Altersarmut trotz Vollzeitjob

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Raul Krauthausen
Raul Krauthausen
Bild: Raul Krauthausen

Berlin (kobinet) Seit fast 20 Jahren arbeitet Raul Krauthausen nun Vollzeit, trotzdem droht er in die Altersarmut zu verfallen, weil er von der Anrechnung des Einkommens und Vermögens auf die Unterstützungsleistungen betroffen ist, die er als behinderter Mensch braucht. In der Hufflington Post hat Raul Krauthausen in einem Blogeintrag seine und die Situation vieler behinderter Menschen erläutert.

"Mein Name ist Raul Krauthausen. Ich bin 35 Jahre alt und arbeite leidenschaftlich gerne. Ich habe das Glück, in meinem Beruf soziale Projekte anzustoßen und für die Rechte von Menschen mit Behinderung zu kämpfen. Doch weil ich auf Hilfe im Alltag angewiesen bin, darf ich nie mehr als knapp 700 Euro im Monat verdienen. Jeder weitere Cent wird auf die Kosten meiner Assistenz angerechnet", beschreibt Raul Krauthausen seine Situation. "Im Alter werde ich ganz sicher an Altersarmut leiden, denn mein Kontostand darf nie mehr als 2.600 Euro überschreiten."

Link zum vollständigen Beitrag in The Hufflington Post

Lesermeinungen zu “Altersarmut trotz Vollzeitjob” (7)

Von nurhessen

P.S.
Vorbildlich im „gelobten“ nordischen Land ist auch die stets transparente Bürokratie im Sinn keiner bürokratischen Hemmnisse, sondern individuelle Lösungen für alle. Vor allem ist die Erwachsenenbildung, Bildung für jeden und in allen Lebenslagen ohne Hemmnisse möglich. Niemand wird ungläubig angestarrt, wenn er sich 55 Jahren für eine Umschulung entschließt oder ein Studium beginnt. Niemand ist jemals „zu alt, zu unbegabt, zu behindert …“, um von Neuem zu beginnen…

Von nurhessen

OFF-TOPIC:
Passt zwar zu keinem behindertenspezifischen Thema –also: off-topic; passt aber gegen Diskriminierung; denn mein schlechtes Gewissen plagt mich ja schon ein bisschen. Deshalb: aus dem nördlichen Land gibt‘s auch Positives zu berichten: Gestern Abend demonstrierten spontan 15 000 Menschen alleine in Helsinki gegen Rassismus und Diskriminierung. Und das im Sommer, der den Finnen heilig ist.

Von nurhessen

Hallo Herr Drebes,

es handelt sich um ein Hotel, nachdem der Rollifahrer aus einem Obdachlosenasyl im Winter ausgezogen ist, da er im Schnee steckengeblieben war. Jetzt gehen seine Ersparnisse aus Einkommen und Vermögen zur Neige. Grüße

Von Sven Drebes

Hallo nurhessen,

leider bin ich des Finnischen nicht mächtig. Ich kann also weder nachvollziehen, ob der Rollifahrer in einem Behinderten- oder einem Obdachlosenheim lebt, noch warum er in dem einen oder anderen lebt.
Natürlich ist es dumm, Behindertenheime zu schließen, ohne Wohnungen (um) zu bauen und alternative Unterstützungsangebote zu schaffen. Aber, wie schon gesagt, das will auch keiner. Wenn man in Deutschland ein neues Gesetz macht, muss man ja nicht alles bei einem Land abschreiben, sondern sollte schauen, was im bisherigen gut war und was woanders besser ist. Und man kann aus den Fehlern Anderer lernen.

Von nurhessen

Hallo Herr Drebes,

klicken Sie mal auf

http://www.hs.fi/kaupunki/a1437968286803;
ein erschreckendes Video?? So, ist die Realität

Von Sven Drebes

Hallo nurhessen,

wenn Sie die entsprechenden Papiere der Behinderten- und Wohlfahrtsverbände lesen, werden Sie sehen, dass überall die Beibehaltung bzw. Stärkung der positiven Aspekte des Fürsorgesystems, Bedarfsdeckungs- und Individualitäts-Grundsatz, fordern.

Und Mangel an bezahlbaren barrierefreien Wohnungen haben wir hier auch. Nur sind hierzulande nicht mal die Obdachlosen-Unterkünfte barrierefrei...

Von nurhessen

Kleine Anmerkung zu den möglichen Folgen einer Einkommens-und Vermögensunabhängigkeit für Menschen mit Behinderung und konsekutiver Entlassung aus dem m.E. schlechtgeredeten „Fürsorgesystems“, das immerhin Sozialstaatlichkeit und Solidarität mitbeinhaltet. In einem unserer nördlichen Wohlfahrtsstaaten, in denen Einkommens- und Vermögensunabhängigkeit herrscht, berichtet die Presse neuerdings tagtäglich über Fälle, in denen Menschen mit Behinderung oder im Alter vor dem Nichts stehen, da auf dem freien Markt der Wettbewerbe einfach keine geeigneten barrierefreien Wohnungen bzw. Altenwohnheime vorhanden sind. Menschen mit Behinderung und alte Menschen sind gezwungen mit ihrem Einkommen und Vermögen u.a. in Obdachlosenunterkünften zu „wohnen“, die sind barrierefrei, oder sich in geeignete Hotels einzumieten. Bis ihr Einkommen und Vermögen aufgebraucht ist…Ist das unser Ziel?