Berlin am 11. Juli 2015

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Inklusionsfackel bei der Kieler Woche
Inklusionsfackel bei der Kieler Woche
Bild: Netzwerk Inklusion

Berlin (kobinet) Am zweiten Juli-Samstag hat Berlin zwei große Ereignisse. Auf dem Potsdamer Platz wird das Finale eines Inklusionsfackellaufs gefeiert. Auf dem Hermannplatz in Neukölln startet zum dritten Mal die nach Kreuzberg ziehende Pride Parade. Ins kobinet-Diskussionsforum hat der für Pressearbeit wieder verantwortliche Sven Drebes die Infos über den Umzug unter dem Motto "Party statt Pathologisierung, Kritik statt Sonntagsreden!" gestellt. In der Online-Ausgabe der Berliner Behindertenzeitung wirbt Chefredakteur Dominik Peter für den Aktionstag Inklusion und Diversity auf dem Potsdamer Platz.

"Einen Ruck pro Inklusion können wir nur gemeinsam schaffen! Wir können uns weit besser vernetzen als bisher, um eine Gruppe zu werden, die sich in wichtigen Themen Gehör verschafft – und zugleich positives Marketing für Inklusion macht", schrieb Dominik Peter zu einem Foto der Fackel des Netzwerks Inklusion Deutschland von der Kieler Woche auf der Webseite der Monatszeitung des Berliner Behindertenverbands.

Die "Behindert und verrückt feiern" Pride Parade will "kein Inklusions-Fallerifallara" sein. Allzu oft heiße es: „Inklusion“ – und alles bleibt, wie es ist! "Wir aber fordern: Her mit dem schönen Leben für alle! Gesellschaft verändern, statt daran teilhaben müssen", so steht es im Aufruf zur Parade, zu der im vergangenen Jahr über 2 000 Menschen gekommen sind.

Nach internationaler Kritik an der mangelnden Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland teilt Matthias Vernaldi vom veranstaltenden Bündnis die Besorgnis, dass Deutschland seinen Verpflichtungen in verschiedenen Bereichen nicht nachkommt: Dies betrifft die unfreiwillige Unterbringung von Menschen in Institutionen sowie den Umstand, dass physische oder medikamentös erwirkte Fixierungen in Heimen und Psychiatrien nicht als Folter anerkannt werden. Außerdem fehlten Angebote für ein Leben Behinderter außerhalb von Institutionen, auch in Bezug auf den Arbeitsmarkt.

Lesermeinungen zu “Berlin am 11. Juli 2015” (30)

Von Sven Drebes

@nurhessen:
"Alles tun, um Menschen zum Weiterleben zu helfen"? Natürlich sollte das jeder versuchen. Ich dachte, ich hätte das auch weiter unten geschrieben. Ich kenne selbst Menschen, die heute froh sind, im richtigen Moment Hilfe bekommen zu haben. Natürlich bin ich froh, dass diese Menschen die Hilfe bekommen haben. Und ich verstehe, auch ohne bisher selbst einen mir nahe stehenden Menschen durch Selbsttötung verloren zu haben, jeden, der sich wünscht, ein bestimmter Mensch hätte sich nicht getötet.
Ich kenne aber auch Menschen, die von sich sagen, dass ihnen die - meist psychiatrischen - als Hilfe gedachten Maßnahmen (eher) geschadet haben.

Gerade vor diesem geteilten Hintergrund frage ich mich, wie weit Hilfe gehen darf bzw.soll und ob das, was "wir" als Nicht-Betroffene als Hilfe betrachten, von denen, denen geholfen werden soll, auch immer als Hilfe wahrgenommen wird. Ich frage mich darüber hinaus, ob es von uns nicht ähnlich anmaßend ist jeden Menschen, der sich töten will, mit allen Mitteln daran zu hindern, wie es anmaßend ist, gehörlose / taube Menschen mit aller Macht zum (schlecht) Hören überreden zu wollen.
Daraus folgt für mich nicht, Menschen einfach sich selbst zu überlassen oder ihren Todeswunsch zu bestärken. Ich finde aber, dass es dem Menschenbild, das wir, die wir zu diesem Thema hier diskutieren, offenbar teilen, widerspräche, Menschen, die sich töten wollen, als unmündig, abnormall oder verurteilenswürdig zu behandeln. Daher ist es besser. derartige Wünsche und Überlegungen mit Anerkennung zu begegnen.

Von Lesebrille

@nurhessen: Und genau deshalb habe ich den Begriff des "Freitodes" bewusst in den Text aufgenommen und ebenso bewusst in Hochkomma gesetzt. Der Begriff des "Freitodes" erhöht, verklärt und heroisiert den Suizid. Das hat aber mit der eigentlichen Entscheidung bzw. Durchführung nichts zu tun.

Menschen, die sich das Leben nehmen, sind in höchster Not. Mag sich Frau Günderode noch so "romantisch" am Rheinufer das Leben genommen haben, waren ihre Gründe, soweit man sie kennt, doch umso prosaischer.

Umso erstaunlicher finde ich es, dass in der Sterbehilfe-Debatte der Suizid euphemistisch wieder zum "Freitod" (v)erklärt wird. Auch wenn in Deutschland die Begrifflichkeit vermieden wird, ist der Gedanke dahinter genau dieser. Der Suizid wird zur selbstbestimmten (autonomen) Handlung, als freie Entscheidung über das eigene Lebensende.

