Abschlussbericht: Rügener Inklusionsmodell erfolgreich

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

Wappen von Mecklenburg-Vorpommern
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Bild: Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin (kobinet) Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit besonderem und ohne besonderen Förderbedarf ist erfolgreich. Das geht aus dem abschließenden Forschungsbericht zum Rügener Inklusionsmodell hervor, den Prof. Dr. Bodo Hartke von der Universität Rostock und sein Forschungsteam vor kurzem in Schwerin offiziell vorgestellt haben.

"Mit den Evaluationsdaten zum Ende der Grundschulzeit im Juli 2014 liegen uns ermutigende Ergebnisse vor", sagte der Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb. "Das Rügener Modellvorhaben ergibt ein positives Gesamtbild, das sich bereits in den Ergebnissen zu den Schulleistungen und den Entwicklungsständen der Rügener Schülerinnen und Schüler des Vorjahres abgezeichnet hat. Ich gratuliere allen Beteiligten zu diesem Erfolg. Gleichzeitig sind die Ergebnisse ein Beleg dafür, dass wir den Prozess der Inklusion behutsam und sorgsam vorbereiten müssen, um dabei Schüler, Lehrer und Eltern mitzunehmen", betonte der Minister.

Die Daten der Rostocker Forschungsgruppe belegen eine positive Wirksamkeit von gemeinsamem Unterricht von Kindern mit besonderem und ohne besonderen Förderbedarf, wie es in einer Presseinformation des Bildungsministers heißt:

* In der Gruppe der Kinder mit einem hohen Förderbedarf sind positive Effekte im Bereich Lernen, tendenziell positive Effekte im Bereich emotional-soziale Entwicklung und im Bereich Sprache gleichwertige Fördererfolge wie in bisherigen Beschulungsformen zu verzeichnen, was zum Beispiel beinhaltet, dass lernschwache Kinder auf Rügen bereits nach drei Schuljahren die Schulleistungen erreichen, die vergleichbare Kinder in anderen Regionen erst nach vier Jahren erzielen.

* Die Häufigkeit von sonderpädagogischem Förderbedarf ist auf Rügen deutlich geringer als in der Kontrollgruppe (3,7 Prozent Rügen versus 11,4 Prozent Kontrollgruppe), das heißt, das inklusive Rügener Beschulungskonzept beugt sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderschwerpunkten Lernen, emotional-soziale Entwicklung und Sprache vor.

* Negative Effekte von Inklusion auf die Schulleistungen und Entwicklungsstände der Gruppe der Mitschüler sind auszuschließen, wogegen positive Effekte im Bereich emotional-soziale Entwicklung für die Gesamtgruppe aller Schülerinnen und Schüler vorliegen. Die Gruppe der Schülerinnen und Schüler auf Rügen zeigt besonders niedrige Werte im Bereich "Verhaltensauffälligkeit", aber hohe Werte im Bereich "Prosoziales Verhalten".

* Die Akzeptanz von Inklusion ist bei den beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern hoch, wobei sie bei Grundschullehrkräften etwas geringer ausgeprägt ist als bei Schulleiterinnen und -leitern und Sonderpädagoginnen und -pädagogen. Letztere sind zu 100 Prozent Befürworter bzw. Befürworterinnen von Inklusion.

Die auf Rügen ermittelten Ergebnisse entsprechen im Wesentlichen dem gegenwärtigen Forschungsstand über die Effekte gemeinsamer Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen in den Bereichen Lernen, emotional-soziale Entwicklung oder Sprache.

