Pflegereform zügig starten
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: SoVD
Berlin (kobinet) Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Pflegeversicherung. „Es ist ein Fehler, die überfällige Pflegereform auf das Ende der Legislaturperiode zu verschieben. Damit riskiert die Koalition, dass die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs auch in der laufenden Wahlperiode fehlschlägt“, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer heute anlässlich des Auftakts des ersten Deutschen Pflegetags in Berlin.
Um den drohenden Pflegenotstand abzuwenden, müssten weitere Verzögerungen vermieden und ein verbindlicher Zeitplan aufgestellt werden, betonte Bauer. „Mit Blick auf die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen sind weitsichtige Konzepte erforderlich, die auf lange Sicht ein qualitatives Höchstmaß der Pflegeleistungen gewährleisten.“ Dazu müsse insbesondere die Personalausstattung in den Pflegeeinrichtungen aufgestockt werden. „Faire Löhne sind unerlässlich, um den Pflegeberuf aufzuwerten“, erklärte der Verbandspräsident.

Von harle
Die Pflege-Krise in Deutschland verschärft sich tagtäglich und verlangt schnelle Lösungen.
Wir brauchen einen konsequenten Neustart sowie umfassende Investitionen in die Pflegeinfrastruktur und keine wohlfeile Ankündigungspolitik, sondern eine „rasche Pflegereform“ bis zum Jahresende gilt es umzusetzen, dies direkt soweit mal zu den Äußerungen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin.
Und weiter: Der erste Schritt für eine wirkliche Reform wäre ein Sofortprogramm für die Aufwertung der Pflegeberufe und die damit verbundene Herstellung guter Arbeitsbedingungen und fairer Löhne.
Der Alltag von Pflegekräften ist von Arbeitsverdichtung, starren Zeitvorgaben und schlechter Bezahlung geprägt.
Von einer verbindlichen Personalbemessung ist im Koalitionsvertrag aber ebenso wenig die Rede wie von der Aufstockung öffentlicher Gelder. Unter diesen Vorgaben droht Gröhes Reform sich in die Placebo-Politik der Vorgängerregierungen einzureihen.
Menschenwürdige Pflege darf nicht länger als Kostenfaktor in der öffentlichen Diskussion diskreditiert werden. Die bisherigen Äußerungen der Bundesregierung sind in dieser Hinsicht leider enttäuschend.
Um die dringend nötigen Verbesserungen für Pflegende und Pflegebedürftige sowie das Pflegepersonal aus der Pflegeversicherung zu finanzieren, muss sich Gröhe vom Teilkaskoprinzip verabschieden.
Es gilt, für eine soziale und umfassende Reform der Pflegereform zu streiten.
Von EK
Solange es bei "Reformen" lediglich darum geht, noch mehr "Geld ins System" zu stecken, verändert sich nichts zum Besseren.
Beispiel:
Bereits zu Zeiten von Ulla Schmidt wurde ein Zuschuß für Demenzkranke beschlossen. Folge: breitflächige Einrichtung von "Demenzstationen" in Heimen, reihenweise Diagnosen durch Hausärzte um den Zuschuß zu bekommen, "alarmierender Anstieg von Demenzerkrankung" (BARMER GEK Pflegereport 2010). Salopp ausgedrückt: alles was sich nicht wehren konnte, wurde diagnostiziert, im obersten Stockwerk der Pflegeheime eingesperrt, medikamentös ruhig gestellt oder tagelang an den Rollstuhl gefesselt und mit einem Personalschlüssel von 2:25 oder 2:30 "versorgt". Solange ein Heim nach dem anderen gebaut wird, kann niemand wirklich behaupten, daß kein Geld da ist, und doch wird die Mär vom Fachkräftemangel/Geldmangel geglaubt.
Es geht nicht um noch mehr Geld, sondern um Transparenz und klare Vorgaben zur Verwendung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention. Eine "Pflegereform" die den Namen verdient, kann nur unter Mitwirkung Betroffener erreicht werden. Leider sind in allen Bereichen die Berufslobbyisten offensichtlich zu stark vertreten (siehe auch Fachausschüsse des/der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung)
Von behindertenrecht
Familienunterstützende Maßnahmen und persönliche Assistenz, anstelle von Personalaufstockung und Betrufsbetreuung , müsste gerade beim neuen "Pflegebedüftigkeitsbegriffe" verankert werden, weil das auch Sinn und Zweck der UN-BRK ist, damit Inklusion gelingt und die Grundrechte erhalten bleiben .
Von behindertenrecht
Zitat
Dazu müsse insbesondere die Personalausstattung in Pflegeinrichtungen aufgestockt werden .
Zitat Ende
WARUM sollen behinderte Menschen mit Assistenbedarf weiterhin ihr Leben allein in Einrichtungen verbringen und anstelle von selbstgewählter persönlicher Assistenz,die ja Vorrang bei der Hilfegewährung hat, daß Personal aufgestockt werden ?
Das ist doch mit einen qualitativen Höchstmaß von Pflegeleistungen gar nicht vereinbar .
Man kann noch so höchstmäßig qualtativ ausgestattet sein, daß aber nicht zum Wohlfühlen beiträgt , wenn man keine grundsätzlichen persönlichen Freiheiten geniesen kann .