Frühling auf Bötzow
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: sch
Berlin (kobinet) Der Duderstädter Orthopädie-Unternehmer Hans Georg Näder investiert weiter in Berlin. Unter dem Motto "Frühling auf Bötzow" wurde jetzt auf ein Projekt aufmerksam gemacht, für das die Berliner Zeitung die Schlagzeile "Rollstuhlwerkstatt mit Nobelküche" fand. Es geht um eine Zukunftswerkstatt, die in den denkmalgeschützten Backsteingebäuden der einstigen Brauerei des königlichen Hoflieferanten Julius Bötzow errichtet wird. Heute kamen zum Abschluss des stark besuchten dreitägigen Frühlingsfestes noch einmal Tausende auf das 24 000 Quadratmeter große Gelände, das Otto Bocks Enkelsohn 2010 erworben hat.
Anstatt der ursprünglich vorgesehenen Lofts soll hier das “Future Lab” des weltweit tätigen Unternehmens entstehen. Damit schafft der 51-Jährige, der in dritter Generation das Familienunternehmen führt, 200 Arbeitsplätze und investiert etwa 40 Millionen Euro. Das “Future Lab” ist Teil der ersten Bauphase, in der die ersten vier Häuser im Nordost-Teil des Geländes saniert und eine Tiefgarage errichtet werden. Im Frühjahr 2015 soll es fertig sein. Bötzow werde für die Kreativen der Stadt zu einem neuen Raum der Ideen, sagt Näder.
1919 gründete der Orthopädie-Mechaniker Otto Bock in Berlin eine Firma, um tausende Weltkriegsversehrte mit Prothesen und orthopädischen Produkten zu versorgen. Mit den traditionell handwerklichen Methoden war dieser Bedarf nicht zu decken. Deshalb seine Idee, Prothesenpassteile in Serienproduktion zu fertigen. Damit legte er den Grundstein für eine industrielle Fertigung.
Bald nach der Gründung zog das junge Unternehmen nach Königsee in Thüringen, der Heimat von Otto Bock. Drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurden das gesamte Privatvermögen der Familie und die Fabrik in Königsee entschädigungslos enteignet. Im niedersächsischen Duderstadt, später gefördertes "Zonenrandgebiet", begann dann der Aufstieg zum heutigen Weltmarktführer in dieser Branche.
Der Umsatz der Firmengruppe mit 7 000 Beschäftigten lag im vergangenen Jahr bei fast 800 Millionen Euro. Vor allem neuen Märkten in Asien, Südamerika und Nordafrika verdankt ottobock. heute wachsende Umsätze. Für die Sanierung des brach liegenden Areals der Bötzow-Brauerei in den kommenden Jahren wurde eine Investitionssumme von rund 150 Millionen Euro genannt.
Die Rollstuhlwerkstatt, von der eingangs die Rede war, wird eine gläserne Manufaktur, "in der individualisierte Mobilitätslösungen" zu bestaunen sind. "Bis es soweit ist, öffnen wir das Areal für Berlin und seine Besucher mit einer temporären Nutzung von Kunst bis Kulinarik", heißt es im Bötzow Bulletin. Es wurde in großer Auflage jetzt vom Berliner Unternehmen Näders in Deutsch und Englisch veröffentlicht. Auf dem Titel sind das Künstler-Duo Eva & Adele zu sehen, das stadtbekannte Paar, das schon mit seinem Outfit Kitsch zu Kunst machen will.
Für das Kulinarische steht unter anderen Sterne-Koch Tim Raue. Er eröffnet seine "Volksküche" mit dem französischen Namen "La soupe populaire" am 17. Mai. Die Suppe ist allerdings nicht kostenlos. Speis und Trank werden aber zu erschwinglichen Preisen angeboten. Die Karte richtet sich nach der im Atelierhaus dargestellten Kunst, also wirklich "Koch-Kunst". Wenn Eva & Adele jetzt ausstellen, sagt Tim Raue, "dann reichen wir unseren Gästen zum Beispiel Königsberger Klopse". Die Rampen für den Zugang von Gästen im Rollstuhl, die Restaurant und Atelierhaus im Brauerei-Gebäude von 1881 aufsuchen wollen, sind schon fertig.
