Berliner Waldbühne bald barrierefrei?
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
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Berlin (kobinet) Nach der Konzertsaison in diesem Jahr sind in der Berliner Waldbühne Sanierung und Umbau angesagt. Behinderte Besucher erwarten, dass eine der schönsten Freilichtbühnen Europas auch für sie barrierefrei zugänglich wird. Geh- und sehbehinderte Fans der Waldbühne im Olympiapark wollen nun Verbesserungen, bevor wieder vollendete Fakten geschaffen werden. Im kobinet-Gespräch meint Ursula Lehmann heute, dass der Senat gemeinsam mit dem Denkmalschutz die lange bekannte Waldbühnen-Problematik lösen kann und muss. Die Rollstuhlaktivistin ist ehrenamtlich aktiv in den Arbeitsgemeinschaften Kultur barrierefrei sowie Bauen und Verkehr barrierefrei, die von den dafür zuständigen Senatsverwaltungen einberufen wurden.
kobinet: Verhindert der Denkmalschutz Barrierefreiheit in der Waldbühne, die 1936 zu den Olympischen Spielen errichtet wurde?
Ursula Lehmann: Nicht wirklich, aber Denkmalschutz wird immer wieder gern als vorgeschobenes Argument benutzt.
kobinet: In der Senatsverwaltung für Inneres und Sport wird bedauert, dass die Waldbühne die Anforderungen an Barrierefreiheit nicht erfüllt und wegen Bestandsschutz leider keine Verbesserungen in Aussicht gestellt werden könnten ...
Ursula Lehmann: ... aber Bestandsschutz und Denkmalschutz sind nur vernünftig und richtig, wenn die Anlage barrierefrei ist und niemand ausgegrenzt wird.
kobinet: Das haben Sie nach einem "wunderschönen Waldbühnenkonzert" am 15. August an Innensenator Frank Henkel geschrieben. Wie war das Konzert mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra?
Ursula Lehmann: Wirklich wunderschön! Aber der Konzertgenuss war getrübt, weil sich wieder mal gezeigt hat, dass die "Sonderloge" für Rollstuhlfahrer keine gute Lösung ist. Zahlreiche Besucher im Rollstuhl drängten sich noch vor der Loge und mussten sich auf Bänke darunter umsetzen lassen. Wollte gar nicht daran denken, was passiert, wenn plötzlich eine Evakuierung nötig gewesen wäre.
kobinet: Jahrzehntelang fuhren die Behindertenfahrdienste über den Murellenweg direkt an einen Seiteneingang, von wo Rollstuhlfahrer dann schnell zu ihren Plätzen unmittelbar vor der Bühne kamen ...
Ursula Lehmann: ... und die waren nicht limitiert, wie die Plätze jetzt oben in der Loge.
kobinet: Sie haben deshalb den Brief an Senator Henkel geschrieben.
Ursula Lehmann: Ja, ich will von ihm erfahren, wann und warum eine Verdrängung des Behindertenfahrdienstes und der Rollstuhlstellplätze zu Gunsten des Aufenthalts von Prominenten stattgefunden hat und warum dies bis heute toleriert wird.
(Das Gespräch führte Franz Schmahl)

Von Dr. Theben
@Dorle
offenkundig hat sich Frau Lehmann nicht mit dem Zustand in der Berliner Waldbühne abgefunden, oder gar einverstanden erklärt! Ansonsten hätte sie weder das Interview mit KOBINET geführt, noch dem Innensenator Frank Henkel einen Brief geschrieben. Die weitere Konsequenz wäre gewesen, auf das Konzert zu verzichten. Aber warum sollte sich Frau Lehmann den selbst bestrafen. Man kann für sich Kompromisse eingehen und gleichwohl diskriminierende ZUstände anprangern. Man hätte auch eine öffentliche Demo machen könnebn, aber dann hätte es hier wieder geheissen: Haben wir keine anderen Sorgen. Viel Spaß weiter beim Erinnerungen austauschen, ist auch schöner als mangelnde Barrierefreiheit anzuprangern.
Herzliche Grüße
Dr. Theben
Von Wolfgang Ritter__deleted__033916
Hallo Dorle,
ja ein Hornschlitten, eine echte Rarität heute noch und eine schöne Erinnerung an vielleicht nicht die besten aber schöne Kinderjahre damals in der Natur.
