Lehrstuhl für Sonderpädagogik an Universität Greifswald
Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul
Bild: Mecklenburg-Vorpommern
Greifswald (kobinet) Die Universität Greifswald wird künftig einen eigenen Lehrstuhl für Sonderpädagogik erhalten. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur von Mecklenburg-Vorpommern und die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald haben eine entsprechende Teilzielvereinbarung geschlossen. Die Vereinbarung sichert ab, dass Studierende des Lehramts an Regionalen Schulen und Gymnasien sonderpädagogisch ausgebildet werden.
"In Mecklenburg-Vorpommern werden immer mehr Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem und ohne erhöhten Förderbedarf gemeinsam lernen. Die Inklusion wird im Schulalltag immer wichtiger", sagte der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb. "Junge Lehrerinnen und Lehrer müssen deshalb bereits in der theoretischen Phase ihrer Lehramtsausbildung auf das Gemeinsame Lernen vorbereitet werden. Ihnen soll möglichst früh vermittelt werden, wie sie mit Schülerinnen und Schülern mit erhöhtem und ohne erhöhten Förderbedarf umgehen", so Mathias Brodkorb.
An der Universität Greifswald wird deshalb eine W2-Professur für Erziehungswissenschaften/Sonderpädagogik in den Förderschwerpunkten "Lernen und Sprache" eingerichtet. Das Besetzungsverfahren hat bereits begonnen. Außerdem wird die Universität eine weitere Mitarbeiter-Stelle für den Bereich "emotionale und soziale Entwicklung" mit einem Deputat von wöchentlich 16 bis 18 Lehrveranstaltungsstunden besetzen. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur fördert das Vorhaben insgesamt mit Mitteln in Höhe von 500.000 Euro.
Hintergrund für die Teilzielvereinbarung sind die Vorgaben des Lehrerbildungsgesetzes. Danach umfasst das Studium für das Lehramt an Regionalen Schulen neben den Fachwissenschaften für das erste und das zweite Unterrichtsfach sowie die zugehörige Fachdidaktik auch die Bildungswissenschaften einschließlich ausgewählter Elemente der Sonderpädagogik, insbesondere Fähigkeiten zur Erkennung und Förderung in den Förderschwerpunkten Lernen, emotional-soziale Entwicklung, Sprache, geistige sowie körperliche und motorische Entwicklung.

Von Lesebrille
Fortsetzung: Und auch ich würde mir wünschen, dass wir als LehrerInnen eingestellt und als BeraterInnen in Schulen zur Seite gestellt werden. Nicht nur, dass es längst gut ausgebildete Menschen mit Behinderungen gibt und immer mehr geben wird, die diesen Arbeit machen können. Es würde auch den eingeschränkten SchülerInnen helfen, Erwachsene mit Behinderungen kennenzulernen, die ihnen einen anderen Blick auf sich selbst und ihre Zukunft nahebringen können.
Emmanuelle Laborit schrieb in ihrem Buch "Le Cri de la Mouette" "Der Schrei der Möve", dass sie lange glaubte, dass sie jung sterben müsse, weil sie als Kind keine erwachsenen gehörlosen Menschen kennenlernte.
Ich weiss selbst, wie es ist, erst als Erwachsene umzudenken, und keiner "Normfigur" mit "Normenergie" nachzujagen, die ich nie erreichen kann.
Schon längst ist bekannt, dass nur weibliche Erzieherinnen für Jungen problematisch sind, weil ihnen die männliche Identifikationsfigur fehlt.
Hier ist es nicht anders. Und Inklusion heisst ja nicht zuletzt, dass sich die Schulen für eingeschränkte SchülerInnen zu öffnen haben, sondern ebenso für eingeschränktes Personal.
Von Lesebrille
Ich schliesse mich meinem Vorredner an. Denn was sagt denn der Begriff "Sonderpädagogik anderes, als dass es Menschen - hier Kinder - gäbe, denen man anders begegnen müsse, als nichtbehinderten Kindern. Das zementiert Ausgrenzung und ist mitnichten Inklusion, sondern bestenfalls Integration mit eingebautem Sonderweg; ein Erhalt des Status Quo, nur in anderen Räumen.
Immer wenn ich Sonderpädagogik höre oder lese, fühle ich mich zum Zombi erklärt, den man ohne bestimmte Vorkenntnis nicht kennenlernen könne. Das ist Quatsch!
Gut, ich bin "nur" körperlich eingeschränkt, rollstuhlnutzend, aber ich war damals in den 70ern die Erste in der Klasse und an der Regelschule. Für LehrerInnen wie Schulleiter eine Herausforderung, die sie meisterten - ohne Sonderpädagogik. Ebenso an den weiterführenden Schulen.
Ich bin der Meinung, dass diese Form der "Pädagogik" dazu führen kann, dass der Blick nicht mehr frei und unverstellt ist.
Behindertenspezifisches zu lernen ist sinnvoll, das leugne ich nicht, aber es gehört in die klassische LehrerInnenausbildung, frei vom "Sonder-Blick"! Das ist Inklusion und schafft Gleichberechtigung im Klassenverband.
Von Dr. Carsten Rensinghoff
Ich habe Herrn Brodkorb noch sehr positiv in Erinnerung, als er die Inklusion mit dem Marxismus gleichsetzte. Was er hier aber durchführt ist nicht hinnehmbar. Wir benötigen an Gymnasien und überhaupt allen allgemeinen Schulen keine Sonderpädagogen, sondern Lehrer, die in behinderungsspezifischen Themen kompetent sind. Eine sonderpädagogische Betreuung von als behindert deradierten SchülerInnen bedeutet doch wieder Ausschließung. Die sonderpädagogische LehrerInnenausbildung muss in beiden Ausbildungsphasen gestrichen/gestoppt werden. Die sonderpädagogischen Lehrerbildungsinstitute sind zu schließen. Alle Lehramtsausbildungsstätten müssen Behinderungsspezifika in der Lehre anbieten, die in der Hauptsache durch Experten in eigener Sache, also Menschen mit Behinderung, durchgeführt wird. Gegenwärtige LehrerInnen aller allgemeinen Lehrämter müssen ihrer Fort- und Weiterbildungsverpflichtung nachkommen und sich so ihre Kompetenz in Behinderungsspezifika erwerben. Nur so gelingt Inklusion auf und in allen gesellschaftlichen Ebenen. Nichtbehinderte Lehrende assistieren den behinderten Lehrenden bei der Vermittlung des Behinderungsspezifischen.