Mit dieser Herauslösung aus äusseren Umständen wird politisch, wie auch medizinisch - ich rede hier speziell von todkranken Menschen am Lebensende - die gesamtgesellschaftliche Verantwortung negiert, der Suizid zur Privatangelegenheit erklärt.

Und genau darin sehe ich das Problem!

Alles Weitere hat Herr Drebes auf den Punkt gebracht.

Von nurhessen

Nachtrag:
1. Mein erster Satz ist unvollständig; es fehlt das Verb: „gerne würde ich denjenigen, die sich…. äußern, …“
2. Zu Sven Drebes, Freitag, 17. Juli 2015 14:08: einverstanden, bis auf den letzten Satz „Und am Ende sollte niemand einen anderen zum Weiterleben zwingen.“ Muss es nicht nur in Hinblick auf die Angehörigen, sondern im Sinne der Suizidgefährdeten heißen: „Und am Ende sollte jeder alles versuchen, den anderen - immerhin Mitmenschen – zum Weiterleben zu helfen.“ Wäre das nicht echte Teilnahme, im Sinne auch von Teilhabe?

Von nurhessen

Gerne würde ich denjenigen, die sich in diesen Lesermeinungen in „kobinet“ zum Thema Suizid –bitte(!): es heißt nicht Selbst-Mord, „Mord“ ist ein Begriff aus dem Strafgesetzbuch, auch nicht „Freitod“, weil sich niemand „freiwillig“ das Leben nimmt, das weiß man inzwischen - die „gedankenlosen Sprüche“ aus dem Forum „Agus - Angehörige um Suizid“ einmal zum Lesen vorhalten, die Forenregeln sind aber dort so streng, dass ich dies nicht mache! Als „Besucher“ kann man sich bei wirklichem Interesse zum Thema Suizid aber bis zu einem gewissen Grad durchaus kundig machen, wie es um das „Seelenleben“ und die „gedankenlosen Sprüche“ der Umwelt nach Suizid eines Angehörigen bestellt ist. Es gibt ja durchaus Überschneidungen zu den Themen in „kobinet“…

Von Arnd Hellinger

@Sven:

Wenigstens EIN Mitlesender, der mich hier richtig versteht...

Von Sven Drebes

Ich kenne Arnd Hellinger seit vielen Jahren. Es gibt wenig, was ihm und mir ferner liegt, als das "sozialverträgliche Frühableben" bzw. Schritte in Richtung Euthanasie zu fordern oder zu unterstützen!

Ich teile die Ansicht, dass fast Alle, die sich selbst töten (wollen), unter anderen Lebensumständen nicht sterben wollen würden. Daher bin ich dafür, alles zu tun, was die Gesellschaft und "der Staat" tun kann, um Lebensumstände zu vermeiden und zu ändern, die bei Menschen den Wunsch nach dem Sterben wecken.
Allerdings machen es sich diejenigen meiner Meinung nach zu einfach, die alleine gesellschaftlliiche Gründe für den Wunsch zu sterben verantwortlich machen. Es gibt schließlich auch Gründe, die im Privatleben liegen. Hier muss die Gesellschaft niedrigschwellige Unterstützungsangebote schaffen.

Zweitens halte ich auch den Begriff "Assistierter Suizid" für verbrannt und so, wie Viele ihn verwenden, zynisch.

Ich sehe aber nicht, dass diejenigen, die heute eine Liberalisierung der aktiven Sterbehilfe fordern oder unterstützen, alle den Ideologien von Singer, Binding und Hoche oder der Nazis anhängen. Einige gibt es sicher und auch die Motive vieler anderer finde ich weder ehrenwert noch unterstützungswürdig. Alle in den "Singer-" oder "Nazi-Topf" zu werfen, finde ich aber falsch.

Abschließend will ich noch betonen, dass ich niemanden, die_der sich tötet oder töten will, deswegen verurteile. Das Mord-Vokabular finde ich daher nicht hilfreich. Und am Ende sollte niemand einen anderen zum Weiterleben zwingen.

Von H. Percurs

Wer für sich das Recht einfordert, getötet zu werden, macht damit die anderen zu seinen Henkern. Sein „Recht auf Sterben“, konstituiert für die anderen die PFLICHT ihn zu töten. Ein Selbst-Mord-Gesetz würde die ganze Gesellschaft verändern. Es ist nämlich tatsächlich und in Wahrheit so, dass niemand davon unberührt bleibt, was einem anderen angetan wird. Der Mensch ist Mensch nur durch einen anderen, der ihn anerkennt.

Sogar noch extreme Feindschaftsverhältnisse, wie bei der Folter, sind durchdrungen von diesem Abhängigkeitsverhältnis der Anerkennung. Frantz Fanon hat das in „Die Verdammten der Erde“ anhand seiner Erfahrungen im algerischen Befreiungskampf am Beispiel der Folter durch die französischen Kolonialisten dargelegt: "Und dieses vernichtende Schweigen ..., dieses Schweigen, das den Folterer vernichtet! Wir stoßen hier, sage ich, auf ein sehr altes Gesetz, das es irgendeinem Teil verbietet, unberührt zu bleiben“.

Fanon hat festgestellt, dass auch und sogar der Folterer von seinem Folteropfer anerkannt werden will. 150 Jahre vor Fanon hat Hegel dieses Verlangen nach gegenseitiger Anerkennung als einen Kampf auf Leben und Tod beschrieben und als GRUNDGESETZ menschlichen Zusammenlebens.

