Gnadentod-Phantasien unerträglich
Veröffentlicht am von Franz Schmahl
Bild: Rolf Barthel
Berlin (kobinet) Als "unerträgliche Gnadentod-Phantasien für Rollstuhlfahrer" hat der christdemokratische Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe heute das Pamphlet eines Berliner Sterbehelfers bezeichnet. Vor der morgigen Abstimmung über Beihilfe zur Selbsttötung schickte Dr. med. Hanjo Lehmann an alle Mitglieder des Bundestages ein langes "Gedicht", in dem er über die Akteure der aktuellen Sterbehilfedebatte zu Gericht sitzt. Er "verflucht" und "verurteilt" die Gegner von Suizidbeihilfe zu schrecklichen Todesarten und "segnet" die Sterbehilfe-Befürworter im Bundestag und seinen Sterbehelfer-Kollegen Uwe-Christian Arnold.
Bei der Passage über den ehemaligen Behindertenbeauftragten Hubert Hüppe offenbart Dr. Lehmann, wie er sich die Selbstwahrnehmung eines Rollstuhlfahrers vorstellt. Hüppes Sohn, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, legt er die Worte in den Mund: "Vater, ich will sterben, ich hasse mich selbst, ich bin der Welt nur Last".
"Das böse Lehmann-Pamphlet zeigt, wie der Ungeist vom Leben, das nicht wert ist zu leben, in der Gesellschaft wieder aufersteht", so Hüppe. Es sei "genauso bestürzend wie bezeichnend, dass so ein Arzt deutschlandweit Sterbehilfe anbietet." In Bezug auf die kommende Abstimmung warnt Hüppe: "Sollte einer der beiden liberalen Entwürfe oder gar nichts beschlossen werden, könnten Leute wie Dr. Lehmann ungehindert weitermachen."

Von Selli
Es wird von mir angenommen, dass es eine nicht unbeträchtliche Zahl von Abgeordneten gegeben hat, die aus monetären Gründen Sterbe*hilfe* bevorzugt (hat) und in diesem Sinne P. Singer a-moralisch sehr verbunden ist.
Kurz bevor P. Singer in Berlin von der Urania überschwänglich und öffentlichkeitswirksam geehrt worden war, sagte P. Singer in einem Interview, dass er das Leben Behinderter ablehne, da sie seine Versicherungskosten, die er zu zahlen habe, in die Höhe trieben.
Da in der BRD nur noch auf Grund von Geld gehandelt wird (siehe Merkel), wird in der Entscheidung pro Sterbe*hilfe* sicherlich sich auch nur alles ums *liebe* Geld drehen, im Bundestag für die überwiegende Anzahl von Abgeordneten ihr Abstimmungsverhalten sich ums Geld gedreht haben.
Merkel hat sich bei der Abstimmung (wie immer) ganz opportunistisch verhalten. Wäre eine Mehrheit fürs geschäftsmäßig betriebene Abmurksen von chronisch Kranken und Behinderten gewesen, na ja, ...
Ein Glück war es die Mehrheit der Abgeordneten nicht. Jedenfalls nicht bei der Abstimmung vergangene Woche im Deutschen Bundestag.
Von nurhessen
Warum ist mir Ihre Argumentation, so genial in der einfachen Klarheit oder klaren Einfachheit, nicht eingefallen, als ich mich am Freitagabend am Hörertelefon des Hessischen Rundfunks mit dem armen Telefonisten über die großen Begriffe „Freiheit“, „jeder hat das Recht…“ und zum Schluss: „Wir leben in einer Demokratie“(!) zum Thema „Sterbehilfe“ gestritten habe?
Von Sven Drebes
Mich wundert es nicht, dass sich in Umfragen deutliche Mehrheiten für Sterbehilfe aussprechen. Die Frage "Sollen schwer Kranke, die nicht mehr leben wollen, Hilfe beim Sterben bekommen?" ist ja seeehr offen, Da kann man sich den Hinweis "Wenn Sie mit 'Nein' antworten, erschießen wir drei Hundebabys!" glatt sparen.
Das Problem ist viel mehr, dass kaum jemand in Frage stellt, ob die Leute überhaupt Hilfe zum Sterben wollen, wenn sie schwer krank sind. Die meisten, die bei Umfragen gefragt werden, haben den Zustand, den sie sich als nicht lebenswert vorstellen, schließlich noch nie selbst erlebt.
Problematisch finde ich auch, dass der für uns so entscheidende Begriff "Selbstbestimmung" in der Debatte derart missbraucht wird. Für mich macht der nur im Zusammenhang mit Fremdbestimmung durch andere Menschen Sinn.
Von Inge Rosenberger
Die folgenden Zitate aus dem Ärzteblatt - http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/64627 - zeigen deutlich, dass der befürchtete "Dammbruch" nicht völlig von der Hand zu weisen ist.
[...] Van Loenen betonte, dass die Grenzen der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden immer weiter ausgedehnt wurden: „Bis vor einigen Jahren durfte Sterbehilfe nur bei Demenzkranken geleistet werden, die noch einwilligungsfähig waren. Inzwischen müssen die Demenzkranken nicht mehr einwilligungsfähig sein.“ [...]
„Zuerst wird über einwilligungsfähige Patienten diskutiert, die unter Schmerz*en leiden. Mit diesen Fällen fängt die Debatte immer an, denn das sind Fälle, die man nachvollziehen kann" [...]
Mit einer guten Schmerztherapie kann vielen unheilbar Kranken geholfen werden. Und die behandelnden Ärzte dürfen auch heute schon so weit gehen, dass der Tod als "Begleiterscheinung" eintritt.
