinderte Menschen dringend Informationen brauchen, die sie auch verstehen können.

Lediglich beim Applaus im Seminarraum blieb es jedoch nicht. Marianne Münz aus Bad Kreuznach wandte sich mit einem Leserbrief an die Redaktion der Allgemeinen Zeitung und schrieb: "betreffend Ihrer Artikel vom 12. September über `Leichte Sprache` möchte ich mich herzlich bedanken und folgendes anmerken: Ich finde es ganz toll, dass die Thematik `Leichte Sprache` von Ihnen ausführlich erläutert wurde. Bisher konnte man nur ganz selten darüber lesen oder sich informieren. Die Verbreitung über die Medien ist ein sehr wichtiger Bestandteil um etwas in dieser Richtung zu bewegen. Es wäre gut, wenn Sie diese Art von Berichtserstattung beibehalten und zeitweise wiederholen oder aktualisieren könnten."

André Schade hatte im Vorfeld des Tags der deutschen Sprache auch bei anderen Büros und Initiativen für Leichte Sprache dafür geworben, sich an die örtlichen Zeitungen zu wenden damit diese Texte in Leichter Sprache veröffentlichen. Mensch zuerst in Kassel hat diese Initiative aufgegriffen, so dass die in Kassel erscheinende Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) ebenfalls über das Thema Leichte Sprache berichtet hat. Für Josef Ströbl, einem der Streiter für eine Leichte Sprache der ersten Stunde in Deutschland, ist klar, dass das Recht auf Leichte Sprache endlich ins Gesetz muss. "Wenn wir behinderten Menschen mittendrin leben sollen, dann müssen wir auch verstehen, welche Rechte wir haben", bringt er die Sache auf den Punkt.

Link zum Artikel in der Allgemeinen Zeitung