Wer also einen anderen tötet und dies MIT ZUSTIMMUNG DER GESELLSCHAFT, der exekutiert den Tod der Gesellschaft insgesamt.

Eine Gesellschaft besteht aus gesellschaftlichen Wesen.
Eine Gesellschaft aber, die zwischen Wesen und Verwesung nicht mehr unterscheiden kann, muss wohl im Ganzen ziemlich tot sein.

Friede ihrer Asche?

Wäre es da nicht besser, das geplante Selbst-Mord-Gesetz würde zu Asche?
EuthaNAZI, heute?, so heißt ein sehr aufschlussreicher Internetbeitrag zum Thema.

Von Lesebrille

@Arnd Hellinger: Konsequent zu Ende gedacht haben Sie natürlich recht: Die Hilfe zur Selbsttötung, die einem nichtbehinderten Menschen nach diesem Gesetz gewährt wird, muss selbstverständlich auch einem Menschen gewährt werden, dessen Einschränkung die Selbsthilfe nicht mehr gewährleistet.

Was mich aber an dieser Diskussion stört ist die Unehrlichkeit über die Selbsttötung. Alle Missstände rund um die Pflege, wie auch die zeitnahe Gewährung von Hilfsmitteln, aber auch das Fehlen von Palliativteams werden im Plural genannt. Die PatientInnen leiden, die Kranken sind unterversorgt.

Beim Thema Selbsttötung sind wir dagegen im Singular angelangt. Der Mensch hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Ende. Abgesehen davon, dass wir das aufgrund unserer ethischen und religiösen Ansichten diskutieren könnten bis zum Sankt Nimmerleinstag, fehlt mir hier der Plural! Warum mich das so stört? Weil ich eine Querverbindung zwischen dem einen und dem anderen sehe. Und dann wird der Wunsch nach Beendigung des Lebens nämlich sehr wohl zu einer Folge der staatlich gemachten Not.

"Gerti" nennt Primo Levi. Kein Mensch, so hoffe ich zumindest, wird hier von "Freitod" reden. Ein kluger Mensch hat mal gesagt: auch Primo Levi wurde Opfer der Nazis. Ich unterschreibe das.

Der Pfarrer Jochen Klepper, dem wir nicht wenige schöne Lieder und Gedichte verdanken, brachte sich gemeinsam mit seiner Familie um, weil er wusste, dass sie von den Nazis deportiert würden.

An der Mauer unseres jüdischen Friedhofes liegen viele Menschen begraben, die ihrem Leben eine Ende setzten aus Angst, nach Auschwitz oder ein anderes Konzentrationslager verschleppt zu werden. Hier von einem selbstbestimmten Lebensende zu sprechen, würde, glaube ich, jedeR für zynisch halten.

Nicht weniger zynisch halte ich es, wenn die Selbsttötung von Menschen, die Angst haben, ihrer Familie auf der Tasche zu liegen, die Angst haben vor unsagbaren Schmerzen oder Angst davor in eines der schlechtgeführten Heime zu müssen, als selbstbestimmte Handlung definiert wird.

Damit werden die - häufig staatlich und gesellschaftlich verhinderbaraen Gründe - negiert und die Tat zum Einzelschicksal umgedeutet, ja schlimmstenfalls heroisiert. Das macht mich wütend!

Von H. Percurs

„ …. fallen Sie doch nicht auf die (Ihnen) gestellten Wort-Fallen rein!“

Selbstbestimmung und freie Entscheidung und freie Bahn für Selbst-Mord! So die Schlachtrufe. Falsch, verlogen und kilometerweit neben der Sache liegend! Niemand, der sich töten will, ist frei. Wäre er tatsächlich frei, so könnte er bestimmen, dass er weiterlebt und zwar so, wie er will und wie es für ihn am besten ist. Ich will nicht leben, das heißt immer: Ich will SO nicht mehr leben. Der Entschluss zum Selbst-Mord setzt immer (für unveränderbar angesehene) lebensfeindliche Umstände voraus. Zur Verdeutlichung: Der Häftling wirft sich in den starkstromgeladenen Lagerzaun, weil er keinen anderen Weg sieht, der Quälerei und der Folter zu entgehen. Ist er frei? Warum objektiv gegebene Zwangslagen und Notsituationen umlügen in freie Entscheidungen? Wem nützt das? Die Prediger des schönen Todes stellen den Einzelnen, den Ver-Einzelten ins Scheinwerferlicht. Ausgeblendet und im Dunkeln bleibt all das, was ihn dazu ZWINGT, sich töten lassen zu wollen. Zum HEIL verkalkter Verhältnisse, über die der Mantel der Unsichtbarkeit gebreitet wird. Schon jetzt gibt es pro Jahr 10.000 sog. Selbst-Morde (das die offizielle Zahl, tatsächlich sind es viel, viel mehr). Was ist denn daran individuell und Einzel-Entscheidung? Das verweist doch auf selbst-mörderische VERHÄLTNISSE! Wäre es ein medizinisch dingfest gemachtes Virus, an dem pro Jahr 10.000 Menschen sterben, würde man da auch sagen: individuell? Selbst-Mord ist eine Seuche. Ihr Nährboden sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die selbstmörderisch sind. Im Mittelalter wurde Europa durch die Pest entvölkert. Und nun schon bald ein Tötungs-Gesetz! Damit die neue Seuche so richtig Fahrt aufnehme und sich verbreite und Heimsuchung in jedem Haus, in Städten, Dörfern und Gemeinden.