"Bemerkenswert an den Befunden ist, dass die gemeinsame Beschulung auf Rügen flächendeckend realisiert wurde", betonte Prof. Dr. Bodo Hartke. "Bei deutlichen Förderbedarfen aufgrund von Beeinträchtigungen in den Bereichen Lernen, emotional-soziale Entwicklung oder Sprache konnte im Einzelfall nicht auf eine Beschulung in einer entsprechenden Förderschule einer Nachbarregion ausgewichen werden. Der gemeinsame Unterricht wurde für so gut wie alle von besonderem Förderbedarf betroffenen Kinder realisiert und nicht nur für Kinder von Eltern, die einen besonderen Wert auf die inklusive Beschulung ihres Kindes legen. Insofern bieten die Rügener Daten Anhaltspunkte um abzuschätzen, was geschieht, wenn Inklusion zum Regelfall wird", sagte Prof. Hartke.

Bildungsminister Mathias Brodkorb dankte allen Lehrerinnen und Lehrern für ihren Einsatz und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihr Engagement und die geleistete Arbeit.

Kontakt: Universität Rostock Philosophische Fakultät, Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation Prof. Dr. Bodo Hartke, E-Mail: [email protected] - Internet: http://www.rim.uni-rostock.de/

Lesermeinungen zu “Abschlussbericht: Rügener Inklusionsmodell erfolgreich” (4)

Von Gerti

Ergänzung zu meiner Nachricht von g'rade eben:
Auch sowas: Es soll eine inklusive Party Mitte Juli 2015 sein, die jedoch (für viele, die es mit der deutschen Sprache nicht leicht haben) nicht etwa eine deutsche Bezeichnung gewählt wird, sondern eine anglo-amerikanische (nämlich: Englisch).
Warum nicht ein Motto, etwa wie: "Zum Spaß auf den Straßen und Plätzen", das versteht bestimmt (nahezu) jede und jeder.

Von Gerti

Hallo nurhessen,
es wird anscheinend jubiliert, was das Zeug hält und von einem Ereignis zum anderen gehechtet und gehechelt. Nichts scheint mehr tiefgründig beäugt und gegen's Licht gehalten zu werden.
Stattdessen die Teilnahme an einer nach der anderen Jubelparty, auf denen dann die Kritik zum Gag verkommen gelassen wird.
Das nächst'beste' Beispiel hierfür ist offensichtlich die Pride-Parade Mitte Juli 2015 in Berlin.
Allenthalben ein Signal an die Behörden landauf, landab, DIE an den Finanztöpfen sitzen und nix rausrücken:
So lange gejubelt wird, so lange geht's den Behinderten doch gut!
Nein, es wird nicht mehr ermittelt, statt dessen gebettelt (Chemnitz) und jubiliert (Berlin).

Von nurhessen

Hallo Gerti,
die Antwort ist einfach: es gibt eben nicht nur „niederträchtige Staaten“ …

Von Gerti

So, so, Rügen. Und die Ergebnisse aus der Forschungsstudie sollen auf die Bundesebene hochgerechnet (genau gesagt: hochgepeitscht) werden.
Wieviele Inselbewohner hat Rügen? Wiviele behinderte, schulpflichtige Kinder und Jugendliche hat Rügen?
Und die Aussagen der Grundschullehrer/innen werden überhört! Die Ergebnisse aus der Studie werden demnach der Öffentlichkeit als geschönt präsentiert.

Die Kobinet-Redaktion, namens der Autor Miles-Paul, hat offensichtlich die behindertenfeindlichen Aussagen des M. Brodkorb (mit dem Tätigen behindertenfeindlicher Aussagen lässt sich in Meck-Pomm wohl Karriere machen, wie sich an M. Brodkorb Weg bis hin zum Kultusminister feststellen lässt:
Kobinet hat mal ganz andere 'Töne' angeschlagen; siehe:
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/1663/R%C3%BCcktritt-und-Parteiausschluss-gefordert.htm/?search=Brodkorb
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/1660/Abgeordneter-setzt-Behinderte-mit-Tieren-gleich.htm/?search=Brodkorb
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/1667/Brodkorb-nicht-mehr-w%C3%A4hlbar.htm/?search=Brodkorb
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/1671/Daniel-K-Philipp-M-und-jetzt-Mathias-B.htm/?search=Brodkorb