Neuaufbruch in der Inklusionspolitik
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
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Berlin (kobinet) Seit dieser Woche ist in Berlin die neue Landesregierung aus Sozialdemokraten, Linken und Grünen im Amt. Die Koalition will einen Neuaufbruch in der Inklusionspolitik. Das betonte Elke Breitenbach im Gespräch mit der Berliner Behindertenzeitung. Die 55-Jährige von der Linkspartei ist Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales. Barrierefreiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung nannte sie als zentrale Punkte, die sich im Koalitionsvertrag finden.
Für die neue Koalition sei ein Schwerpunkt der Ausbau der inklusiven Schulen und die Verbesserung der Betreuung von Kindern mit Behinderung in der Kita. Bis Ende der Legislaturperiode werden 36 inklusive Schwerpunktschulen errichtet. Mit einem Gesamtkonzept zur Mobilitätssicherung sollen die unterschiedlichen Verkehrsmittel miteinander stärker verzahnt werden. Der Sonderfahrdienst bleibt erhalten. Zusätzlich sollen bis Ende 2021 etwa 800 Taxen zu multifunktionalen, barrierefreien Taxen umgerüstet werden. Der barrierefreie Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs wird fortgeführt, mit der Einführung sprechender Busse und Bahnen begonnen.
Im Leitartikel schreibt das Blatt des Berliner Behindertenverbandes zu den Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag: "Leicht können die Interessen behinderter Menschen anderen, scheinbar gewichtigeren Themen geopfert werden. Deshalb brauchen wir einen Landesbehindertenbeauftragten, der selbst behindert ist und engagiert genug, unsere Interessen zu vertreten. Es kann und darf kein Behindertenbeauftragter aus den Reihen der Verwaltung sein."

Von mheidelberg
"inklusive Schwerpunktschulen"
- Ist das nicht ein Widerspruch in sich?
Von Dr. Theben
Diese Diskussion ist interessant aber wenig zielführend, da WIR es nicht entscheiden, sondern der Senat im Einvernehmen mit dem Landesbehindertenbeirat.
Seit dem der Landesbehindertenbeauftragte in Berlin gesetzlich verankert ist (seid 1999) hatten wir mit Martin Marquard einen aus der Behindertenbewegung und mit DR. Schneider einen aus der Verwaltung, dort vorher auch für Behindertenpolitik zuständig - beide waren sehr gut!
Grüße
DR. Theben
Von Thomas Künneke
... und wäre es nicht mal Klasse, wenn die Funktion ein Mensch mit einer Lernbehinderung und einer passenden "Assistenz" ausfüllen würde. Das wäre ein Zeichen von "Anderssein ist das Normale"... Dieser Mensch würde dem Amt einen noch politischeren Sinn im Verständnis der UN-Behindertenrechtskonvention geben...
Thomas Künneke
Kellerkinder e.V.
Von Thomas Künneke
Ich bin behindert, ich bin Sozialarbeiter, vorweg, ich will kein Landesbehindertenbeauftragter werden... Ich würde es sehr begrüßen, wenn der*die Landesbehindertenbeauftragte selbst betroffen wäre, dass ist nur konsequent.
Ich halte einen Ingenieur, einen Juristen, einen Sozialarbeiter usw. für geeignet. Ich teile auch die Auffassung das ein Sozialarbeiter wahrscheinlich weniger technisches Verständnis besitzt als ein Ingenieur... Ein Sozialarbeiter hat aber vielleicht mehr Verständnis in Bezug auf seelische oder Lernbehinderungen. Natürlich können wir diese Gruppen mal wieder vergessen... Jede*r neue Landesbehindertenbeauftragte wird dazulernen müssen , damit er alle erreicht... Schade, dass wir untereinander immer noch so exklusiv denken.
Thomas Künneke
Kellerkinder e.V.
Von Alexander Drewes
Ich kenne mindestens einen selbst beeinträchtigten Juristen, dem ich das Amt zutrauen würde und von dem ich auch weiß, dass er sich beworben hat.
Von Lesebrille
@Signe:
JuristInnen und SozialarbeiterInnen mal im Rundumschlag auszusortieren halte ich für keine gute Idee!
Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass Theresia Degener, Nancy Poser, Andreas und Gunter Jürgens (Aufzählung unvollständig) behinderte JuristInnen sind, die sich so sehr für unsere Rechte engagieren, dass einigen davon das Bundesverdientskreuz verliehen wurde. Oliver Tolmein, noch unbehindert, kann man ebenfalls kein "Blasssein" vorwerfen.
Und auch SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen sind sehr wohl fähig, andere Menschen sehr fundiert zu beraten.
Auf die Schnelle gefunden:
Friederike Schlegel, Petra Jacobs, Hannes Heiler (noch nicht behindert) (Aufzählung auch hier unvollständig). Frau Schlegel ist Behindertenbeauftragte einer Grossstadt! Alle arbeiten mit und für andere behinderte Menschen und das mehr als fundiert und auf Augenhöhe.
Von Ulrike
Und: Jeder Sozialarbeiter kann sich über andere Sachverständnis aneignen. Das kann man in einem solchen Berufsfeld erwarten.
Von Ulrike
@ von Signe Um heutzutage den Beruf des Sozialarbeiters zu erlernen gibt es durchaus welche, die als Quereinsteiger aus anderen hier relevanten Berufen für den Posten eines Landesbehindertenbeauftragten geeignet sind. Ich kann daher nicht verstehen, warum der Beruf "Sozialarbeiter" hier niedergemacht wird. Diesem Berufstand zu unterstellen man habe oftmals kein Sachverständnis, halte ich für unverschämt.
Von Signe
Und ich möchte, dass diese Vertrauensstellung 'Landesbehindertenbeauftragte/r' von jemanden wahrgenommen / ausgefüllt wird, die / der nicht jetzt schon Post und Pöstchen in sich vereint und LEBENSERFAHRUNG aufweist.
Von Signe
"... Deshalb brauchen wir einen Landesbehindertenbeauftragten, der selbst behindert ist und engagiert genug, unsere Interessen zu vertreten. Es kann und darf kein Behindertenbeauftragter aus den Reihen der Verwaltung sein. ..."
Ich möchte, dass dieses Vertrauensstellung Posten von einem Ingenieur, der selber behindert ist, wahrgenommen wird.
Aus Erfahrung: Sozialarbeiter haben oftmals kein Sachverständnis, wenn es um Technik und technische Zusammenhänge geht. Auch Jurist/innen sind an der Stelle fachlich oft mehr als blass.
Warum nun ein Neuer (Neuer = Behindertenbeauftragter) aus der Verwaltung qualitativ schlechter seinen Dienst verrichten sollte, dieses Vor-Urteil kann ich nicht nachvollziehen.
Über den jetzigen Landesbehindertenbeauftragten hat man nie was Schlechtes gehört.