Gegen diese neue Seuche gibt es keine Impfung. Aber man kann sich durchaus schützen. Das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK) hat bereits im Jahre 1971 auf einer Arbeitstagung für Mediziner, Sozialarbeiter, Psychologen, Pädagogen etc. der Evangelischen Akademie in Arnoldshain (Tagung oder Kampf?) auf diese Zusammenhänge aufmerksam gemacht und der „Selbstvernichtung – Eine Antwort auf selbstvernichtende Lebensbedingungen in der Industriegesellschaft“ (so das Thema der Arbeitstagung) hingewiesen und das SPK in seiner seit 1972 ungebrochenen Kontinuität bis heute in der Patientenfront setzen der Identität von Krankheit und Kapital seine menschenfreundlichen kranheitsbejahenden Aktivitäten entgegen, die schon viele Leben gerettet haben. Siehe den Text: http://www.spkpfh.de/Aktion_des_SPK_auf_einer_Arbeitstagung.htm

Von Gerti

Ein prominenter Vertreter derer, die sich das Leben genommen haben, ist Primo Levi.
Bei Levi war es wohl so, dass er sich furchtbare Vorwürfe gemacht haben soll, weshalb nun ER und nicht Andere die Zeit im KZ überlebt haben.
Heutzutage wird zum Glück Überlebenden von Tortur und Folter mehr als Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zuteil, zum Beispiel konkrete Unterstützung von Traumapsychologen. Solche Hilfe von Traumapsychologen zu erhalten, bezeichne ich als wahrlich dem Leben zugewandte Hilfe, als jemandem einen Strick zu reichen und mit dem nach wahrhaftiger Hilfe zum Leben geradezu Schreienden zu heucheln, wie schlimm das Leben doch sei und das es besser ist, im Schlimmen den Tod zu suchen.
Nebenbei bemerkt: Weshalb bringt sich der Heuchler, der dem eigentlich nach dem Leben Schreienden den Strick reicht, sich nicht gleich selber mit 'um die Ecke'. Ein Widerspruch, müsste es dem Strickereicher doch selber aktiv nach dem eigenen Tod dürsten.

Von nurhessen

Darf ich mal ganz persönlich werden: Ich, wir haben einen Sohn, Bruder durch Suizid verloren. Er war 27 Jahre alt. Nicht sichtbar behindert. Er hatte einen ungewöhnlichen Tag-Nacht-Rhythmus: Nachts wach, tags schlafend. Er spielte leidenschaftlich gerne Gitarre, verehrte in seiner Clique Kurt Cobain, eigentlich war er nicht besonders auffällig, er bewunderte die amerikanische NBA, sprach akzentfrei Englisch, stand nachts auf, um sich die Spiele anzuschauen, konnte 400 Spieler mit ihren jeweiligen Fähigkeiten „auswendig“, wurde von seinen Freunden gedrängt, sich auf „Asperger“ untersuchen zu lassen. Diese Diagnose wurde bestätigt. Er lebte weiterhin zufrieden, spielte Gitarre, lachte viel und gerne, konnte sehr witzig sein. Sein Studentenleben genoss er mit „Nichtstun“. Kokettierte mit dem „27er-Club“. Eines Tages: er war telefonisch für einige Tage nicht erreichbar. Dann: am anderen Ende – nicht mein Sohn -, sondern eine unbekannte Stimme. …ein Loch: „Mein Sohn? Ich will meinen Sohn sprechen!“- Stille: Ihr Sohn ist tot! Diese Selbstbestimmung hätte ich uns gerne erspart.

Von Gerti

@ A. Hellinger, nochmal zu Ihrem aktuellen Leserbrief bei kobinet (siehe oben).

Wenn Sie nun schreiben: "... Wenn aber Selbstbestimmung sowie bedarfsgerechte Assistenz für (möglichst) alle Lebenslagen - zu Recht - unser oberstes Ziel darstellt und zugleich Konsens dahingehend bestehen sollte, dass der Tod untrennbarer Bestandteil jeden Lebens ist, ..."
Dann frage stelle ich Ihnen die zynische Frage, ob es Ihnen recht ist, wenn diese Art (von Ihnen als Bestandteil "bedarfsgerechter Assistenz" beschrieben) 'sozialverträglichen Frühablebens' Ihrer Meinung nach Bestandteil des Persönliche Budgets sein sollte?
Wahnsinn, wie Ihre Gedanken in eine Richtung galoppieren, rasant die deutsche Geschichte im Rückwärtsgang.

Von Gerti

@ A. Hellinger:
Im Grunde genommen reden Sie somit (ich beziehe mich auf Ihren Leserbrief vom Donnerstag, 16. Juli 2015 14:35 bei kobinet; siehe weiter oben) P. Singer das Wort:

Singer ist den Behinderten und ihren Angehörigen auf den Fersen, weil er sich von denen finanziell betrogen, ausgeplündert, benachteiligt sieht, wie er noch vor wenigen Monaten öffentlich verkündete. Aus finanziellen Gründen und, wie Singer auch schriftlich kundtat und kundtut, ist es für ihn sowas von urkomisch und unnormal, dass jemand nicht laufen kann und nicht läuft, das ist für Singer sowas von a-normal, also, bei der Tatsache, dass jemand Rollstuhl fährt und nicht läuft, kriegte sich Singer nicht wieder ein. Und eben, dass er sich von Behinderten seiner persönlichen Finanzen beklaut sieht, da er wegen Behinderten selber höhere Krankenversicherungsbeiträge bezahlen müsse.

