Lebenshilfe zum Pflegestärkungsgesetz

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Ulla Schmidt
Ulla Schmidt
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) Die Bundesvereinigung Lebenshilfe begrüßte heute die geplante Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und kritisierte indes, dass der vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegte Referentenentwurf nur die Pflegeversicherung in den Blick nimmt. Die Auswirkungen auf die Sozialhilfe (Hilfe zur Pflege und Eingliederungshilfe) und dort notwendige Änderungen würden ausgeblendet. Der Referentenentwurf lasse ein übergreifendes Gesamtkonzept für pflegebedürftige und behinderte Menschen nicht erkennen. Bundesvorsitzende Ulla Schmidt erklärte: „Für Menschen mit geistiger Behinderung, die oftmals auf Leistungen der Pflege und der Eingliederungshilfe von Geburt an angewiesen sind, ist das reibungslose Ineinandergreifen der verschiedenen Systeme von besonderer Bedeutung. Dies wird durch den Entwurf in der vorliegenden Fassung jedoch eher noch erschwert werden. Hier sind Nachbesserungen dringend erforderlich."

Anliegen der Lebenshilfe sei es, dass junge Menschen mit Behinderung und deren Angehörige in der Pflegeversicherung nicht vergessen werden: Es macht einen Unterschied, ob jemand bereits von Geburt an sein ganzes Leben lang auf pflegerische Leistungen angewiesen ist oder diese erst im hohen Alter für eine kurze Dauer benötigt. Ein wichtiger Schritt zugunsten junger Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf wäre die Möglichkeit, Pflegesachleistungen im Rahmen eines Persönlichen Budgets zusammen mit Leistungen der Eingliederungshilfe zu erhalten.

Zudem müssten die Rentenleistungen für langzeitpflegende Angehörige verbessert werden. Bei Menschen, die von Geburt an auf pflegerische Unterstützung angewiesen sind, übernehmen Familienangehörige die Pflege über sehr lange Zeit – oft über mehrere Jahrzehnte. Dies stellt pflegende Angehörige vor gravierende Herausforderungen mit teilweise erheblichen Auswirkungen auf ihr eigenes Berufsleben. Daher bedarf es insbesondere für langzeitpflegende Personen der besseren rentenrechtlichen Absicherung und Honorierung ihrer Pflegeleistungen.

Lesermeinungen zu “Lebenshilfe zum Pflegestärkungsgesetz” (1)

Von nurhessen

Merkwürdig oder nur eine zufällige Koinzidenz mit dem „Aufstand“ von Eltern tritt in den Kobinet-Nachrichten jetzt die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Frau Ulla Schmidt mit menschelnden Forderungen und Verständnis für Eltern, auf. Spannend folgender Passus:
„Ein wichtiger Schritt zugunsten junger Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf wäre die Möglichkeit, Pflegesachleistungen im Rahmen eines Persönlichen Budgets zusammen mit Leistungen der Eingliederungshilfe zu erhalten.“
Die Frage ist natürlich, wie die Pflegesachleistungen im Einzelnen aus der Sicht der Lebenshilfe gestaltet werden sollen und ob tatsächlich an ein „personenzentriertes Persönliches Budget gedacht ist“, das unabhängig von der Lebenshilfe entwickelt werden kann oder welche Mogelpackung sich hinter dieser Forderung verbirgt. Entweder ist der „Aufstand der Eltern“ nur ein Sturm im Wasserglas mit dem Ergebnis, dass das „Persönliche Budget“ eine völlig andere Zielsetzung als die der Eltern und der betroffenen Menschen mit Behinderung verfolgt und man will eine Strategie mit Beruhigungspillen fahren oder die Lebenshilfe fühlt sich in der Sache nun endlich herausgefordert. Aber man muss es wohl abwarten. Sehr konfus das Ganze!