Nachgefragt zum Bluttest auf Down Syndrom

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Corinna Rüffer
Corinna Rüffer
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) In der gestrigen Fragestunde des Deutschen Bundestages nutzte Corina Rüffer von den Grünen und weitere Bundestagsabgeordnete die Gelegenheit nachzuhaken, was die Bundesregierung in Sachen Bewusstseinsbildung über die Situation von Menschen mit Down Syndrom tut und wie es derzeit um den Bluttest auf Down Syndrom steht.

Link zum Video zur Fragestunde

Lesermeinungen zu “Nachgefragt zum Bluttest auf Down Syndrom” (12)

Von Scherfo

Patientenfront vs Doktatur
Angesichts der letztlich gegen alle gerichteten mörderischen Bedrohung durch die ärztlichen Genlaborierer und dem entsprechenden gesellschaftlichen Druck weise ich auf folgenden Grundlagentext hin:
http://spkpfh.de/GenETHIK_GENOZID.html
Kränkt um zu leben , lebt um zu kränken!

Von Dr. Theben

@Alexander Drewes,

volle Zustimmung für das Statement. Aus meiner sicht kann und muss es hier ein klares Verbot geben!

Beste Grüße

Dr. Martin Theben

Von Alexander Drewes

Was mich an den Kramme'schen Äußerungen so besonders fassungslos gemacht hat, war zum einen die Art und Weise, wie sie Hubert Hüppe "über den Mund gefahren" ist, zum anderen die Gleichsetzung von Schwerstpflegebedürftigkeit und Trisomie 21. Fr. Kramme schafft hier - ich unterstelle: ganz bewusst, da sie ja ausgeführt hat, sie wisse genau, wovon sie rede - einen Zusammenhang, mit dem sie versucht, die Frage des Lebensrechts auf der Ebene der Zumutbarkeit für die Eltern abzuhandeln. Ich mag Fr. Kramme ja falsch verstanden haben, aber ich verstand sie dann durchaus so, dass sie das Lebensrecht ihres Bruders für zumindest fragwürdig hielt.
Ich z.B. habe das Stickler-Syndrom. Neben massiven Beeinträchtigungen der Sinnesorgane (in meinem Falle Blindheit und an Taubheit grenzende Hörbeeinträchtigung) hat das Syndrom regelmäßig zur Folge, dass der Knochenapparat und innere Organe geschädigt (hat bei mir sämtlich gut hingehauen ;-)).
Vermutlich - ich habe mich diesbezüglich nie schlau gemacht - kann man auch das Stickler-Syndrom mittlerweile vorgeburtlich nachweisen. Wenn ich Fr. Kramme richtig verstanden habe, muss es für meine Eltern ja eine Zumutung gewesen sein, dem Kind binnen der ersten Jahre das Laufen beizubringen (was nach mehreren Operationen dann ganz gut geglückt ist), es auf eine halbwegs brauchbare Schulbildung vorzubereiten (mehr als Vorbereiten war dann allerdings nicht drin, ich wurde ausschließlich segregativ beschult) und die ganzen Malaisen in Kauf zu nehemn, die die Betreuung und Erziehung eines schwerstbeeinträchtigten Kind nun einmal so mit sich bringt.
Mich gruselt vor dem Umstand, dass ich vielleicht ausschließlich deshalb hätte abgetreiben werden können, weil es die diesbezügliche Möglichkeit der vorgeburtlichen Untersuchung gegeben hätte.

Mit besten Grüßen

Alexander Drewes.

Von Lesebrille

@nurhessen: Danke für Ihre fixe Antwort. Ihr letzter Beitrag las sich für mich ziemlich zweideutig. Der hier nicht.

Von nurhessen

@Lesebrille
Natürlich kein persönlicher Angriff!! Wogegen denn?? Wollte nur mal erwähnt haben, dass es zwischen Behinderung und Krankheit durchaus Überschneidungen gibt, ohne sie politisch in irgendeinem Ministerium oder sonstwie irgendwo „verorten“ zu wollen. Weil MS u.a. in unserer Familie nämlich vorkommt; und zwar heftig! MS ist eben eine Krankheit mit Behinderung. Krankheit ist eben keine Diskriminierung, das ist alles! Bin übrigens schon immer als sog. „radikaler Lebensschützer“ bezeichnet worden. Also mit der „Downsyndrom“-Debatte hat das Ganze gar nichts, aber auch gar nicht zu tun. Grüße

Von Lesebrille

@nurhessen: Stimmt, ziemlich heiss. Und was soll mir Ihr Beitrag jetzt sagen?