Mensch, fallen Sie doch nicht auf die Ihnen gestellten Wort-Fallen rein!
Oder ist das tatsächlich Ihre Intention, sich in (tödlichem) Selbstmitleid zu ergießen?

Von nurhessen

Und es gilt noch immer das Wort von Paul Celan:
„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“. Ich möchte hinzufügen: nicht nur aus Deutschland. Der Tod ist unumkehrbar; endgültig, kein Versehen und nicht wieder gutzumachen!

Von Gerti

@ A. Hellinger:
Weshalb kommen Sie gerade darauf, dass sich jemand freiwillig das Leben nimmt, wenn der / die Betreffende das macht, wie Sie schreiben:
"... Wenn aber Selbstbestimmung sowie bedarfsgerechte Assistenz für (möglichst) alle Lebenslagen - zu Recht - unser oberstes Ziel darstellt und zugleich Konsens dahingehend bestehen sollte, dass der Tod untrennbarer Bestandteil jeden Lebens ist, muss - gerade auch im Kontext von Inklusion und Gleichstellung - durchaus die Frage erlaubt sein, mit welchem Recht wir Menschen, die weder selbständig von Brücken springen oder dem Badewasser elektrische Spannung zuführen können, eine ihnen mögliche Form des autonomen Ablebens vorzuenthalten können glauben. ..."
Was wollen Sie damit sagen, Herr Hellinger?
Dass Behinderte benachteiligt sind, wenn die sich das Leben nicht selber nehmen können?
Haben Sie schon einmal etwas vom 'tödlichen Mitleid' gehört? Soll tödliches Mitleid wieder salonfähig werden?
Mit Ihren Worten sind erst recht Menschen gefährdet, die psychisch wankend sind und mit sich (gelegentlich) arg hadern.
Und noch eins: Wie wollen Sie denn verhindern, dass gezielt Missbrauch betrieben wird, Menschen getäuscht werden, die, an Stelle ihnen Lebensmut zu vermitteln und Teilhabe am Leben herzustellen, mit Todeswerbung zugetextet und zugequatscht werden?
Ich bin erschüttert, dass das von Ihnen verbrämt als Alternative zum Leben herausgestellt wird.
Bei Eltern und anderen Angehörigen von schwer(st)(mehrfach)behinderten Angehörigen verbreiten Sie vermutlich(!) mit Ihren verbrämt als Diskussion(seröffnung) dargestellten Gedanken um die tatsächlich (angeblich, Ihrer Meinung nach: freiwillig!) aus dem Leben Gehenden / aus dem Leben bereits Gegangenen Angst und Schrecken.
Wem reden Sie eigentlich nun zu?
In der Endkonsequenz reden Sie mit Ihren Überlegungen denen in der Gesellschaft gut zu, die an und bei Behinderten noch weiter 'sparen' wollen.

Von nurhessen

Oh, da fehlen mir aber die Worte! Zum Thema Suizid empfehle ich, einfach mal die Seite „Agus e.V.- Angehörige um Suizid“ aufzurufen.- Zur „Sterbehilfe“ einfach mal die vier überparteilichen Vorschläge sich zu Gemüte führen und dann ein Urteil bilden.

Von Arnd Hellinger

Auch wenn das Thema mit Pride-Parade und koordinierten Veranstaltungsterminen in Berlin eigentlich wenig zu tun hat, eine Anmerkung von mir:

Sicherlich müssen - gerade - wir Deutsche bei der Legalisierung von Sterbehilfe auf Grund der zwischen 1933 und 1945 hierzulande herrschenden Staatsdoktrin vom "lebensunwerten Leben" äußerste Vorsicht walten lassen und dürfen das Lebensrecht behinderter Menschen selbstredend NICHT der Verfügungsgewalt von Ärzten oder anderen "Fachleuten" anheim stellen. Das ist aber nach meiner Kenntnis auch gar nicht Absicht der momentan diskutierten Sterbehilfe-Gesetzentwürfe - man belehre mich bitte, sollte ich hier falsch liegen...

Wenn aber Selbstbestimmung sowie bedarfsgerechte Assistenz für (möglichst) alle Lebenslagen - zu Recht - unser oberstes Ziel darstellt und zugleich Konsens dahingehend bestehen sollte, dass der Tod untrennbarer Bestandteil jeden Lebens ist, muss - gerade auch im Kontext von Inklusion und Gleichstellung - durchaus die Frage erlaubt sein, mit welchem Recht wir Menschen, die weder selbständig von Brücken springen oder dem Badewasser elektrische Spannung zuführen können, eine ihnen mögliche Form des autonomen Ablebens vorzuenthalten können glauben. Da Suizid und Suizidversuch keine Straftaten im Rahmen des StGB darstellen, könnte man derlei anmaßende Herangehensweise eben auch als Diskriminierung betrachten, oder...?

Damit will ich keineswegs Suizid und/oder Sterbehilfe das Wort reden, finde aber, dass auch in dieser Frage ALLE Seiten betrachtet werden müssen, bevor man zu einem Urteil gelangt.

Von Dr. Theben

@H.Percurs

Ihrer differenzierten Meinung kann ich ja auch zustimmen, aber der (wiederholten) platten Polemik gegenüber anderen behindertenpolitischen Aktiven eben nicht.

DR. Martin Theben

Von H. Percurs

In einem Beitrag (h.drager) wurde die Frage nach dem Widerstand von Behinderten gegen das geplante Selbst-Mord-Gesetz gestellt, über das im kommenden November im Bundestag abgestimmt werden soll.

