Über 19.000 Unterstützer für Gymnasium-Besuch von Henri

Veröffentlicht am von Christian Mayer

Henri will mit seinen Freunden aufs Gymnasium gehen
Henri will mit seinen Freunden aufs Gymnasium gehen
Bild: Change.org

Walldorf bei Heidelberg (kobinet) Über 19.000 Menschen unterstützen bereits die vor kurzem gestartete Petition auf change.org an Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch für den Besuch des Gymnasiums des elfjährigen Henri mit Down-Syndrom.

Henri ist die letzten Jahre in eine der ersten echten gruppenbezogenen inklusiven Grundschulklassen Baden-Württembergs gegangen. Jetzt steht der Wechsel in eine weiterführende Schule an. "Für Henris Entwicklung ist es unglaublich wichtig, dass er auch weiterhin gemeinsam mit seinen Klassenkameraden lernen kann. Deshalb möchte Henri mit ihnen gemeinsam als Gruppe auf's Walldorfer Gymnasium wechseln", heißt es in der Petition. Die Schulversuchsordnung mache dies möglich.

Das Lehrerkollegium der nahegelegenen Schule hat Henri jedoch den Zugang zum Gymnasium verweigert. Obwohl für Henri bereits vollumfängliche sonderpädagogische Unterstützung und Begleitung gesichert ist, trotz der vollen Unterstützung durch das Schulamt und Kultusministerium, obwohl das Gymnasium Vorlaufzeit zur Vorbereitung hatte, heißt es weiter in der Petition.

Für Ottmar Miles-Paul vom Netzwerk Artikel 3 ist es völlig unverständlich, dass sich GymnasiallehrerInnen in Deutschland weiterhin so vehement und anscheinend erfolgreich gegen die Aufnahme behinderter SchülerInnen wenden können. Gerade das Gymnasium hätte seiner Meinung nach dringend ein lerndifferentes und flexibleres Lernen nötig. "Es ist komisch von einer Inklusionstour aus Südtirol zurück zu kommen, wo es gesetzlich seit 1987 geregelt ist, dass behinderte Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich die Oberschule besuchen können, um dann hierzulande erleben zu müssen, dass sich LehrerInnen weiterhin anscheinend erfolgreich gegen die Aufnahme behinderter Kinder am Gymnasium wehren können. Deshalb habe ich gleich nach dem Anschalten des Computers die Petition unterschrieben. Wenn ich in Südtirol eines gelernt habe, dann ist es, dass wir auch hierzulande konsequent die Abschaffung aller Sonderschulen und Sonderklassen voran treiben und gleichzeitig die adäquate Unterstützung an den Schulen vor Ort verankern müssen. Denn dann können behinderte Kinder nicht mehr an andere Schulen abgeschoben werden", erklärte Ottmar Miles-Paul. Was in Südtirol schon seit über 30 Jahren Praxis sei, müsse doch auch an deutschen Schulen möglich sein.

Link zur Petition

Lesermeinungen zu “Über 19.000 Unterstützer für Gymnasium-Besuch von Henri” (2)

Von behindertenrecht

Wahrscheinlich ist der einzigste Unterschied zwischen Österreich bzw. Italen u.a. europäischen Ländern, gegenüber Deutschland, daß keine Schulpflicht besteht und somit auch Hausunterricht erlaubt ist, anstelle von Sonderbeschulung .

Von Interessierte

Zitat:Für Ottmar Miles-Paul vom Netzwerk Artikel 3 ist es völlig unverständlich, dass sich GymnasiallehrerInnen in Deutschland weiterhin so vehement und anscheinend erfolgreich gegen die Aufnahme behinderter SchülerInnen wenden können. Gerade das Gymnasium hätte seiner Meinung nach dringend ein lerndifferentes und flexibleres Lernen nötig. "Es ist komisch von einer Inklusionstour aus Südtirol zurück zu kommen, wo es gesetzlich seit 1987 geregelt ist, dass behinderte Kinder und Jugendliche ganz selbstverständlich die Oberschule besuchen können, um dann hierzulande erleben zu müssen, dass sich LehrerInnen weiterhin anscheinend erfolgreich gegen die Aufnahme behinderter Kinder am Gymnasium wehren können.


Das ist mir zu pauschaul. Wäre es in Südtirol, selbstverständlich, dass Henry auf die Oberschule geht? Die Sache ist ja nun die, dass sich Ottmar Miles-Paul nicht so ausdrückt, dass Kinder mit Down-Syndrom oder auch Kinder mit einer geistigen Behinderung oder auch Förderschüler oder sonstige eine Selbstverständlichkeit an Oberschulen in Italien sind.

Ich würde es im Hinblick auf die Debatten wichtig finden, wenn jemand, der konkret Angaben machen kann, diese Frage beantwortet. Eventuell ins Detail geht, wie ein zieldifferenzierter Unterricht auf einem Gymnasium in Südtirol aussehen würde, sofern es tatsächlich keine Hürden gibt, die überwunden werden müssen.