K(ein) besonderes Bedürfnis

Veröffentlicht am von Franz Schmahl

Enea, Carlo und Alex im VW-Bus 'on the road'
Enea, Carlo und Alex im VW-Bus 'on the road'
Bild: DETAiLFILM

Berlin (kobinet) Carlo Zorattis im vergangenen Jahr gedrehter Debütfilm "K(ein) besonderes Bedürfnis" war der Hit auf zahlreichen Festivals. Auf dem  56. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm erhielt er die „Goldene Taube". Am 11. Dezember kommt die deutsch-italienische Produktion bundesweit in die Kinos. Zoratti begleitet seinen langjährigen Freund Enea, einen 29-jährigen Autisten, auf der Suche nach der wahren Liebe, aber auch körperlicher Nähe.

Über einige Umwege führt die Tour Eneas und seiner beiden Gefährten in einem alten VW-Bus von Italien aus bis nach Deutschland. Es geht quer durch Europa auf der Suche nach einer Frau für Enea. Als letztes Ziel bleibt das kleine Dorf Trebel. Im „Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter", das hier angesiedelt ist, lernt Enea schließlich mit Hilfe der Sexualbegleiterin Ute, wie es sich anfühlt, eine Frau zu berühren und von ihr berührt zu werden. Das Filmteam zieht sich in diesem Moment dezent zurück - dieses Erlebnis gehört ihm ganz allein.

Als sich die drei Freunde danach auf dem Rückweg nach Italien machen, ist Enea nicht nur um diese eine Erfahrung reicher. Er hat auch gelernt, bei der Suche nach Liebe nur so weit zu gehen, wie er sich wohlfühlt - egal ob die gesellschaftlichen Vorgaben und vermeintlichen Selbstverständlichkeiten anders aussehen. Damit hat er vielen Menschen etwas voraus. Und es spielt am Ende (fast) keine Rolle mehr, dass das ursprüngliche Ziel der Reise unerreicht bleibt. Enea kehrt voller neuer Erfahrungen nach Hause zurück – er weiß jetzt, dass er das „erste Mal" nur mit der Frau seines Lebens erleben will.