Dies sei „selbstgerechtes Rumkritteln an politisch Aktiven“, so die Meinung eines anderen Foristen.

Angesichts der historischen Erfahrungen der Nazi-Zeit, wo die Ärzte alle Behinderten und Kranken ausrotten wollten und das auch in die Tat umgesetzt haben (Aktion T 4, 275.000 Ermordete), muss die Frage erlaubt sein, was Behinderte heute dagegen tun, wenn ähnliche Entwicklungen sich abzeichnen. Es ist ja aus anderen Ländern bekannt, dass – wenn das erste Selbst-Mord-Gesetz erst einmal durch ist – die Tötung auf immer mehr Personen ausgedehnt wird. Kürzlich wurde in Belgien wieder einmal ein noch weitreichenderes Tötungsgesetz erlassen. Aber, so konnte man lesen, die Belgier seien „entsetzt aufgewacht“. NACHDEM das Gesetz durch war - - -.

Dem im Kommentar von h.drager angegebenen Link habe ich entnommen, dass Behinderte z.B. in Großbritannien (Not Dead Yet) vehement gegen ein „Selbst-Mord-“ bzw. „Sterbehilfe“ - Gesetz kämpfen.

Meine Meinung ist, dass der Kampf um die Bereitstellung lebenswürdiger Lebensbedingungen für Behinderte und, dem wäre hinzuzufügen, für alle, vom Widerstand gegen das geplante Selbst-Mord-Gesetz nicht zu trennen ist, dass jener Kampf und dieser Widerstand einander wechselseitig bedingen.

h.percurs

Von Carsten

Guten Tag,

in Diesem Jahr habe ich mich auch erstmals zur Pride getraut, was mit verlaub, für einen Savant nicht leicht war. Dauern macht es mich ein wenig das es nicht möglich war neue Menschen kennenzulernen. Aber auch so habe ich viel gesehen und mich gefreut. So bleibt einem die hoffnung vielleicht im nächsten Jahr etwas mitfeiern zu können.

Was mich aber hier im besonderen wenig ersprießt, ist die gestallt der Diskussion, auch in hinblick auf ausdruck und Form, selbige einem Thema, das unabdingar damit verbunden ist, das auch Menschen minderheits Behinderungen, sich auf die Vertreter des Establishments verlassen können, ebenso wie auf Angebote der Lautsprechenden Progressiven Kräfte.

Die fruchtbarkeit eines gesprächs, liegt nicht in seiner unnachgiebigkeit des Vortrags, sondern im einbezug des Eigene wie des zu erreichnden Standpunktes. Alles andere ist nur Makjavelistische durch Schopenhauersche Rhetorik geschwängerte Schwarz Schrift.

Die Pride wird noch Jahre wachsen müßen, ebenso wie der Lauf, hier möchte ich an Bettina Wegner erinnern, Sind so Kleine Hände. In diesem Sinne zu Denken und die gemeinsamen Ziele zu erarbeiten wäre sinnvoll, auch und vorallem im Sinne der gesammten Menschheit, deren teil wir ja sind.

Oder da hier ja Einfachsprech sein soll, das mir Fremd ist, weg mit dem Diskutieren über die Unterschiedlichen Meinungen in Köpfen, rann an die gemeinsamen Ziele, egal ob Progressiv oder Konservativ.

Ich hoffe der Text war verständlich und Lesbar, besser geht es nicht.

Mit Lieben Grüßen
Carsten

Von Dr. Theben

Nochmal: Ich finde dieses ständige selbstgerechte rumkritteln an politisch Aktiven wie Matthias Vernaldi oder Ottmar Miles-Paul der ja auch zur Redaktion zählt wirklich zum ko.....

Die Kritiker sollen bitte mal vorweisen WAS sie den behindertenpolitisch einbringen und erreicht haben ...oder mal in Demut schweigen!

Dr. Martin Theben

Von h. drager

„Die Sonne dünkt mich hier so kalt,
Die Blüte welk, das Leben alt.
Und was sie reden, leerer Schall;
Ich bin ein Fremdling überall …“

„Party statt Pathologisierung, Kritik statt Sonntagsreden. … Die diesjährige ´behindert und verrückt feiern` - Pride Parade soll keine Inklusions-Fallerifallera werden … Her mit dem schönen Leben für alle“

Nein, nichts gegen das Feiern. Aber was?! Nicht der Falleri-Fallerifallera-Wandervogel („Drum wandre ich so lang ich kann / Und schwenke meinen Hut“) soll den Ton anstimmen und den `Marsch blasen´ - sondern: „rollt, humpelt, tastet euch vor“. Aber wohin?!
“Aufklärung", "Enthüllung" und "Kritik" sind längst eingeplant und nutzbar gemacht als Salz in der Scheindemokratie-Suppe, leicht zu konsumieren, greift niemanden an. Zwischen Trugbild und Realität unterscheiden, kann zu einer Frage von Leben und Tod werden. So ziemlich alle heute rennen Trugbildern hinterher und in die falsche Richtung. Und anders als zu Zeiten der Bauernkriege findet jedenfalls eine Mistgabel heute kein Ziel mehr. Der Nebel der Entfremdung lässt sich nicht aufspießen.
„Feiern“ – Also was? Etwa den Sieg über den EuthaNAZI-Propagandisten Singer. Richtig, auch dank der von kobinet mitgetragenen Kampagne („Kein Forum für den Euthanasie-Befürworter Peter Singer“, 11.05.2015) mussten die Veranstalter des Philosophen-Festivals zu Köln diesen krankenverachtenden Kosten-Nutzen-Abwäger und skrupellosen Verniedlicher des Patientenmords (an kind und alt) wieder ausladen (Ende Mai 2015).