Nur mal so nachgefragt: verstehe ich Sie richtig, dass Sie Menschen, deren Behinderung durch eine Krankheit entstand, doch lieber im BMG verorten möchten? So ganz weit weg von der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention für die das BMAS zuständig ist?

Und das, obwohl Sie selbst von Behinderung und nicht von Krankheit reden?

Und möchten Sie dann auch, dass das Problem, dass Menschen mit Downsyndrom kaum noch zur Welt kommen, weil sie vorher abgetrieben werden, lieber zu einem Thema des BMG machen, weil es viel sinnvoller ist, wenn Frau Kramme sich mit solch lästigen Themen nicht befassen muss?

Denn Ihren Post lese ich als persönlichen Angriff, verstehe aber noch nicht wofür.

Von nurhessen

@ Lesebrille
Behinderung versus Krankheit:
mal eine Anmerkung zur aktuellen Wetterlage (in Anlehnung: an den Spruch der 68-er: „Alle reden vom Wetter, nur wir nicht …“ oder so ähnlich): Die Hitze, die augenblicklich herrscht, ist für einige Menschen mit Behinderung, deren Behinderung eben – ich widerspreche ungern - auf einer Krankheit beruht oder mit behinderungsbedingten Krankheiten einhergeht, fast mörderisch; ich denke da an Menschen mit MS, VP-Shunt, Epilepsie …
Grüße

Von nurhessen

Wollte mich für die Solidarität, Empathie und das „Nachfragen“ im positiven Sinn bei Dr. M. Theben bedanken, kurz bevor wir hier in Hessen ebenfalls dahinschmelzen. Auch Dr. Drebes hat die gleiche Art, den Dingen, die hier vorgetragen werden, auf den Grund zu gehen. Das stimmt bei allen essentiellen Problemen doch positiv!
Grüße aus Hessen

Von Lesebrille

Bevor man mich missversteht: mir ist es egal, ob ein Fötus eine Behinderung oder eine Krankheit hat, oder ob er "bumperlg'sund" ist, ich möchte, dass er lebt!

Aber sich allein für ein Lebensrecht einzusetzen, ohne gleichzeitig Auswege aus der Nöten, die Frauen zum Abbruch treiben, zu suchen, ist mir zu einfach! Für Frauen und deren Familien, die ein behindertes Kind erwarten, oder Angst haben, ein behindertes Kind zu bekommen, sind die Probleme viel zu komplex, als dass ich sie mit simplen Antworten abspeisen möchte. Denn die Ängste sind real.

Was aber sicherlich hilft, das wurde auch so in der Anfrage gesagt, ist, dass Menschen mit Downsyndrom, selbst zu Wort kommen und in die Beratung eingebunden werden.

Ich glaube, wenn Eltern sehen, dass sie wirklich Unterstützung und Anerkennung wie auch genügend monetäre Förderung erhalten, werden ihre Ängste zumindest kleiner.

Von Lesebrille

@Dr. Theben: Hm... für mich ist das Problem ehrlich gesagt wesentlich grösser!

Wie soll ich anfangen? Ich bin gegen Abtreibung, dennoch werde ich mich nicht für ein Abtreibungsverbot einsetzen.

Als man Abtreibungen in Deutschland erlaubte, wurde das ja nicht gemacht, weil man es klasse fand, kleine Menschlein zu töten, sondern weil auch in Deutschland folgende Situation entstand: die Frauen, die über genügend Geld verfügten, gingen ins nahe Ausland um abzutreiben, und die, die zu arm waren, versuchten es mit Mutterkorn, heissem Bad und Rotwein, der Stricknadel oder gingen zu diversen "EngelmacherInnen" die dann häufig nicht nur den Fötus "engelten", sondern die Mutter gleich mit.

Ein Verbot ist eben nicht das Selbe wie eine tatsächliche Abschaffung.

Schon seit Jahren gibt es diverse Verfahren, um herauszufinden, ob Trisomie 21 vorliegt oder nicht. In der Regel waren die Untersuchungen aber so gefährlich für den Fötus, dass man nach einer besseren Lösung suchte. Man fand sie im Pränatest.