Schönen Abend,
Wolfgang Ritter
Von Wolfgang Ritter__deleted__033916
Hallo Dorle,
Ick hab noch nen ollen Schlitten von 1958 im Keller, wie wärs wenn wir dann gemeinsam rodeln, wenn die Waldbühne hoffentlich zur Rodelbahn wird?
Schönen Abend,
Wolfgang Ritter
Von Wolfgang Ritter__deleted__033916
Hallo Dorle,
heute am Sonntag sollste doch Dir net wieder uffregen, denk an dein schwaches Herz.
Es war damals eine verrückte Zeit Woodstock etc.
Schönen Sonntag trotzdem!
Wolfgang Ritter
Von Wolfgang Ritter__deleted__033916
Hallo Dorle,
wenn ich die Waldbühne lese, fällt mir immer gleich das Konzert der Stones ein, als die Fans die gesamte Bühne zerlegten.
War schon eine irre schöne Zeit!
Musik 1965 in Münster: Hilfe, die Stones kommen
Von Petra Noppeney
Eine Stadt im Ausnahmezustand: Wasserwerfer fahren vor der Halle Münsterland vor, britische und niederländische Militärpolizei rückt an, Ordner schirmen die vorderen Sitzreihen von den hinteren ab. Polizisten in Zivil hocken verstreut im Publikum, außerdem die Polizeipräsidenten aus Essen, Hamburg, Berlin und München. Sie rechnen vermutlich, wie so viele Skeptiker, mit dem Untergang des Abendlandes an diesem 11. September 1965 – dem Tag, an dem die Rolling Stones ihr legendäres erstes Deutschland-Konzert in Münster geben.
Zwei Mal 22 Minuten, zwei Mal acht Lieder, ein Mal um 17 und ein Mal um 20.30 Uhr – dann ist der Spuk vorbei. Währenddessen aber tobt ein Orkan in der Konzerthalle am Albersloher Weg, der sich in ohrenbetäubendem Lärm entlädt. Wer wie der damals 14-jährige Fritz Haver mittendrin sitzt, hat Pech: „Gegen das Gekreische des Publikums“, so erinnert sich der Musikjournalist aus Nordwalde, „kamen die schwachbrüstigen Verstärker nicht an.“
Es ist die Zeit, als junge Männer noch im Anzug und mit Schlips, die weiblichen Fans mit toupierter Helmfrisur und in gestärkter Bluse zum Konzert der Beatniks gehen.
Die Rolling Stones haben gerade einen Hit mit ungewohnt anzüglichem Text in den Charts platziert, der sie – neben den Pilzköpfen aus Liverpool namens The Beatles – endgültig als britische Rock- und Popband bekannt macht. „I Can’t Get No Satisfaction“ schallt es in Münster aus 5000 und einer Kehle an diesem Tag. Und als Sänger Mick Jagger dazu noch mit seinem kleinen Hintern wackelt, kennt die Verzückung der Fans, aber auch die Verärgerung der braven Bürger über solch sittenloses Treiben, keine Grenzen mehr.
Von „Mick Jagger und seinen jugendlichen Opfern“ spricht die „Wochenschau“ im Fernsehen nach den Konzerten.
Ekstase – sicher. Randale? Darauf warten diejenigen, die junge, unschuldige Menschen durch die Musikrebellen aufgewiegelt sehen, in Münster vergebens.
Nur ein paar Stühle gehen durch aufgewühlte Zuhörer zu Bruch. Die Wasserwerfer aber können wieder abziehen. Der Berliner Polizeipräsident indes wiegt sich nach dem Erlebnis in Münster in trügerischer Sicherheit:
Vier Tage später hauen die Fans beim Stones-Konzert das Mobiliar der Waldbühne kurz und klein und stecken es in Brand.
1972 kehren die „Stones“ noch einmal nach Münster zurück. Seither vermissen Musikfreunde Bands dieser Größenordnung schmerzlich im Programm der Halle Münsterland.
Und die „Stones“? Sie touren noch immer durch die Welt, begeistern Zigtausende, obwohl sie inzwischen fast im Rentenalter sind.
Manchmal allerdings machen Anekdoten am Rande – zum Beispiel über Keith Richards Ausfall nach seinem seltsamen Palmensturz – mehr Schlagzeilen als die Konzerte an sich. Fast so wie damals in Münster.