Aber nun mal ehrlich. Kann das kobinet, können die Organisatoren der ´behindert und verrückt feiern` - Pride Parade, kann Matthias Vernaldi stolz sein auf ihr NixTun gegen, auf ihre Abwesenheit bei der sog. `Sterbehilfe´ - Debatte im Bundestag vom 2. Juli 2015.
In anderen Ländern, in denen EuthaNAZI-Lobbyisten ihren unersättlichen Blutrausch und ihre Mordlust durch willige scheindemokratische `Volksvertreter´ mittels der Beschließung von `Sterbehilfe´ - Gesetzen zu stillen trachten, `rollen, humpeln und tasten´ sich sog. `Be-hinderten´ - Gruppen vor das Parlament, suchen zum Beispiel ihre `Volksvertreter´ in ihrem Wahlkreis auf. So geschehen in Großbritannien, im Januar 2015. Und so wird es geschehen, auch im kommenden September.
Siehe http://www.spkpfh.de/Kurzmeldungen2.htm#NDY_UK_message_of_solidarity

Was also gedenken das kobinet, die ´Be-hinderten` - Gruppen, Matthias Vernaldi zu tun, wenn die Krankheits-Beseitigungstechniker in Deutschland im kommenden November sich anschicken, die nächste `Hürde´ zu nehmen, die ihnen das Grund- und Menschenrecht bisher noch entgegensetzt.
Dazu noch einmal in Erinnerung gebracht, auch weil es so lange noch nicht her ist:
Udo Reiter saß im Rollstuhl und hat sich umgebracht, weil er mit weiteren, aus seiner Sicht unzumutbaren Behinderungen rechnete. Auch andere sagen, sie würden sich töten lassen, wenn sie im Rollstuhl säßen oder sonstige Einschränkungen hinnehmen müssten. Krankheit soll weggemacht werden und mit ihnen die Kranken. Das ist ein Angriff! Wer krank ist, behindert, im Rollstuhl, vielleicht in Windeln oder gefüttert wird, ABER GERN LEBT, dem wird damit der Strick überbracht: So ein Leben ist nicht lebens-wert! Stirb!
Rollstühle und Windeln warten auf viele: jährlich 35.000 Verkehrsunfälle (die Toten schon abgezogen), 15.000 dauerhaft Geschädigte durch Ärztepfusch, 1,25 Millionen Freizeitsportunfälle (Michael Schumacher und andere), 3,7 Millionen Menschen, die vom Gift nicht loskommen (Tabletten, Alkohol), 15.000 schwere Unfälle am Arbeitsplatz. Also millionenfach zerfetzte Muskeln, zerquetsche Organe, zertrümmerte Knochen, abgerissene Nervenfasern. Und dann Rollstuhl und Windeln. Und dann von denen, die früher mal Kollegen und Freunde waren: Wäre es nicht besser …? Er hat doch selbst immer gesagt …
Aber mancher von denen, die, wenn es um die ANDEREN ging, so sehr fürs Töten waren, hängt dann vielleicht doch am Leben, wenn es um sein eigenes Leben geht. Wird er sich Gehör verschaffen können? Oder geht flugs die Tür auf und ein Krankheits-Beseitigungs-Techniker tritt an ihn heran? Diese Kranken-Beseitigung soll bald gesetzlich erlaubt sein. Und lege ARTIS. Denn einzig und allein der Arzt wird das Privileg haben, das Vorrecht, die Sondergenehmigung, ungestraft töten zu dürfen. So ist es in dem für November 2015 geplanten Selbst-Mord-Gesetz vorgesehen.
Vielen ist es daher nicht nach Feiern zumute, wie es auch im Aufruf der Organisatoren der ´behindert und verrückt feiern` - Pride Parade (selbstkritisch) heißt.
Was kann man tun? Hier einige Tipps: http://www.spkpfh.de/Wut_und_Aerger_2.htm

h. drager

Von andreasch

Hallo, lieber Martin! Ich wähle die vertraute Anrede, denn wenn ich mich recht entsinne, waren wir beim Du. Ich stimme dir in vollem Maße zu und bin froh, dass du dargestellt hast, wie es auf der Pride Parade wirklich zugeht. Und die website zeigt sehr wohl, dass den Organisator_innen bewusst ist, dass leider (noch) nicht alle auf die Straße gehen können, die das wollen: „Wir wissen, dass nicht alle sich zeigen können oder wollen. Viele werden mit richterlichem Beschluss weggesperrt oder festgebunden. Für viele sind Scham und Angst zu groß, um sich auf der Parade frei fühlen zu können. Vielen ist auch einfach nicht nach Feiern zumute. Vielen wird die Unterstützung nicht gewährt, die sie bräuchten, um an der Demonstration teilzunehmen...“
Seit langem ärgere ich mich über die unsachlichen Beiträge von Gerti (und Ritter!), die Aktivist_innen mit und ohne Behinderung beschimpfen, die Veranstalter_innen herabwürdigen, die Autor_innen beleidigen. Wir Leser_innen, aber auch das kobinet-nachrichten-Team dürfen das nicht durchgehen lassen.