Das Verlogene, das ich an der Kritik am Pränatest sehe, ist, dass so getan wird, als sei der Bluttest daran schuld, dass Kinder mit Downsyndrom kaum noch zur Welt kommen. Tatsächlich ist es aber der gesellschaftliche Druck, der so gross ist, dass sich die Frauen bzw. die Familien zum Schwangerschaftsabbruch entscheiden!

Der Pränatest ist eben nur EIN weiterer Schritt dahin.

Schon vor zwanzig Jahren, also weit vor dem Pränatest, erlebten Mütter/Väter/Eltern von Kindern mit Downsyndrom auf der Strasse - ich habe welche kennengelernt - dass sie von Wildfremden angeranzt wurden, "Sowas" hätte man doch heute "vermeiden" können.

Wirklich wundern tut mich das nicht, da ich noch bis weit in den 70ern auf der Strasse hinterhergebrüllt bekam, dass man früher "sowas" vergast hätte, etc..

Das, was mir Sorgen bereitet, ist die Kontinuität im Denken, dass Menschen mit Behinderungen "Ballastexistenzen" seien. Und sie nimmt, Dank künstlich aufgebautem ökonomischen Druck zu!

Heute las ich in der Online-Zeitung zum Thema "Sterbehilfe" in dem Forum darunter, dass sie sinnvoll sei, denn "Haustiere würde man ja auch...", und "beim Pflegenotstand müsse man ja das Recht haben...". Und das sind keine singulären Meinungen.

Das heisst letztendlich, dass die Akzeptanz von kranken und/oder behinderten Menschen weder am Lebensanfang, noch an dessen Ende breit in der Gesellschaft akzeptiert ist. DAS gilt es meines Erachtens zu bekämpfen!

Es ist nämlich ganz offensichtlich etwas Anderes, schon lebende Menschen mit Behinderungen inkludieren zu wollen, als sie auf die Welt kommen zu lassen. Ich bin mir sogar sicher, dass es eine Überschneidung zwischen den Menschen, die die Inklusion befürworten, und denen, die aber gleichzeitig selbst nicht Eltern eines behinderten Kindes werden wollen, gibt!

Von Dr. Theben

@Lesebrille

volle Zustimmung. Allein die Existenz dieses Test bzw. die Möglichkeit, ihn legal anwenden zu können ist diskriminierend.

Grüße

DR. Martin Theben

Von Lesebrille

Die Kommentare, hm, von Frau Kramme, hm, halte ich für mehr als aufschlussreich.

Das Thema "Inklusion" wird also vom BMAS behandelt, aber es sieht sich ausserstande, tatsächlich Stellung zu nehmen zum Pränatest.

Darüber hinaus macht Frau Kramme ihren eigenen Bruder zum Thema. Genau äussert sich Frau Kramme nicht dazu, ob sie dem Bruder ein Lebensrecht zuspricht oder nicht, Konkretes hat sie vermieden. Aber die Tendenz ist ablesbar: die Eltern haben ihn Rund um die Uhr pflegen müssen, also sei das Leben des Bruders ein Problem.

Mich stören bei den Antworten zwei Dinge:

1. Nicht der behinderte Mensch ist das Problem, sondern die fehlende Unterstützung der pflegenden Angehörigen. Natürlich ist es um ein Vielfaches leichter - und kostensgünstiger - dem behinderten Menschen das Lebensrecht abzusprechen. Aber damit wird erneut der behinderte Mensch zum "lebensunwerten Leben". (Binding und Hoche lassen grüssen.) So viel Ehrlichkeit gehört dann auch dazu!

2. Spezielle Probleme von Menschen mit Behinderung ins BMG auszulagern halte ich für falsch. Es widerspricht sowohl der Definition von Behinderung, als der UN-Behindertenrechtskonvention.

Noch dazu ist die Herausnahme des Themas "Pränatest" bei Kindern mit Down-Syndrom und damit deren faktische Lebensverhinderung aus dem Thema "Umsetzung der UN-Konvention" zwar extrem praktisch, muss man sich dann doch nicht mit der Widersprüchlichkeit auseinandersetzen, aber auch extrem verlogen und schreibt das Aussetzen der Umsetzen der Inhalte der Konvention fort.

Von der Diskriminierung behinderter Menschen, als krank (BMG) definiert zu werden, ganz zu schweigen.