ICE der Bahn endlich mit Hublift

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Der neue ICE 3
Der neue ICE 3
Bild: DB AG/Martin Busbach

Frankfurt am Main (kobinet) Nach jahrelanger Verspätung startet die Deutsche Bahn den Passagierbetrieb mit den neuen ICE 3. Bis Ende März liefert Siemens insgesamt acht neue Triebzüge. „Vor allem bei Service und Komfort bietet der neue ICE 3 unseren Kunden ein echtes Plus", lobte gestern bei einer Probefahrt zwischen Frankfurt und Köln Bahn-Vorstand Andreas Busemann den Hochgeschwindigkeitszug, der eigentlich schon im Oktober 2011 ausgeliefert werden sollte. So bekommen Fahrgäste über die neuen Deckenmonitore jederzeit aktuelle Reiseinformationen und insbesondere für mobilitätseingeschränkte Reisende bietet der modernste ICE zahlreiche Verbesserungen.

Als erste Fahrzeuge der DB Fernverkehr verfügen die neuen Triebzüge über einen Hublift für Rollstuhlfahrer. Der Rollstuhlbereich ist großzügig gestaltet, die beiden Rollstuhlplätze sind mit einem Hubtisch, sowie einem Servicerufknopf ausgestattet. Ein taktiles Leitsystem unter anderem mit Fußbodenleisten und taktilen Sitzplatznummern hilft sehbehinderten und blinden Fahrgästen. Zusätzlich wurden in längeren Gängen Haltestangen angebracht, die gangseitigen Sitze mit Haltegriffen versehen und die Trittstufen sowie Innentüren kontrastreicher gestaltet.

Lesermeinungen zu “ICE der Bahn endlich mit Hublift” (5)

Von Arnd Hellinger

Die Wahrnehmung von Kleinlok kann ich nicht nachvollziehen: Sieht man sich - wenigstens in den Ballungsräumen (Berlin, Ruhrgebiet etc.) - einmal genauer in den "Öffis" sowie im Fernverkehr der DB um, so findet man dort täglich mehrere tausend rollstuhlnutzende Fahrgäste vor. Ganz so schlecht kann das System und das betreibende Personal also auch nicht sein... :-)

Noch vor 30 Jahren mussten wir bei Reichs- und Bundesbahn, wenn es überhaupt ging, im Gepäckwagen ohne Fenster oder WC fahren und der städtische Nahverkehr - von wenigen Ausnahmen abgesehen - war für uns gänzlich tabu. Schon vergessen???

Von Kleinlok

Die Intergartion von Menschen mit einem Handycap in unserer schnellläufigen Gesellschaft ist ein einzuger Etiketten schwindel. Due Bahn ist dabei ein weiteres Element dieser Lüge.

Wann sehe ich Rollifahrer in Zügen, Trams und Bussen?

Antworrt: So gut wie nie.

Der Transport ist miserabel organisiert, spontanes Reisen fehla anzeige.Der Kommentar von Alex liefert dafür ein Beispiel:

"Ob sie verwendet werden (Anm. Hublifte) oder nicht, liegt im Ermessen des Zugpersonals"

Bei solch einer Praxis kommt der Rollitransport doch einem Russisch Roulett-Spiel gleich, hat der oder die Zugbeklgleiterin miese Laune (was im chaotischen personalreduzierten Alltag der Bahn Alltag ist) kann es den oder die Tollifahrerin kalt erwischen. Anstatt dass die Gemeinschaft den geinsamen transport für alle sicherstellt, regieren Sekundenschinderei, hektik, zu wenig Platz etc. Und das, obwohl die neuen Züge stinketeuer sein dürften.

Von Alex

Dass die Hublifte langsam sind, ist richtig, bisher auch. Ob sie verwendet werden oder nicht, liegt im Ermessen des Zugpersonals. Sicher ist es nicht richtig, dass pauschal gesagt wird, der integrierte Mit wird nicht verwendet.
Wenn Ihnen das passiert ist, empfehle ich, diesen Vorfall zu melden. Fünf Minuten Verzögerung können bei ICE-Zügen ohne Probleme wieder eingefahren werden.
Wie bereits richtig geschrieben wurde, ist das anmelden von Reisenden im Rollstuhl erwünscht, aber nicht vorgeschrieben. Da nicht unbegrenzt Platz für Rollstühle vorhanden ist, kann es bei Spontanreisenden dazu kommen, dass er/sie nicht mehr in den Zug kommt. Die Anmeldung wird erwünscht, um das Reisen allen Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten und dafür zu Sorgen, dass niemand am Bahnsteig stehen bleiben muss..

Von Arnd Hellinger

Ich weiß zwar nicht, auf welcher Strecke Fr. Aeffner beruflich pendelt, aber eine Verpflichtung zur vorherigen Anmeldung (die übrigens auch völlig kostenlos per E-Mail möglich ist) ergibt sich weder aus dem Tarif (Beförderungsbedingungen DB Fernverkehr) noch aus dem Allg. Eisenbahngesetz (AEG) und es ist auf den Hauptstrecken auch RollstuhlfahrerInnen durchaus erlaubt, auch andere als die gebuchten Züge zu nutzen, auch wenn's für das Servicepersonal unter Umständen etwas Mehrarbeit bedeutet...

Sollte der TSI-konforme Hublift in der Praxis eher Nachteile gegenüber dem gewohnten "Bahnsteiglift" bringen, ist auch verständlich, wenn man lieber die Alttechnik nutzt. Das sollte man aber nicht der DB anlasten, sondern den Leuten, die kaum noch umsetzbare Standards vorschreiben.

Von Stephanie Aeffner

Klingen tut das ja gut ... Nur leider hält der Praxistest den geweckten Erwartungen nicht stand. Ich bin selber Rollstuhlfahrerin und pendle beruflich. Dabei bin ich auch schon mehrfach mit dem neuen ICE gefahren. Meine Nachfragen bei diversen MitarbeiterInnen an verschiedenen Bahnhöfen und beim Zugpersonal selber haben ein ganz anderes Bild ergeben: In der Praxis wird der neue Hublift nicht genutzt. Als Begründung wird angeführt, dass sein Aus- und Einfahren viel zu lange dauert. Er wäre wegen Sicherheitsbestimmungen des EBA so langsam. Da frage ich mich schon, warum die DB mit neuer Barrierefreiheit wirbt, ihr Personal aber anweist, die neue Technik nicht zu nutzen!
Hier geht es wohl nur um gute Außendarstellung ohne tatsächliche Verbesserungen in der Praxis! Wie schön wäre es, wenn man auch als Rollifahrerin einfach an den entsprechenden Wagen des Zuges fahren könnte und das Zugpersonal dann den Lift ausführe. Man müßte sich nicht mehr mindestens 24 Stunden vorher anmelden, und das dazu noch bei einer kostenpflichtigen 0180-Nummer. Aber das wäre wohl zuviel erwartet, als Berufspendlerin im Rollstuhl genauso flexibel Züge nutzen zu können wie Fußgänger.
Mein Fazit: Etikettenschwindel und rausgeworfenes Geld. Unter diesen Umständen hätte man sich den Einbau der Hublifte auch schenken können.