Von Arnd Hellinger

Ich möchte mich dem Statement Dr. Thebens anschließen und - ganz nebenbei - auf den immensen Vorbereitungsaufwand hinweisen, derartige (Groß-)Veranstaltungen tatsächlich barrierefrei zu organisieren. Da lassen sich Termine nicht beliebig hin- und herschieben.

Zudem kann es die öffentliche Aufmerksamkeit für unser gemeinsames Anliegen auch erhöhen, wenn in Neukölln/Kreuzberg und Mitte/Tiergarten zeitnah ähnliche Aktionen zur selben Thematik stattfinden. Das zeigt nämlich auch dessen Vielschichtigkeit...

Von Dr. Theben

@Gerti,

bei allem nötigen Respekt aber diese Beitäge sind anmassend. Sie behaupten diese und die Piss-in Aktionen seien unangebracht, würden von anderen Misständen ablenken und vor allem die Interessen bestimmter Behinderungsgruppen nicht berücksichtigen. Ich will FRagen: WOHER WISSEN SIE DAS!!!!

Ich war auf den letzten zwei Pride-Paraden. Sie wurden von Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen konzipiert, organisiert und mit großem Erfolg umgesetzt. Es gab Beiträge von Menschen mit körperlichen, seelischen und geistigen Behinderungen bzw. Menschen mit Lernschwierigkeiten. Es gab unter den Teuilnehmern Menschen mit den verschiedensten Behinderungsarten oder anderen Stigmen. Sie alle klagten das (Inklusions)Establishment an, laut, provokant aber fröhlich! Dies so herabzuwürdigen beleidigt und diskriminiert Organisatoren und Teilnehmern. Sie stellen sich schützend vor vermeintliche Behinderungsgruppen die ihres Schutzes nicht bedürfen. Sie sind nicht besser als jeder andre Pseudo-Inklusions-Fürsprecher.

Tut mir leid, aber ich glaube so deutlich muss man sich mal zu Ihren Beiträgen äussern dürfen.

Nichts für Ungut

Dr. Martin Theben

Von Dr. Theben

Sehr geehrte liebe Andrea Schatz, die vertraute Anrede sei mir gestattet. Schön von Ihnen/Dir zu lesen.

Die letzten beiden Sätze des Beitrages haben was für sich. Es kann ber sein, was die Sache vielleicht nicht besser macht, das beiden Veranstalltungen eine unterschiedliche Programatik zu Grunde liegt. Den potentiellen Teilnehmern wird hier also ein echtes Wahlrecht geboten. Das ist doch auch mal was....

Grüße

Dr. Martin Theben

Von Gerti

Na ja: konservativ; die Braven-Fraktion, siehe http://www.netzwerkinklusion.de/fackellauf/termine/potsdam-berlin/

Die vorgeblich Renitenten und Offensiven: siehe Pride Parade der Behinderten
Und vor allem: Beides sind Veranstaltungen, im Huckepack mit den Instrumentarien der Ablenkungsmanöver und der Überredungskünstlerinnen und der Überredungskünste.
Ändern wird sich nichts; deutlich wird das auf der Seite http://www.netzwerkinklusion.de/fackellauf/termine/potsdam-berlin/
Die Hotevolaute gibt sich beim Inklusionslauf ein Stelldichein. Derweil werden im Hintergrund von anderen die Gelder verprasst, die Behinderten qua Gesetz zustehen.
Aber es wird ja so gern gefeiert. Bloß was, ist die Frage.

Von Gerti

Diversity = alle machen mit; ein/e jede/r wird gebraucht;
eher was aus der Ecke ' des Kaisers neue Kleider'.
Endlich bei der Bereitstellung lebenswürdiger Lebensbedingungen von Schwer(st)mehrfachbehinderter Menschen anfangen und dabeibleiben!
Alles andere hat keinen Sinn.
Kritik an der Diversität: siehe hier notiert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Diversit%C3%A4t_%28Soziologie%29

Von Gerti

Inklusionslauf = brav und angepasst; ohne Rücksicht auf Schwer(st)(mehrfach)behinderte Menschen
Helau und Alaaf!;
Die Parade in Berlin-Neukölln am zweiten Juli-Samstag =
brav und angepasst; ohne Rücksicht auf Schwer(st)(mehrfach)behinderte Menschen
Helau und Alaaf!
Zur Problemlösung tragen beide Demonstrationen sicherlich nicht bei.

Von andreasch

Da finden nun 2 große, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen zur Inklusion an einem Tag und noch dazu zeitgleich statt! Klar, Berlin ist groß und von Inklusion kann man nicht genug haben. Dennoch finde ich es sehr schade, dass sich die Organisator_innen vom Netzwerk Inklusion und von der Pride Parade nicht abgestimmt haben – getreu den Worten von Dominik Peter, dass wir einen Ruck pro Inklusion nur gemeinsam schaffen können, um uns in wichtigen Themen Gehör zu verschaffen.
So aber wird nun gegen 15.30 Uhr am Potsdamer Platz die Inklusionsfackel erwartet und anschließend ein Aktionstag Inklusion & Diversity gefeiert, mit buntem Bühnenprogramm und Ständen mit Möglichkeiten zur Selbsterfahrung und zum Austausch.
Und zeitgleich sollen sich möglichst viele am Herrmannplatz versammeln, um ab 16 Uhr auf der Strecke durch Kreuzberg bis zum Kottbusser Tor „behindert & verrückt“ zu feiern.
Wie wirksam und machtvoll wäre es gewesen, wenn das Finale des Inklusionsfackellaufs zugleich der Beginn der Pride Parade gewesen wäre!