Von nurhessen
Habe eben, auf hr 1 einen „Nachruf“ auf das nicht-verabschiedete Sterbehilfe-Gesetz gehört. Könnte schreien vor Wut!!! Mir fehlen die Worte, früher gab‘ s mal in der 68-Studentenbewegung das „böse“ Wort vom „Sch….ss- Liberalismus!“ Da ist er wieder der „Sch….ss- Liberalismus! Und wies scheint: er ist angekommen! In den Medien, wir sind so frei!! Die andere Seite kommt nicht zu Wort: Audiatur et altera pars. Liebe Ärzte und Juristen! Wir wollen leben! Ohne dass über uns das Damoklesschwert der Euthanasie schwebt -dies Mal im Gewand der "Freiheit zum Tod"!
Von nurhessen
PAMPHLET von DR. HANJO LEHMANN (ARZT):
Weil’so unerträglich ist; hier nochmal als PDF-Datei:
http://www.huberthueppe.de/WordPress/wp-content/uploads/2015/11/Brand-Urteil.pdf
Von nurhessen
Habe das Pamphlet-"Gedicht" relativ problemlos unter Hubert Hüppe... Bundesatg gefunden. Gut, dass es jetzt der Allgemeinheit zugänglich ist. finde die aktuelle Berichterstattung in den öffentlichen Medien, z.B. HR1 (Rundfunk) ersatunlich "zurückhaltend". Es wird suggeriert, so mein Empfinden, als würde die heutige Abstimmung nicht dem "Willen" der Allgemeinheit entsprechen, sondern man wolle in der Bevölkerung auf breiter Ebene "Sterbehilfe".
Von Susanne v.E
@ Niedermeier,
vielen Dank dafür, dass Sie uns den Text dieses "Gedichtes" so schnell einsehbar gemacht haben.
Es ist der unsäglichste Text, den ich seit langem gelesen habe und eine bodenlose, selbstherrliche Unverschämtheit.
Diese teuflischen, verletzenden Worte sind so dermaßen unterhalb jeder Grenze von Sitte und Anstand, dass ich mir eine Welle der Empörung wünsche, hier, bei facebook und allen andern (sozialen)Medien.
Von G. Niedermeier
https://www.facebook.com/hubert.hueppe/photos/a.229267150555291.1073741828.164514150363925/579074505574552/?type=3
Von G. Niedermeier
Die Anzahl der Leserbriefe wäre sicherlich höher, würde sich direkt unter den Meldungen ein Antwortbutton befinden, der ggf. zur Anmelde- bzw. Registrierungsseite führt.
Hier ist von einem Gedicht die Rede, aus dem nicht einmal zittate präsentiert werden. Ich halte das für mangelnde Transparenz bzw. Recherche. Im Netz konnte ich es nicht ausfindig machen. Ich wäre froh darüber, mir selbst ein Bild darüber machen zu können und nicht von Anderen empfohlen zu bekommen, worüber ich mich ereifern soll.
Natürlich ist es die Aufgabe eines jeden Einzelnen, sich Informationen zu beschaffen, in einer solchen Meldung jedoch erwartet man doch von einer journalistischen Initiative etwas mehr Quellen und Nachweise.
Von nurhessen
Nachtrag: Heute steht auf dem Terminkalender des Deutschen Bundestages: „Plenumsdiskussion und Abstimmung zum ‚Suizidhilfegesetz‘“. Hierbei wird über vier überparteiliche Entwürfe entschieden. Und es muss über ein Gesetz im Sinne aller Behinderten entschieden werden: d.h. die beiden ersten Entwürfe sind „akzeptabel“: (kein ärztlich assistierter Suizid!!), denn sonst können „Sterbehelfer“ wie der Arzt Dr. Lehmann weiter sein Unwesen auf gesetzlich ungeregeltem „Niemandsland“ und im rechtsfreiem Raum betreiben.
Von Selli
@ nurhessen
Guten Morgen nurhesse / nurhessin,
gestern habe ich an einen Abgeordneten der CDU-Bundestagsfraktion meine dringende Bitte gesandt, von der Sterbe*hilfe* heute dringend und umfänglich Abstand zu nehmen.
Ob sich andere Behinderte und chronisch Kranke sowie deren Angehörige an Abgeordnete gewandt haben, ist mir nicht bekannt.
Von nurhessen
Liebe Selli,
man kann sich an Herrn Hubert Hüppe direkt wenden und ihm mitteilen, wie man zu dem unerträglichen Gedankengut des ""Dr. Lehmann" steht. Unter "Behinderte JuristInnen geben Impulse zur Gestezgebung" habe ich im Übrigen bereits 2-Mal auf die heute anstehende Diskussion im Deutschen Bundestag hingewiesen.- Nach allem, was heutzutage in der "Behindertenpolitik" und im diversen dirigistischen Blätterwald erscheint, muss man eben andere Wege zur Öffentichkeit finden.
Von Selli
Interessant, dass es bisher keine Leserbriefe zu dem behinderten- und chronisch Kranken feindlichen Schreiben des *Dr.* Lehmann gibt.
Lehmann ist im Internet als Mitglied der Gesellschaft für *humanes* Sterben angegeben.
Stört es 'die' Behinderten nicht, dass sich an ihrem Leben vergangen wird?
Lehmann scheint selber Schwierigkeiten mit dem Aushalten von Leben zu haben, sonst würde er nicht anderen Menschen an die Gurgel gehen.