Henri - ein kleiner Junge verändert die Welt
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: HEYNE
Kassel (kobinet) "Henri - Ein kleiner Junge verändert die Welt", so lautet der Titel eines Buches des HEYNE Verlages, das heute erscheint. Kirsten Ehrhardt erzählt dabei u.a. die Geschichte des Kampfes für die schulische Inklusion des Jungen mit Down Syndrom, der letztendlich erfolgreich endete.
"Statt in einer Sonderwelt mittendrin leben - genau das ist auch der Wunsch der Eltern von Henri. Ihr 11-Jähriger hat das Downsyndrom. Kirsten Ehrhardt und ihr Mann beschließen früh: Niemals wollen sie ihren kleinen Jungen deshalb von vorneherein einschränken. Henri soll nicht in einer Sonderwelt, sondern mittendrin leben. Das Konzept geht auf. Er hat viele Freunde und lernt auf einer regulären Grundschule mehr, als man jemals für möglich gehalten hätte. Dann will er mit seinen Klassenkameraden auf eine reguläre weiterführende Schule wechseln. Das Schulamt unterstützt diesen Wunsch. Doch die Schulen am Ort wollen ihn nicht, und es beginnt ein langer Kampf. Die Geschichte von Henri ist auch eine Geschichte über unsere Gesellschaft und die Frage: Wie wollen wir miteinander umgehen?", heißt es in der Beschreibung zu dem heute erscheinenden Buch.
Das 272 Seiten starke Taschenbuch "Henri - Ein kleiner Junge verändert die Welt" hat die ISBN: 978-3-453-64538-7, kostet 8,99 Euro und erscheint im Heyne Verlag.

Von mheidelberg
Das sehe ich doch (wieder einmal) etwas anders:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ausnahmslos alle Kinder aus Henris Grundschulklasse jetzt auf's Gymnasium gehen. Warum soll dann Henri mit auf's Gymnasium und andere Kinder nicht?
Unter den kobinet-LeserInnen wird wahrscheinlich große Einigkeit darüber bestehen, dass das derzeit existierende dreigliedrige Schulsystem Scheiße ist. Aber den Kampf für eine gemeinschaftliche Beschulung *aller* Kinder (nicht nur der Kinder mit einer "anerkannten" Behinderung) auf diese Weise zu führen, finde ich doch etwas fragwürdig.
Von Lesebrille
Eine herzige Werbung für ein Buch, an dem nicht einmal der Titel stimmt.
Henry wollte mit seinen Freunden auf das Gymnasium gehen. Es als Erfolg zu verkaufen, dass er nun auf die Realschule darf, ist Unsinn, denn seine Freunde sieht er zumindest in der Schule damit nicht wieder. Ziel verfehlt!
Und wenn ich die vielen furchtbaren Kommentare auf SPON von heute über die (sinngemäss) "ehrgeizigen Eltern, die den armen Jungen zu etwas zwingen, was weder er kann, noch was seinen SchulkameradInnen nützt" - und Schlimmeres - lese, dann mögen seine Eltern den Schulalltag in der Heimatstadt aufgemischt haben, aber die Welt haben weder sie, noch der Sohn damit verändert.
Das ist aber weder den Eltern, noch Henry selbst als Schuld anzurechnen, sondern vielmehr einer Politik, die sich zwar gerne mit Inklusionsthemen schmückt, tatsächlich aber kein, oder zumindest fast kein Interesse daran hat, Menschen mit Behinderungen - trotz gleicher Menschenrechte - einen ebenbürdigen Platz in der Gesellschaft zuzugestehen. So paternalisiert es sich eben leichter... .
Denn der Begriff "Inklusion" mag zwar in aller Munde sein, aber wir wissen ja: Was lang genug im Munde ist, wird zu Brei!
Nicht anders ist es zu erklären, dass Inklusion wieder nur auf die Schule reduziert und diese auch noch "kostenneutral" umgesetzt werden soll. Damit erweisen die Länder nicht nur den Kindern mit Einschränkungen einen Bärendienst, sondern ebenso deren SchulkameradInnen und LehrerInnen.
Denn tatsächlich werden die Kinder allenfalls integriert. Nur so ist es zu verstehen, dass ein verlässliches Konzept, das mit pädagogischem Verstand geschrieben, wie auch mit genügend Personal wie auch Geld unterfüttert wird, bis heute landes- und bundesweit nicht erarbeitet wurde.
Das ist nicht nur deshalb eine Schande, weil die UN-Konvention immerhin auch schon seit 6 Jahren in Deutschland gilt, sondern ebenso, weil viele Länder in der EU und darüber hinaus längst weiter sind!
Und wenn ich dann bedenke, dass ich schon 1976 als körperbehindertes Mädchen eine Regelschule besuchte - in Baden-Württemberg - dann frage ich mich, was in den letzten fast 40 Jahren passiert ist... !?