Aalener Wohnprojekt besucht

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Manne Lucha
Manne Lucha
Bild: MSIBW

Aalen (kobinet) Baden-Württembergs Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha hat heute auf seiner Sommertour ein Projekt besucht, an dem auch Menschen mit Behinderungen beteiligt sind. Mit dem Projekt Familienwohnen Aalen sei ein beispielhafter inklusiver Wohnraum mitten in der Stadt und damit mitten in der Gesellschaft entstanden, sagte Lucha. Menschen mit Behinderungen hätten das Recht, selbstbestimmt am Leben in der Gemeinschaft teilzuhaben. Deshalb müssten die Menschen selbst entscheiden können, wo und wie sie wohnen. Das Aalener Projekt belege eindrucksvoll, dass es sogar Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ermöglicht werden könne, mit Menschen ohne Handicap unter einem Dach zu leben.

Das „Familienwohnen" ist ein Projekt der Samariterstiftung Behindertenhilfe Ostalb. Fünf Menschen mit Behinderungen und eine Familie mit vier Kindern bilden hier eine Lebens- und Wohngemeinschaft. Die Menschen mit Behinderungen, die unterschiedlichen Alters sind, haben zum Teil hohen Unterstützungsbedarf. Das Haus, in dem die Menschen zusammenleben, ist denkmalgeschützt, wurde aber in den letzten Jahren umgebaut und ist zum Teil barrierefrei. Die Bewohnerinnen und Bewohner nutzen den Wohn- und Küchenbereich gemeinsam. Das Haus liegt zentral im Stadtgebiet von Aalen.

Lesermeinungen zu “Aalener Wohnprojekt besucht” (3)

Von Parteienkritiker

Die Samariterstiftung ist als großer Komplex-"Träger" pardon Sozialunternehmen der Diakonie Württemberg natürlich breit aufgestellt und bietet alles von der "Wiege bis zur Bahre" aus einer Hand - für den bequemen bzw. mit seinen Hilfebedürfnissen überforderten Menschen und deren Angehörigen. Natürlich hat auch die Samariterstiftung - wie alle großen Sozialkonzerne und deren Ableger im Ländle - sich weit im Vorfeld dieser Besuchstour von dem Herrn grünen Minister Lucha präpariert und den zuständigen Beamten im Sozialministerium viele bunte Prospektchen zukommen lassen, damit der Minister sich ganz bequem die Tour zusammenstellen hat lassen können... Und zack - die Schmiere der Wohlfahrtskonzerne hat wieder wie gesessen funktioniert! Wetten, dass die Beamten bei Vorschlägen für Besuche von echten und innovativen Dienstleistungsangeboten von Firmen aus dem Umfeld der LIGA Selbstvertretung fünfmal mehr bunte Prospektchen und hundertmal die Geschäftszahlen angefordert hätten, während sie den Einladungen aus dem Wohlfahrtskartell von Diakonie, Caritas & Co. schon per se "Glauben schenken"?
Während sonst hierzulande oft Familien auseinanderfallen (gerade auch, wenn das Thema Behinderung massgeblich hineinspielt!), wird mit einem solchen Bild, zugleich Klischee, zwanghaft an einem Familienbild festgehalten, das so möglicherweise immer weniger existiert und überdies einer selbstbestimmten Lebensgestaltung diamentral entgegenstehen könnte. Da haben ja gerade die Grünen ansonsten ganz brauchbare Konzepte bzw. Vorstellungen. Aber die Grünen in BaWü ticken ja seltsamerweise völlig anders... Sind die etwa auch schon von schwarz geschmiert worden?

Von Gisela Maubach

@ Lesebrille

Sie haben den Nagel absolut auf den Kopf getroffen.

Eltern von Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf "ermöglichen" ihren Kindern zum Teil über Jahrzehnte ein inklusives Leben unter einem Dach, und bewahren sie so vor der Aussonderung in die Sondereinrichtung.

Für ihre eigenen "Projekte" werden die Eltern allerdings mit Füßen getreten, indem man sie nicht nur finanziell sondern auch physisch zugrunde gehen lässt . . . und indem man sie gegen Windmühlenflügel kämpfen lässt, wenn sie ihr "Projekt" dahingehend verändern möchten, dass sie die Assistenz endlich nicht mehr selbst leisten möchten, sondern tatsächlich als Form der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft "ermöglicht" werden soll!

Von Lesebrille

"Das Aalener Projekt belege eindrucksvoll, dass es sogar Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ermöglicht werden könne, mit Menschen ohne Handicap unter einem Dach zu leben."

Aha! Und was an diesem Satz ist innovativ? Denn tatsächlich war das ja wohl auch in der eigenen Familie so.

Ich hoffe aber, dass die Umsetzung des Projektes tatsächlich inklusiv ist und nicht nur eine Verschiebung von der eigenen in eine andere Familie.

Wenn ich die Seite der Samariterstiftung dazu lese, bin ich mir nicht sicher, ob die Selbstbestimmung des behinderten Menschen im Mittelpunkt steht, oder dass gar der eigenen Entscheidung, wo und wie sie leben wollen, entsprochen wurde.

"Greenwashing" haben wir zu oft!